Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Martin Schwarzwald: „Können als Familie vieles bewältigen“

Neue gewonnene Zeit für die Familie: Martin Schwarzwald mit Söhnchen Jakob und Ehefrau Franzi mit Töchterchen Klara.
Neue gewonnene Zeit für die Familie: Martin Schwarzwald mit Söhnchen Jakob und Ehefrau Franzi mit Töchterchen Klara.

Das Jahr 2021 war für viele Menschen eine besondere Herausforderung. Auch für Handballtrainer Martin Schwarzwald und seine Familie. Corona spielt keine Rolle. Dafür aber: Hochzeit, Nachwuchs, zwei Umzüge, eine Flut und ein neuer Job, der kurz vor Jahresende endete. Wie das Training des Leverkusener Frauen-Bundesligisten nach der Flutkatastrophe aussah, erzählt er auch.

Weihnachten feiern Martin und Franzi Schwarzwald bei der Familie im südwestpfälzischen Rodalben. Mal zur Ruhe kommen, Zeit haben, nachdenken können. „Wir freuen uns darauf“, sagt Martin Schwarzwald, seit Dienstag Ex-Trainer des Frauen-Bundesligisten TSV Bayer 04 Leverkusen. Der 35-Jährige aus Zweibrücken, der beim SV 64 Zweibrücken seine Trainerkarriere begann, löste diese Woche den Vertrag mit dem Bundesligisten in beiderseitigem Einvernehmen auf. „Mir geht es gut“, sagt er. Er hat nun die Zeit für die Familie, die er sich nicht nehmen konnte, weil kurz vor Ende des Jahres 2020 das Leverkusener Angebot gekommen war. „Das war nicht geplant gewesen“, erinnert Schwarzwald an den Einstieg ins Vollprofi-Trainergeschäft.

Unvermittelte Bayer-Anfrage

Denn dem Handball auf professionellerem Niveau hatte der Kommunikations-Designer im Sommer 2019 eigentlich eine Pause verordnet. Schwarzwald verließ damals den Zweitligisten TV Beyeröhde Wuppertal, mit dem er zwei sehr erfolgreiche Jahre erlebt hatte. Familienplanung stand im Fokus, kein Pendeln mehr zwischen Mainz und Wuppertal. Ganz ohne Handball ging es aber nicht. Schwarzwald übernahm – das passte zum Familienkonzept – den Frauen-Drittligisten SG Bretzenheim. Im März 2020 kam Sohn Jakob auf die Welt. Mit Bretzenheim hatte Schwarzwald Liga zwei im Visier, als unvermittelt die Anfrage aus Leverkusen kam, die Nachfolge von Michael Biegler anzutreten.

Der Familienrat tagte. „Es war immer schon mein Traum, im Hauptberuf Handballtrainer zu sein“, sagt der 35-Jährige, der als 16-Jähriger bereits Co-Trainer im Junioren-Bereich des SV 64 Zweibrücken gewesen war, die Männer des TV Thaleischweiler trainierte, zum SV 64 zurückkehrte, wo er mit den Handballerinnen große Erfolge feierte. Das blieb nicht unbemerkt. Die „Flames“ aus Bensheim/Auerbach verpflichteten ihn für den Nachwuchsbereich. Es folgte der Schritt nach Wuppertal und – über die Zwischenstation Bretzenheim – die Entscheidung für Leverkusen.

Wäscheleine im Wohnzimmer

Er übernahm im Dezember 2020 kommissarisch, zum 1. Februar offiziell. Fast fünf Monate Leben im Hotel, pendeln zwischen Leverkusen und Mainz, wo die Familie wohnte. Dass das aber gar nicht die größte Herausforderung des Jahres werden würde, „ahnten wir nicht“, bekennt Schwarzwald. Im April zog die Familie nach Leverkusen. Zunächst in ein möbliert gemietetes Haus. In dessen Keller lagerten die privaten Möbel, persönliche Erinnerungsstücke, Unterlagen. „Alles wartete darauf, irgendwann ins richtige Heim umzuziehen“, sagt Schwarzwald.

An den Abend des 14. Juli kann er sich dann noch gut erinnern. Seine Frau war hochschwanger, mit dem Sohn zu Hause. Er leitete das Training der Leverkusener Frauen. Auf der Heimfahrt „hat man bei dem Regen schon gemerkt: Das ist anders, das ist nicht normal“, erzählt er. Als er heimkam, „hat Franzi gesagt, dass ich mal in den Keller gehen soll, da stimme was nicht. Es komme Wasser aus der Wand“. Grundwasser drückte sich durch, der Keller lief voll.

Bayer-Frauen helfen statt Training anderen

In den folgenden Stunden „habe ich an Kisten nach oben getragen, was ging“. Papiere, persönliche Erinnerungen. „Was zu retten war, haben wir versucht, zu retten“, erinnert sich Schwarzwald an die Flutkatastrophe. „Wir spannten im Wohnzimmer Wäscheleinen, um Fotos und Papiere zu trocknen“, erzählt er. Möbel und viele weitere Dinge waren kaputt, der finanzielle Schaden groß. Trainingseinheiten in Leverkusen sahen in den folgenden Tagen so aus, „dass die Mannschaft betroffenen Menschen geholfen hat, Keller aus- und aufräumen und solche Dinge“.

Dann die Hochzeit, die Geburt von Klara, der Umzug ins gemietete Haus in Köln, alles schön und herausfordernd. „Das ist schon ein ganz anderes Leben mit kleinen Kindern. Eine besondere Challenge“, sagt er. Seine Frau hielt ihm den Rücken frei.

Der Job als Profitrainer, das bedeutet acht Trainingseinheiten an vier Tagen, zweimal Videostudium mit dem Team. Alles vorbereiten, Bürozeiten für sonstige Aufgaben, und „was mir von Anfang an wichtig war, Zeit zu finden, um mit den Spielerinnen zu sprechen“, sagt Schwarzwald. Dazu Spiele, oft zwei pro Woche. Profi-Trainer zu sein, das war schnell klar, „bedeutete nicht, dass man sein Ziel erreicht hat. Jeden Tag galt es für mich, Neues hinzuzulernen“, sagt er. Seine größte Herausforderung war, die richtige individuelle Belastungssteuerung für die Spielerinnen zu finden.

Leverkusen in Krisenmodus

Das Verletzungspech beutelte die Leverkusener Mannschaft. Führungsspielerinnen, die das junge Team führen sollten, fielen aus. Resultat waren sportliche Misserfolge. Schmerzlich war das Aus im DHB-Pokal bei Zweitligist Waiblingen. Beruflich bedingt konnte Schwarzwald, der die Nähe zur Heimat, zum SV 64 und zu Stefan Bullacher schätzt, erstmals nicht am Camp 64 teilnehmen. Stattdessen Krisenmodus in Leverkusen, die deutliche Niederlage gegen Bensheim/Auerbach im letzten Spiel vor der WM-Pause. Es war Zeit für Gespräche – und die gemeinsam getroffene Entscheidung, neue Impulse in Form des Trainerwechsels setzen zu müssen.

Die Erlebnisse der vergangenen Monate, die Flut, „die haben uns als Familie gezeigt, dass wir vieles bewältigen können. Wir haben eine enorme Summe an Erfahrungen gemacht“, sagt Schwarzwald. Derzeit genießt er es, Söhnchen Jakob abends ins Bett bringen zu können, freut sich, dass er seine Frau entlasten kann. Wie lange? „Werden wir sehen“, sagt er. Er möchte professionell im Handball tätig bleiben. Bis Jakob in die Schule kommt, so die aktuelle Abstimmung im Familienrat, zieht die Familie mit um. Dorthin, wo die nächste handballerische Herausforderung auf den Trainer Martin Schwarzwald wartet.

Rund ein Jahr lang hatte Martin Schwarwald zuletzt auf und um die Bank als Profitrainer beim Frauenhandball-Bundesligisten TSV B
Rund ein Jahr lang hatte Martin Schwarwald zuletzt auf und um die Bank als Profitrainer beim Frauenhandball-Bundesligisten TSV Bayer 04 Leverkusen das Sagen.
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