Zweibrücken Manchmal fährt die Tuba mit

Mit so einer Harley Davidson geht Kurt Zapf demnächst in Kuba auf Tour; die auf dem Bild zu sehende Maschine gehört dem Zweibrüc
Mit so einer Harley Davidson geht Kurt Zapf demnächst in Kuba auf Tour; die auf dem Bild zu sehende Maschine gehört dem Zweibrücker »Route 66«-Wirt Manfred Behrendt.

Sie war ein Traum für ihn, und sie ist es noch immer. Seit 19 Jahren ist Kurt Zapf mit seiner Honda Goldwing unterwegs. Bei Ausfahrten, auf dem Weg zum Kirchentag, oder auch mal zum Konzert. Ein gemeinsames 20. Jahr wird es jedoch nicht geben: Im Spätherbst ist Schluss mit dem Motorradfahren, hat der 80-jährige Zweibrücker beschlossen. Zuvor will er noch Kuba auf einer Harley Davidson erkunden.

„Es macht einfach Spaß“, sagt Kurt Zapf über sein Motorrad und strahlt dabei. Aber irgendwann müsse man aufhören. Weil das Risiko steige, „tappich“ zu werden und runter zu fallen. Dass es im Alter schwieriger werden könnte, sich auf zwei Rädern zu bewegen, war dem gelernten Modellschreiner schon vor 15 Jahren klar. „Ich wollte mir eigentlich einen Beiwagen kaufen“, erzählt er. Aber der sei teurer als erwartet. Jetzt dient das angesparte Geld zur Finanzierung der motorisierten Karibik-Tour – auf der sein Sohn Christoph ihn begleitet. Eine große Reise auf einem ebenso großen Motorrad hat Zapf schon einmal unternommen, vor sieben Jahren. Damals war das westliche Kanada sein Ziel, auch seinerzeit war eine Harley Davidson das Bike. „Die wird oft von Leuten in Lederjacke gefahren, mit Fransen an den Ärmeln“, erwähnt der sechsfache Großvater Mentalitätsunterschiede zur eher bürgerlichen Goldwing-Gemeinde. Berührungsängste sind ihm indes ebenso fremd wie Vorurteile. Für ihn zählen Komfort und Wetterschutz – bei gemeinsamen Touren ins Ötztal oder nach Sardinien, wie auch bei kleinen Ausfahrten mit den Enkelkindern. „Auf der Goldwing kann ich sogar meine Tuba transportieren“, berichtet das Mitglied des pfälzischen Senioren-Posaunenchors. Ohne Tuba, aber mit dem Winterbacher Pfarrer Tilo Brach und weiteren Motorrad-Begeisterten war er erst kürzlich auf dem Kirchentag in Berlin. Werden Motorrad-Reisegruppen aufgeteilt, gehört Kurt Zapf zu den „Blümchenpflückern“. Rasanten „Knieschleifern“ lässt er gern den Vortritt. Trotz seines eher gemächlichen Tempos weigert sich seine Frau Ilse allerdings beharrlich, mit aufzusteigen. „Damals, als wir heirateten, ist sie noch auf der Vespa mitgefahren“, gibt der Mann mit der professionell eingerichteten Holzwerkstatt preis. Dann wurden die Kinder geboren, und es war Motorrad-Pause. Ein bisschen Klettern blieb ihm als Hobby, und Abfahrt-Ski mit der ganzen Familie. Aber 1972 stand dann eine 900er BMW vor dem Garagentor – auf der er mit seiner Tochter bis nach Schweden fuhr. Eine vierzylindrige Goldwing 1200 folgte, musste aber schon nach vier Jahren Platz machen für das Modell mit 1500 Kubikzentimetern, sechs Zylindern und Rückwärtsgang. Selbst in den Alpen habe sich der 400-Kilo-Koloss bewährt, meint Zapf. Spinnerei sei ein so großes Motorrad andererseits schon. „Dreimal haben sie mich als ältesten Esel ausgezeichnet“, berichtet er nicht ohne Stolz von Pokalen, die er bei Goldwing-Treffen als Senior erhielt. Und ein Tüv-Prüfer habe angemerkt, die Motorrad-Kundschaft aus seiner Klasse sei rar. All das kein Grund für Kurt Zapf, den Abschied vom Zweirad zu überdenken. Wenngleich er sich auf die Kuba-Tour mit Ernesto Guevara freut, dem jüngsten Sohn des Motorrad-Enthusiasten Che und einzigem Anbieter von Harley-Reisen auf der Insel.

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