Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Malen gegen Schmerz: Wie eine Nonne Patienten geholfen hat

Die Bilder von Schwester Ruthgard Baumann sind derzeit im Café-Bistro des Nardini-Klinikums zu sehen.
Die Bilder von Schwester Ruthgard Baumann sind derzeit im Café-Bistro des Nardini-Klinikums zu sehen.

Die ehemalige Laborschwester Ruthgard Baumeister stellt ihre Bilder in der Cafeteria des Nardiniklinikums Zweibrücken aus. Mit Malerei hat sie Schmerzpatienten geholfen.

Schwester Ruthgard Baumeister blickt mit ihren Bildern zurück auf eine lange Schaffensperiode. Blumen hat sie gemalt, Bäume und Bäche, aber auch experimentell mit Patienten der Schmerztagesklinik. 40 Jahre hat die 87-Jährige im Nardiniklinikum als Laborschwester gearbeitet.

„Es war wohl das Erleben der reichen Farb- und Formvielfalt in der Natur, die wir spielerisch und unbewusst in uns aufgenommen haben. Diese Erlebniswelt hat mich sicher auch geprägt und Spuren hinterlassen“, sagt Schwester Ruthgard Baumeister beim Treffen in der Cafeteria des Nardiniklinikums, wo ihre Bilder hängen.

Geboren ist die 87-Jährige in Niederbayern, in einem Dorf in der Nähe von Straubing „mit viel Umgebung, Landschaft, Wiesen, Wasser, Bäumen und Platz zum Spielen“. Das kreative Arbeiten sei für sie stets Hobby gewesen, ein Ausgleich zur beruflichen Arbeit im Labor, „etwas, das mir und anderen Freude schenkte“. Die besonderen handwerklichen Techniken habe sie in der Realschule und in der Frauenfachschule im Kloster Mallersdorf kennengelernt, die sie schon besuchte, bevor sie Nonne wurde. Schwester Ruthgard: „Bis heute besitze ich ein seidenes Tüchlein, mein erstes in der Batiktechnik.“

Die Nonne hat sich von Farben und Formen der Natur inspirieren lassen.
Die Nonne hat sich von Farben und Formen der Natur inspirieren lassen.

Rückblickend sei ihr bewusstgeworden, wie wichtig Menschen waren, die sie unterstützten. So habe sie etwa der Wunsch von Schwester Luthardis, damalige Verwaltungsleiterin, motiviert, sich an eine größere Batikarbeit zu wagen: 1996 setzte sie das Lied von Franz von Assisi „Der Sonnengesang“ gestalterisch um. In der Folge entstanden mehrere größere Batikarbeiten für den liturgischen Gebrauch, Messgewand und Stola, die Darstellung der biblischen Erzählung „Die Frau am Jakobsbrunnen“ und 2007 ein Tuch zur Erinnerung an das 100-jährige Bestehen des Krankenhauses.

Dann habe sie sich der Seidenmalerei zugewandt, „einer Technik, die platz- und zeitsparender ist als die sehr aufwendige Batikarbeit“. Schließlich sei sie 2002 auf einen Kurs „Experimentelles Malen mit Acryl“ aufmerksam geworden. „Das war eine gute Fügung. Diese Art des Malens konnte ich gut einsetzen bei meiner Arbeit in der Schmerztagesklinik.“ Ab 2004 übernahm Schwester Ruthgard in der neu errichteten Schmerztagesklinik des Krankenhauses das kreative Gestalten.

Malerei macht Schmerzpatienten Mut

Das experimentelle Malen habe bei den Patienten „eine Tür geöffnet, die durch den Schmerz verschlossen ist“, stellt sie fest und zitiert Eugène Fromentin: „Malen ist die Kunst, das Unsichtbare mit den Mitteln des Sichtbaren auszudrücken.“ Das Malen habe den Patienten Freude am Tun gegeben, Mut, wieder aktiv zu werden, Neues auszuprobieren. Sehr gut angekommen sei die Ausstellung 2007 in der Sparkasse mit 60 Bildern zum Thema „Malen mit Schmerzen – Malen gegen den Schmerz“.

Neun Jahre habe sie die Patienten in der Schmerztherapie begleitet, für sie persönlich „eine kreative Zeit, eine sinnvolle Aufgabe, die Erfüllung schenkte“. Außerdem besuchte sie Kurse in Aquarell und traute sich erstmals 2008, eigene Bilder auszustellen unter dem Thema „Feste Grenzen – fließende Übergänge, Batik und Aquarell.“

Für die aktuelle Ausstellung in der Cafeteria des Nardiniklinikums habe sie den Titel „Die Farbe in meinem Leben“ gewählt. Farbe sei für sie „ein schönes, sinnvolles Mittel, kreativ zu sein, eine Idee visuell umzusetzen“, so die zierliche Frau, die nicht gerne im Mittelpunkt steht. Zu sehen sind Bilder mit Blumen und Bäumen, Booten, Engeln, eine Batikarbeit und Ergebnisse experimentellen Malens.

Neue Technik auf Ziegenhaut

An eine ganz neue Technik, die Buchmalerei, habe sie sich zuletzt gewagt und Kurse in Frankreich besucht. Bei der Buchmalerei werde die Vorlage auf Ziegenhaut übertragen und die Bilder mit Naturfarben so nachgemalt, wie sie waren, „auch mit Goldauflagen“. Die Technik sei aufwendig, weil viele Farbaufträge übereinandergelegt würden, erklärt Schwester Ruthgard. Heute gestalte sie noch gerne Karten für den Weihnachtsbasar.

Schwester Ruthgard Baumeister kam 1961 nach Zweibrücken ans katholische Krankenhaus, das heutige Nardiniklinikum. In den Orden der Mallersdorfer Schwestern eingetreten war sie 1959. Sie hatte eine Ausbildung in Hauswirtschaft, doch am katholischen Krankenhaus wollte Schwester Luthardis jemanden fürs Labor, wie sie erzählt: „Das klang gut für mich.“ Auf zwei Jahre Pflegeschule folgte von 1963 bis 1965 die Ausbildung zur Medizinisch-Technischen Assistentin (MTA) in Köln-Hohenlind. Danach arbeitete Schwester Ruthgard 40 Jahre im Labor und war weithin bekannt als „die Laborschwester“.

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