Zweibrücken
Kunst in wohnlicher Umgebung
Das abstrakte Doppelbild hängt neben der Toilettentür. Die Statue der nackten Schönheit steht neben der Badewanne. Das große Gemälde in Knallfarben ziert die Wand im Arbeitszimmer. Es kommt selten vor, dass man in einer Ausstellung Kunst so sieht wie zuhause: Einzelstücke im möblierten Raum. Die Ausstellung der Prisma-Künstler im Bauwerk betritt Neuland.
Ein Hauch von Kunstgalerie-Atmosphäre gibt es natürlich im Bauwerk am Flughafen: Peter Hudlets Serie mit Objekte aus Buchenholz im Erdgeschoss. Alle stehen auf zwei dünnen schwarzen Stahlbeinchen und wirken wie Figuren, die nur aus einem Kopf bestehen. Einem Kopf mit Loch in der Mitte. Sie stammen alle aus demselben Buchenstamm, erklärt der Bildhauer. Als man ihm gesagt habe, dass in der Zweibrücker Innenstadt eine Buche gefällt wird, war er zur Stelle. Er nahm den Baumstamm und sägte ihn in Scheiben, die er bearbeitete.
Das Loch in der Mitte
Der Clou ist immer das Loch in der Mitte. Mit Zacken, die wie Zähne in den Durchblick ragen. Einmal hat er sie rot angemalt, was den Horror-Charakter betont, das andere Mal hat er gar nichts gemacht – und der Kopf sieht einfach nur aus wie ein herzhaft lachendes Gesicht. Natürlich hat er die Buchenscheibe bearbeitet, aber so sacht, dass es ganz natürlich wirkt. Wunderbar. Fünf dieser Kopffiguren, im Abstand von etwa drei Meter in einer Reihe aufgestellt, sind eine Serie, die man so wohl nicht im Wohnzimmer findet.
Aber alle anderen Arbeiten, die die Zweibrücker Künstlergruppe Prisma in dem Geschäftshaus Bauwerk (da geht es ums Bauen und Wohnen in allen Schattierungen) zeigt, haben mit Galerie-Platzierung nichts zu tun., sondern gehören in die Rubrik „Kunst in häuslichem Ambiente“. Was für Gastgeber und Künstler verkaufsfördernd sein mag, vor allem aber dem Ausstellungsbesucher einen völlig neuen Blick ermöglicht. Statt drei bis vier Arbeiten pro Wand gibt es hier nur ein Werk – und es korrespondiert mit Tür, Tisch und Couch.
Die abstrakten Arbeiten der Prismaten passen hervorragend zu den modernen Möbeln. Und die Prisma-Künstler tun das, was sie immer tun: Sie überraschen mit etwas Neuem. Bei Betina Knerr sind es Doppelbilder: Die eine Hälfte der Leinwand ist weiß mit wenigen willkürlichen schwarzen Linien (gezogen mit dem Rakel und anderen Hilfsmitteln), die andere ist einfach nur einfarbig: blau oder rot. Mit dem Effekt, das die farbige Seite auf die schwarz-weiße einwirkt.
Wie eine Harley Davidson
Auch Hermann Weis nimmt Rakel und manchmal auf Pappbahnen, um die Farbe auf seine mehrere Meter großen Acrylgemälde zu bringen. Dadurch bekommen die Linien Schwung und Bewegung, einmal sogar so sehr, das ein Besucher meinte: Die auf Blech gemalten Bögen erinnerten ihn an eine Harley Davidson. Auch für andere Arbeiten nahm Weis keine Leinwand, sondern festeren Untergrund, etwa für das leuchtend rote abstrakte Gemälde im Arbeitszimmer, bei dem immer wieder ein bisschen Hellbau durchblitzt. Das ist die frühere Farbe, denn er hat das Bild übermalt, bekennt Weis. Das schafft Aha-Erlebnisse, auch was die Leuchtkraft der Farben angeht.
Raymond David überrascht mit klassischen Statuen (parallel steht er in der Karlskirche freie Formen aus): ein Torso aus hellem Stein auf der einen Seite neben der Badewanne, die Bronzestatue einer nackten Schönheit an der anderen. Sein klassisch geformtes Liebespaar aus Holz, ein flaches Paneel, wirkt wie eine kleine Wand, die einen Teil des Wohnzimmers abtrennt, sein etwa halbhohes Liebespaar aus Stein, das aus einer Blume hochwächst wie eine Märchenfigur fürs Kinderzimmer.
Anklänge ans Bauhaus
Klaus Wingerter verfremdet auf seinen quadratischen Arbeiten Formen, die man von Handwerksgeräten kennt (Schnecken, Lamellen, Handgriffe, Punkte) und kombiniert sie zu neuen geheimnisvollen Fantasiebildern – oder auch zu einem Relief, das aussieht, als sei es ebenso dem Bauhaus entsprungen wie das moderne Ausstellungsgebäude selbst.
Keine Frage, die Kunst bereichert das Industriehaus Bauwerk . Es ist zu hoffen, dass das kunstsinnige Besitzer-Ehepaar Hofer, das gerne im Hintergrund bleibt und bei der Vernissage nicht zu sehen war, sich nun regelmäßig Künstler ins Haus holt. Dann wäre Zweibrücken wieder um eine Kunstattraktion reicher, die es anderswo nicht gibt.
Ausstellung
Künstlergruppe Prisma: „Kunst trifft Kompetenz“, Zweibrücken, Flugplatz, Bauwerk Kompetenz GmbH, Straßburger Ring 21/Ecke Europa Allee 28. Bis 19. Dezember. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10-18 Uhr, Samstag 10-16 Uhr.