Zweibrücken
Kunst auf der Schale: Wie aus Eiern kleine Meisterwerke werden
Wie man Eier nach alter Tradition färbt, lernten kürzlich 20 Teilnehmerinnen im Alter von sieben bis 92 Jahren im Gemeindesaal der Mennonitengemeinde. Geleitet wurde der Kurs von Renate Guth vom Wörschweilerhof, die diesen Brauch seit mehr als 40 Jahren pflegt. Für den ersten Arbeitsschritt nutzten die Teilnehmerinnen ein besonderes Werkzeug: den Kopf einer Stecknadel aus Glas, befestigt an einem Holzstäbchen. Dieser wird in heißes Bienenwachs getaucht, um feine Punkte und Tropfen auf das rohe Ei zu setzen. So entstehen mit etwas Geschick fantasievolle Motive wie Blumen, Sonnenräder oder christliche Symbole. Das Verzieren erfordert viel Zeitaufwand: Zwischen zehn Minuten und einer Stunde kann die Gestaltung eines einzelnen Eis dauern.
Im zweiten Schritt werden die mit Wachs verzierten Eier zwischen 30 und 90 Minuten in ein Molkebad eingetaucht, in der zuvor rostiges Eisen gelegen hat – etwa Nägel oder Hufeisen. „Die Milchsäure in der Molke löst das Eisenoxid, das beim späteren Kochen im Zwiebelschalen-Sud den Färbeprozess intensiviert“, erklärt Renate Guth. Auch das Alter der Eier sowie die Dauer des Molkebads beeinflussen das Ergebnis.
Nach dem Bad zeigt sich der Effekt
Im zweiten Bad – im Zwiebelschalen-Sud – werden die kalten Eier reingelegt. Die braune Brühe wird langsam zum Sieden gebracht und soll danach noch rund eine halbe Stunde mit den Eiern köcheln. Nach diesem Prozess zeigt sich der Effekt: Überall dort, wo zuvor Wachs aufgetragen wurde, bleibt die ursprüngliche Farbe der Eier erhalten, während die übrigen, unbehandelten Flächen dunkel gefärbt sind. Für einen kräftigen Farbton empfiehlt Guth rund 30 Gramm Zwiebelschalen auf fünf Liter Wasser. Dies sei ausreichend für mehrere Dutzend Eier. Allerdings erfordere diese traditionelle Methode Geduld. „Mal schnell ein paar Eier färben – dafür ist sie ungeeignet“, betont sie. Allein das Sammeln der Zwiebelschalen nehme Zeit in Anspruch, und auch Molke sei nicht mehr überall leicht erhältlich. Zudem sollten die Eier idealerweise zwei bis drei Wochen alt sein.
Nach der Entnahme der Eier aus dem Zwiebelschalen-Sud sollen diese abkühlen und danach mit einem Tuch gereinigt werden. Einreiben mit einem Tropfen Raps-, Oliven- oder Sonnenblumenöl bringe die entstandenen Kunstwerke auf Hochglanz. Von der früher üblichen Speckschwarte rät Guth ab: „Das kann mit der Zeit etwas unangenehm riechen.“
Es geht auch weniger aufwendig
An Tisch sechs saßen an diesem Nachmittag Sigrid Conrad aus Zweibrücken, Andrea Klappstein aus Bechhofen und Erika Schunck aus Webenheim. Sie kannten die Technik bislang nur vom Hörensagen und wagten sich nun erstmals an die Umsetzung. „Ich habe mennonitische Vorfahren und erinnere mich, dass meine Urgroßmutter Eier auf diese Weise gefärbt hat. Das möchte ich heute selbst ausprobieren“, erzählt Conrad. Auch Andrea Klappstein reizte vor allem der kreative Aspekt: „Gestalten bedeutet für mich Entspannung.“
Sie könne sich sogar vorstellen, die Technik künftig in ihrer Ergotherapiepraxis einzusetzen. Erika Schunck brachte ebenfalls persönliche Erinnerungen mit: „Vor vielen Jahren habe ich einmal solche Eier geschenkt bekommen.“ Nun möchte sie die Methode selbst erlernen. Dabei nahm sie gleich eine wichtige Erkenntnis mit: „Die Eier sollten leicht angewärmt sein, damit das Wachs beim Auftragen nicht sofort erstarrt.“ Ob sie ihre neuen Fähigkeiten an die Enkel weitergibt, lässt sie noch offen: „Mal sehen, ob überhaupt Interesse besteht.“
Eine zeitlich weniger aufwendige Technik präsentierte Anne Bauer: Mit geschmolzener roter Wachsmalkreide brachte sie filigrane Muster auf die Eier auf. In diesem Fall bleibt das aufgetragene Wachs auf dem Ei und bedarf keiner weiteren Behandlung mehr. Auf diese Weise lassen sich auch braune Eier ansprechend verzieren, während auf weißen Eiern vor allem bunte Wachsmotive besonders gut zur Geltung kommen.
Am Ende des Kurses zog Sigrid Conrad ein Fazit und betonte, dass die Arbeit eine echte feinmotorische Herausforderung gewesen sei: „Man muss hier üben!“ Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangte auch Andrea Klappstein: „Ich habe mir das leichter vorgestellt! Das Ganze hat durchaus seinen Anspruch.“ Einig war sich auch Erika Schunck mit ihren Tischnachbarinnen: „Der Spaß kam dabei keineswegs zu kurz.“