Neunkirchen Komikerin Mirja Regensburg: „Humor ist überlebenswichtig“
Ihr Programm heißt „Happy“ – ein einfaches, fast verdächtig positives Wort. Was steckt dahinter?
Der Titel sollte auf den Punkt bringen, wofür ich stehe – und wonach sich viele Menschen gerade sehnen.
Was war der erste Gedanke, als die Idee zur neuen Tour entstand – ein Thema, eine Haltung oder ein Gag?
Am Anfang stand eher meine Haltung zum Leben: positiv, lebensbejahend, lösungsorientiert und dankbar für die kleinen Dinge, die glücklich machen. Danach habe ich die Geschichten ausgewählt.
Ihr Programm lebt stark von Tempo und Interaktion – wie hat sich Ihr Stil im Vergleich zu früher verändert?
Mein Stil war tatsächlich immer schon so. Musikanteile, feste Stand-up-Passagen und Interaktion. Ich habe schon immer gerne mit dem Publikum gespielt. Ich liebe das sehr. Das macht jeden Abend einzigartig.
Welche Themen sind Ihnen bei diesem Programm besonders wichtig?
Mir ist wichtig, alle Generationen sowie Männer und Frauen gleichermaßen anzusprechen. Ich habe sowohl Themen aus meiner Generation X ausgewählt als auch welche, die Millennials oder Gen Z kennen, aber auch deren Großeltern. Ich ziehe den Bogen vom Prämenstruellen Syndrom, dem Älter werden, Motorrad fahren, Reisen, Beauty Irrsinn auf Social Media bis hin zu klassischen Partnerschaftsthemen. Ich lege Wert darauf, dass sich möglichst alle abgeholt und unterhalten fühlen. Vermutlich sitzen deshalb oft drei oder sogar vier Generationen im Publikum, die sowohl meine Clips von TikTok als auch meine Auftritte aus dem TV kennen. Ich liebe es zu sehen, wenn ganze Familien kommen und gemeinsam lachen. Lachen verbindet!
Ihr Humor bewegt sich oft zwischen Alltagsbeobachtung und gesellschaftlicher Zuspitzung – wo ziehen Sie persönlich die Grenze?
Ich ziehe die Grenze an der berühmten Gürtellinie, auch bekannt als meine Muffinjeans-Linie. Da wo der Teig übers Bündchen kommt.
Haben Sie das Gefühl, dass Humor aktuell eine andere Funktion hat als noch vor einigen Jahren?
Humor ist und war schon immer wichtig. Überlebenswichtig. Heute weiß man, dass wir pro Tag so viele Informationen in unserem Gehirn aufnehmen, wie ein Bauer im Mittelalter in seinem gesamten Leben. Wir sind heute permanent mit Informationen konfrontiert und oft im Dauer-Alarmzustand. Gerade deshalb brauchen Menschen Momente, in denen sie loslassen und lachen können. Lachen ist lebensverlängernder als Sport. Das wusste ich schon immer. Ich mache ganz selten Sport. Ich will, dass es was Besonderes bleibt.
Hat sich das Publikum in den letzten Jahren verändert, ist es sensibler oder vielleicht auch dankbarer geworden?
Beides tatsächlich. Was ich sehr schön finde. Eine gewisse Achtsamkeit – auch in der Comedy – halte ich für wichtig. Gleichzeitig wissen die Menschen, die kommen, durchaus zu schätzen, wie besonders solche Live-Abende sind, die wir gemeinsam erleben.
Welche Reaktion des Publikums überrascht Sie aktuell am meisten?
In meiner Show ist es tatsächlich so, dass es fast jeden Abend Standing Ovations gibt. Das ist nicht unbedingt die Regel in einer Comedy-Show, und das berührt mich jedes Mal aufs Neue.
Erleben Sie das Publikum bei „Happy“ anders als bei früheren Programmen – vielleicht offener, erwartungsvoller oder auch kritischer?
Das Publikum ist heute manchmal vorsichtiger, weil spontane Interaktionen auf Social Media landen können. Seit einigen Jahren nutzen viele Comedians solche Momente für Reels, um potenzielle Zuschauer und Zuschauerinnen im Netz auf sich aufmerksam zu machen und zu einem Besuch der Liveshow zu begeistern. Daher kennen auch mich viele meiner Gäste und manchmal hemmt das vielleicht ein bisschen. Ansonsten ist mein Publikum in den letzten Jahren gemischter geworden – mit mehr Männern und auch mehr queeren Gästen als früher.
Info
Mirja Regensburg: „Happy“. Sonntag, 12. April, 19 Uhr; Neunkirchen Gebläsehalle. Karten: ticket-regional.de.