Zweibrücken Kokett, schnippisch, ganz Diva

Sogar das Wetter spielte gestern Morgen mit, als Anne Schoenen mit ihrer Band das Programm „Die Schoenen au cinéma“ im Zweibrücker Rosengarten vorstellte. Die ersten Regentropfen kamen erst am Ende des Konzertes.

Mit Hits wie „Les cinémas bars“ von Dianne Tell, dem Titelsong aus „Love Story“, oder Caterina Valentes Schlager „Ganz Paris träumt von der Liebe“ verzauberte die charismatische Chansonnière aus dem Saarland mit ihrer wandlungsfähigen Stimme die gut 300 Zuhörer, die sich bei einem gemütlichen Picknick mit Livemusik sichtlich wohlfühlten. Ein paar Kinder spielten Federball. Die ganze Bandbreite der Filmmusik spiegelte sich in Anne Schoenens Konzert, doch in erster Linie ging es um die Liebe in all ihren Facetten. Im taupefarbenen Abendkleid ließ die temperamentvolle Sängerin Höhepunkte der Filmmusik Revue passieren, zum Beispiel Michel Legrands Song „The Windmills of Your Mind“ aus der Gangsterparodie „Die Thomas Crown Affäre“ mit Faye Dunaway und Steve McQueen. Nostalgisch überhaucht klang ihre dunkle, leicht rauchige und doch klar aufblühende Stimme in dieser elegischen Strophenballade, in der die Melodie in Stimmungsbildern vor sich hin träumte – ein nuancenreicher Vortrag, der durch seine tief empfundene Eindringlichkeit unter die Haut ging. „Sing Happy“ nach einem Song von Liza Minnelli und einem neuen Text von Harald Rech mündete in die beschwörende Aufforderung „Erzähl’ mir vom Glück“. Doch natürlich kommt alles anders, und so beschrieb Anne Schoenen in Edith Piafs „L’accordeoniste“ mit warmer, zutiefst berührender Stimme, die sich zu schmerzlicher Intensität steigerte, eine Liebe, die der Krieg trennt: „Hört auf mit der Musik“ lautete der Aufschrei des gequälten Mädchens, das seinen Liebsten ziehen lassen muss und dem so gar nicht nach singen und fröhlich sein zumute ist. Doch unter dem Applaus des Publikums machte Anne Schoenen weiter und präsentierte zusammen mit Alexandre Huber darstellerisch überzeugend Dalidas Titel „Parole, parole“, den sie 1973 mit dem französischen Filmstar und Frauenschwarm Alain Delon aufgenommen hatte: Kokett, schnippisch, ganz Diva war die Vollblutmusikerin in diesem Chanson, in dem sie ihren attraktiven Verehrer frivol abblitzen lässt. Sehnsuchtsvoll waren die „Parapluies de Cherbourg“; und wie sie ihren Schatz verwöhnen würde, wenn sie ein Mann wäre, schilderte Anne Schoenen in Dianne Tells „Si j’étais un homme“. Mit pulsierender Vitalität interpretierte sie Jacques Brels elektrisierenden Chanson „Mathilde“, in dem er seinen Liebeshoffnungen und Enttäuschungen Luft macht. Anne Schoenens Band präsentierte sich mit Duke Ellingtons „Caravan“, einem Jazztitel mit orientalischem Flair, den Woody Allen mehrfach in seinen Filmen verwendete: Vincenzo Carduccio am Akkordeon, Schlagzeuger Alexandre Huber, Jörg Jenner am Bass und Gitarrist Endi Caspar rissen die Zuhörer mit sicheren, prägnanten Rhythmen und faszinierenden Klangfarben mit. Auch Nino Rotas Filmmusik zu dem Oscar-prämierten Film „Der Pate“ begeisterte die Zuhörer. Das Konzert, das Jazz, Chansons und Filmmusik zu einer stimmigen Einheit verband, endete mit Sylvie Vartans Schlager „Die Liebe ist wie eine Zigarette“, der ein Seniorenpaar zu einer spontanen Tanzeinlage animierte, und Adamos „Inch’ Allah“ als Zugabe. Das Publikum applaudierte hingerissen und harrte trotz der ersten Regentropfen noch aus. Unter den Zuschauern waren Fans von Anne Schoenen, die eigens angereist waren, wie Doris Woll-Beier, die die stimmungsvolle Umgebung des Rosengartens und den originellen Musikstil der Band schätzt. „Die Idee zu diesem Programm entstand letzten Herbst“, erzählte Anne Schoenen. „Die Arrangements haben wir alle selbst während der Proben entwickelt, damit die Songs auch für unsere Band passen. “

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