Zweibrücken
Kitas: „Sehr zufrieden“ statt „Schlecht wie nie“
Seit einem Jahr gelten in den städtischen Kindertagesstätten verkürzte Öffnungszeiten. Eingeführt wurden sie als Maßnahme gegen Personalknappheit und Ausfälle. Ist der Plan aufgegangen? „Absolut“, sagt Jugendamtsleiter Jörg Klein, „ich bin sehr zufrieden“. Sein Fazit: Es gibt viel weniger Schließtage, also Tage, an denen eine Kita kurzfristig gar nicht öffnen kann.
Die Situation in den städtischen Kitas war im April vergangenen Jahres besorgniserregend. Klein räumte das damals unumwunden ein, sagte gar, sie sei „so schlecht wie noch nie“. Täglich waren zu diesem Zeitpunkt laut dem Amtsleiter um die 20 Erzieherinnen krank, hinzu kamen unbesetzte Stellen. Die Folge: Kinder konnten erst später oder gar nicht gebracht werden, oder sie mussten früher abgeholt werden, das alles meist sehr kurzfristig.
Entlastung durch 19 Springerstellen
Die Stellschraube, an der das Jugendamt drehte, war vergleichsweise gering: Statt um 17 Uhr schließen die städtischen Kitas seit einem Jahr bereits um 16 beziehungsweise 16.30 Uhr. So werden laut Klein 70 Arbeitsstunden eingespart, was Ausfälle während der Kernzeiten minimiere. Personell seien die städtischen Kitas derzeit ohnehin gut aufgestellt, was nicht zuletzt an 19 Springerstellen liege, die teilweise in Teilzeit ausgeübt werden. Wenn Erzieherinnen krank werden, könne es immer noch sein, dass einzelne Kitas später öffnen, früher schließen oder Kinder gruppenweise zu verschiedenen Zeiten betreut werden. Alles in allem aber sei die Situation heute im Vergleich zu 2025 aber sehr gut, so Klein.
Der Amtsleiter kann das mit Zahlen belegen. Von den 14 städtischen Kitas habe es 2024/2025 nur drei ohne jegliche Einschränkungen gegeben, 2025/2026 treffe das auf neun Einrichtungen zu. Geringfügige Einschränkungen gab es 2024/2025 in sechs Kitas, ein Jahr später nur noch in vier. Zu größeren Einschränkungen kam es im vergangenen Kita-Jahr noch in fünf Einrichtungen, heuer war das laut Statistik nur in einer der Fall.
Mehr freie Tage möglich
Dass es überhaupt noch zu Ausfällen kommt, liegt laut Klein nicht nur an Krankheitsfällen, sondern auch an den neuen Tarifabschlüssen. Erzieherinnen hätten jetzt mehr freie Tage zur Verfügung. Bei einer Vollzeitstelle kämen zu 30 Urlaubstagen zwei Regenerationstage und noch mal bis zu fünf sogenannte Umwandlungstage, an denen die Zulage reduziert und dafür Freizeit genommen werden kann. „Im Maximalfall sind das dann 38 freie Tage, acht mehr als zuvor, die dann in der Einrichtung fehlen“, erklärt Klein. Allerdings nähmen die wenigsten die vollen fünf Umwandlungstage in Anspruch.
Aktuell gebe es in den städtischen Kindertagesstätten 22 Auszubildende, zum Teil in dualer, zum Teil in klassischer Ausbildung, sowie bis zu fünf FSJler, also junge Leute, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. „Auch sie tragen zur guten Personalsituation bei“, so Klein.
Die verkürzten Öffnungszeiten seien von den Eltern gut aufgenommen worden. Zum einen seien die Ganztagsplätze auch zuvor schon nur sehr selten bis 17 Uhr belegt gewesen. „Zum anderen ist es den Eltern lieber, die Kita ist jeden Tag planbar etwas kürzer offen als dass kurzfristig die komplette Kita zumacht“, gibt Klein die Einstellung der Mütter und Väter wieder. Da die Lage jetzt entspannt sei, seien in den städtischen Kitas vorerst keine weiteren Maßnahmen geplant.
Kein Einfluss auf kirchliche Kitas
Klein weist darauf hin, dass seine Schilderungen nur für die städtischen Kitas gelten. Auf die Öffnungszeiten der kirchlichen Einrichtungen habe das Jugendamt der Stadt keinen Einfluss. Laut Klein setzt man bei den freien Trägern nicht auf Springerinnen, sondern eher auf ungelernte Aushilfen denn auf Fachkräfte, wenn es zu Engpässen kommt.