Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Kindernotdienst: Kassenärzte weisen saarländische Kritik zurück

Die angekündigte Verlegung der Kinderklinik Kohlhof in Neunkirchen sorgt für viel Wirbel.
Die angekündigte Verlegung der Kinderklinik Kohlhof in Neunkirchen sorgt für viel Wirbel.

Die geplante Verlegung der Kinderklinik Kohlhof erhitzt die Gemüter über die Landesgrenzen hinweg. Jetzt äußert sich die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz weist Vorwürfe zurück, die der saarländische Kinderarzt Hagen Reichert gegen sie erhoben hat. Die KV sei weder Schuld daran, dass die Westpfalz keinen eigenen kinderärztlichen Notdienst hat, noch daran, dass es in der Grenzregion keinen gemeinsamen pädiatrischen Notdienst mit dem Saarland gibt. Aufgekommen waren die Vorwürfe im Zuge der geplanten Verlegung der Kinderklinik Kohlhof mit angeschlossenem kinderärztlichem Notdienst in Neunkirchen.

Rainer Saurwein, Leiter der Abteilung Eigeneinrichtungen bei der KV in Mainz, betont, dass Kinder- und andere Fachärzte nicht verpflichtet seien, fachbezogene Notdienste anzubieten. Von dieser Warte aus betrachtet, sei an der Situation in der Westpfalz nichts zu bemängeln. Pflicht der Kinderärzte sei es allerdings, sich am allgemeinärztlichen Bereitschaftsdienst zu beteiligen. Dass in den Bereitschaftsdienstzentralen wie der im Zweibrücker Nardini-Klinikum Ärzte aller Fachgruppen auf kranke Kinder treffen, sei nicht problematisch, so Saurwein. Alle hätten eine medizinische Grundausbildung, könnten deshalb auch beurteilen, wie schlecht es einem Kind geht, und wenn nötig weiter verweisen an Kinderkliniken oder kinderärztliche Notdienste.

„Wir behandeln ja auch saarländische Kinder“

Von Zweibrücken aus werden Kinder und Jugendliche an Wochenenden meist ins benachbarte Saarland geschickt, wenn ihnen vor Ort nicht geholfen werden kann: in die Kinderklinik der Uniklinik Homburg oder zum Neunkircher Kohlhof. Umgekehrt würden aber auch saarländische Patienten in der Westpfalz behandelt, so Saurwein. Die Notdienste im Saarland gebe es nur an den Wochenenden. Was dazu führe, „dass in Zweibrücken, Kusel und im Raum Kaiserslautern unter der Woche viele Saarländer in den Bereitschaftspraxen behandelt werden, Kinder und Erwachsene“. Vor allem mittwochs und freitags kämen viele Patienten aus dem Nachbarland. Saurwein: „Es ist also keine Einbahnstraße, sondern ein Geben und Nehmen.“

Grundsätzlich sei es möglich, in der Westpfalz einen kinderärztlichen Notdienst zu gründen, sagt Saurwein. Wenn die hiesigen Fachärzte das wollten, müssten sie das bei der KV beantragen. Die prüfe dann, ob der allgemeinärztliche Notdienst noch gewährleistet ist, wenn die Kinderärzte dort rausfallen. Saurwein: „In der Regel ist das aber der Fall. Es gibt ja auch bereits in mehreren Regionen in Rheinland-Pfalz kinderärztliche Notdienste.“ Indes: Aus der Westpfalz habe die KV bis dato nie einen Antrag erhalten. „Es gibt in der Westpfalz auch nicht so viele Kinderärzte, so dass sie mit einem eigenen Notdienst wohl überlastet wären“, vermutet Saurwein.

Einen Kinderarzt-Notdienst zusammen mit dem Saarland aufzubauen, sei „ganz schwierig“, so Saurwein. In jedem Bundesland gebe es eigene Rechtsregelwerke. Einfacher sei es, dass sich Kinderärzte einem pädiatrischen Notdienst des anderen Bundeslandes anschließen. Es spreche nichts dagegen, dass Zweibrücker Kinderärzte sich an Kinderarzt-Notdiensten in Neunkirchen oder Homburg beteiligen. Mit einer Ausnahme: „Die Allgemeinärzte im eigenen Bundesland dürfen nicht darunter leiden, wenn sie dann unverhältnismäßig mehr Notdienste leisten müssen, weil die Kinderärzte aus den Dienstplänen rausfallen“, so Saurwein.

„Es gibt keine Hausärzte-Lobby“

Eine Hausärzte-Lobby, die auf die KV einwirke, die Kinderärzte nicht aus dem System zu lassen, wie Reichert sie vermutet, gebe es aber nicht, betont Saurwein. „Wir haben in Rheinland-Pfalz keine Probleme, die allgemeinärztlichen Notdienste zu besetzen.“ Die KV, sagt Saurwein, habe auch grundsätzlich keine Probleme mit eigenen kinderärztlichen Notdiensten. Aber zuerst müsse ein Antrag vorliegen.

Reichert hatte erklärt, dass seine Bemühungen um einen gemeinsamen Kinderarzt-Notdienst vor 20 Jahren am Widerstand der Pfälzer Kollegen und der KV Rheinland-Pfalz gescheitert seien. Dazu sagt Saurwein: „Die KV hatte vor 20 Jahren gar nichts mit Notdiensten zu tun, das haben damals noch die Ärzte in den Regionen in Eigenregie organisiert.“ Reichert hatte auch beklagt, dass das rheinland-pfälzische Gesundheitsministeriums damals kein Machtwort gesprochen habe. „Das Prinzip der KV ist die Selbstverwaltung. Das Gesundheitsministerium beziehungsweise die Landesregierung haben uns sachlich nicht reinzureden“, erklärt Saurwein dazu.

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