Zweibrücken
Kinderarzt hält Kohlhof-Pläne für besorgniserregend
„Wenn der Kohlhof verlegt wird, ist der kinderärztliche Notdienst hier nicht mehr gewährleistet.“ Das sagt der Zweibrücker Kinder- und Jugendarzt Christian Neumann in der aktuellen Debatte um die geplante Verlegung der Kinderklinik Kohlhof von Neunkirchen nach St. Wendel. „Wenn das so kommt, schränkt es die Versorgung in der Westpfalz eklatant ein“, warnt Neumann.
Selbst wenn an der Uniklinik Homburg die kinderärztliche Bereitschaftspraxis wiederbelebt würde, wie es derzeit im Gespräch ist, würde das die Lücke nicht füllen, befürchtet Neumann. „Die Praxis in Homburg wäre dann innerhalb kürzester Zeit an ihrer Kapazitätsgrenze.“ Blieben bei Notfällen das Marienhaus-Klinikum in St. Wendel mit 45 Minuten Fahrt von Zweibrücken aus, das städtische Krankenhaus Pirmasens (20 Minuten), das Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern (40 Minuten) und das Winterberg-Klinikum in Saarbrücken (30 Minuten), die alle auch Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin haben.
Gewachsene Strukturen zum Kohlhof
Der Zweibrücker Kinderarzt verweist auf gewachsene Strukturen und Verzahnungen der vergangenen Jahrzehnte. „Alle Kinderärzte hier haben einen sehr guten Draht zum Kohlhof, die Zusammenarbeit klappt reibungslos“, plädiert Neumann dafür, hier nichts auseinanderzureißen. Larissa Häfner, Assistenzärztin der Kinder-Herzklinik am Uniklinikum Homburg, wirft ein, dass die Kinderärzte in der Westpfalz auch mit der Uniklinik Homburg reibungslos zusammenarbeiten. Bislang sei es aber so, dass in Homburg tendenziell sehr schwer erkrankte Kinder behandelt werden und im Kohlhof jene, die zwar auch stationär aufgenommen werden müssen, aber nicht unbedingt an einer Uniklinik. „Auch hier schließt der Kohlhof in der Region eine wichtige Lücke“, so Häfner.
Laut Neumann hatten die Kinderärzte in Zweibrücken und Umgebung mit dem Thema eigener kinderärztlicher Notdienst schon abgeschlossen. Vor dem Hintergrund der drohenden Kohlhof-Verlegung sei man aber wieder hellhörig geworden. „Ich persönlich hätte gerne einen pädiatrischen Notdienst für die Westpfalz, ich würde mich damit wohler fühlen“, sagt Neumann. Voraussetzung sei aber, dass die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Mainz die Kinderärzte von der Pflicht zur Teilnahme am allgemeinen Notdienst befreie.
KV-Signal vor fünf Jahren: Geht nicht
Was das angeht, habe die KV bei einem Gespräch vor fünf Jahren klar signalisiert, dass die Westpfälzer Kinderärzte gerne einen pädiatrischen Notdienst organisieren können, sie aber trotzdem am allgemeinärztlichen Notdienst teilnehmen müssen, da ansonsten dort eine zu große Lücke gerissen werde. „Uns wurde damals von der KV deutlich gemacht, dass man hier keinen Präzedenzfall im ländlichen Raum schaffen will“, erinnert sich Neumann.
Wenn die KV das inzwischen anders sehe, wie deren Vertreter Rainer Saurwein gegenüber der RHEINPFALZ gesagt hatte, sei man gerne zu einem weiteren Vorstoß bereit, so Neumann. Wobei ein eigener kinderärztlicher Notdienst in der Westpfalz, wenn er denn eingerichtet werden sollte, einen Vorlauf von mindestens zwei Jahren hätte.