Zweibrücken
Kein Mittagessen mehr vom Roten Kreuz
„Menüservice – frisch zubereitete Mahlzeiten direkt nach Hause geliefert“: Noch findet sich diese Offerte in der Übersicht der Leistungsangebote des Rotkreuz-Kreisverbandes Südwestpfalz auf dessen Internetseite. Diese Speisenlieferungen – landläufig als „Essen auf Rädern“ bekannt – wird das Zweibrücker Rote Kreuz zum 1. Oktober einstellen. Damit verbleibt im bisherigen DRK-Aktionsradius in der Rosenstadt, den Vororten und einigen umgebenden Ortschaften etwa bis Battweiler nur noch die Arbeiterwohlfahrt (Awo) als Anbieter von rollenden warmen Mittagsmahlzeiten.
„Dieser Schritt war auch für mich eine extrem schwere Entscheidung“, gesteht DRK-Kreisgeschäftsführer Hans Prager auf RHEINPFALZ-Anfrage. Ihm sei bewusst, dass viele ältere und gebrechliche Menschen in Zweibrücken und Umgebung nun ihre gewohnten Essenslieferungen verlieren werden – und den Kontakt mit den vertrauten Fahrern. „Leider trägt sich der Service für uns wirtschaftlich absolut nicht mehr“, bedauert Prager. „Zum Schluss mussten wir übers Jahr 40.000 Euro drauflegen. Das ist schon eine Hausnummer.“
Inflation und steigende Preise
Ohnehin habe sich der DRK-Kreisverband beim Preis „an der alleruntersten Grenze des Machbaren“ bewegt, erläutert der Geschäftsführer. „Viele Kunden hatten ja einfach keine Möglichkeit, für diesen Service mehr zu bezahlen. Aber auch wir müssen bei unserer Kalkulation mit der Inflation und den Preissteigerungen klarkommen. Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren unseren Essenspreis genau zweimal erhöht – jeweils um 20 Cent. Und schon da sagten viele Kunden, dass sie sich das nicht mehr leisten könnten. Das Rentenniveau ist halt sehr niedrig.“ Landesweit, sagt Prager, sei der DRK-Kreisverband Südwestpfalz der preiswerteste Anbieter von Essen auf Rädern überhaupt gewesen. „Andere haben uns immer wieder gefragt, wie wir das überhaupt noch hinbekommen.“ Statt den Service jetzt komplett einzustellen, hätte ihn Hans Prager am liebsten noch ausgebaut: „Mir tut das alles so leid. Gerne hätten wir den Lieferdienst um Frühstück und Abendessen erweitert.“
Vor der Corona-Pandemie habe man Speisen an etwa 100 bis 120 Abnehmer pro Tag ausgefahren. „Jetzt sind es nur noch 40 bis 50 Essen“, erinnert Prager daran, „dass die Lieferautos ganz genauso die Strecken abfahren müssen und Benzin brauchen – egal, ob sie 50 oder nur fünf Portionen an Bord haben“. Mit den Ausschlag habe nun der Umstand gegeben, dass alle Lieferautos inzwischen weitaus mehr als 200.000 Fahrkilometer auf dem Tacho haben. „Da hätten wir jetzt auch noch dringend neue Fahrzeuge anschaffen müssen.“
Teuer ist das Ausfahren und Verteilen
Für die betroffenen Kunden ist die Einstellung des Lieferdienstes ein Schlag. „Aber weil die Awo Essen auf Rädern ja noch anbietet“, berichtet der DRK-Geschäftsführer, „haben wir unseren Kunden den Wechsel dorthin empfohlen“.
Der Rotkreuz-Kreisverband hatte den Speisenfahrdienst von der Lebensabendbewegung (LAB) übernommen, die 2011 im DRK aufgegangen ist. Zuletzt wurden 9,50 Euro pro ausgelieferter Mahlzeit berechnet. „Der große Preistreiber ist einfach das Ausfahren und Verteilen“, erklärt Prager den Unterschied zu den derzeit 6,99 Euro, die das Rote Kreuz fürs Tagesgericht in seinem stationären Capito-Bistro in der Zweibrücker Hallplatz-Galerie verlangt. „Dorthin kommen ja auch viele Senioren täglich zum Essen.“
Und das Fahrpersonal? „Bei der Auslieferung hatten wir geringfügig Beschäftigte eingesetzt“, erklärt der Kreisgeschäftsführer. „Wir hatten sie frühzeitig über unsere Entscheidung informiert. Einige übernehmen beim Roten Kreuz jetzt andere Aufgaben im Fahrdienst; es gibt aber auch welche, die anderswo untergekommen sind.“
Awo plant die Routen um
Dass sich bei der Arbeiterwohlfahrt nun die Anfragen häufen, kann Thomas Biehl, der Leiter des Zweibrücker Awo-Seniorenhauses am Rosengarten, bestätigen. „Bis jetzt haben wir etwa 130 Bestandskunden. Weil wir zum Monatswechsel für die Neuen, die hinzukommen, die Fahrtrouten umplanen müssen, haben wir sie schriftlich darüber informiert, dass es bei ihren Anlieferzeiten an der Haustür zu Änderungen kommen kann.“ Zubereitet werden die rollenden Awo-Mahlzeiten in der hauseigenen Großküche im Seniorenheim am Rosengarten, in dem aktuell 146 ältere Leute wohnen.
Thomas Biehl ist sich sicher, dass die Arbeiterwohlfahrt genügend Kapazitäten hat, um für sämtliche bisherigen DRK-Kunden in Zweibrücken und Umgebung mit dem Essen auf Rädern in die Bresche zu springen. Allerdings wird voraussichtlich nicht jeder den Anbieterwechsel mitmachen: Immerhin wird bei der Awo pro ausgelieferter Mahlzeit ein Preis von zwölf Euro erhoben. Es gibt jedoch die Möglichkeit, diesen Tarif um jeweils einen Euro zu senken, wenn der Kunde eine Mitgliedschaft in der Awo erwirbt.