Handball
Joshua Eberhard (SG Zweibrücken) geht künftig in ganz enger Familienkonstellation auf Torejagd
Wenn er hochsteigt, diagonal mit viel Kraft abschließen kann, können gegnerische Torhüter den Ball meist nur noch aus dem Netz holen. Diese besondere Wurfqualität, die Joshua Eberhard immer mal aufblitzen ließ, durch die er viele seiner bislang 73 Saisontore erzielt hat, werden die Zweibrücker Handballfans kommende Runde nicht mehr sehen. Eberhard wechselt zur HSG Völklingen. In den drei verbleibenden Saisonspielen für die Westpfälzer will er sein Torkonto und das SG-Punktekonto noch nach oben schrauben. Am Samstag gastieren die Zweibrücker bei HB Mülheim-Urmitz (Anwurf: 18.30 Uhr).
„Ich gebe zu, ich bin froh, dass es die letzte weite Auswärtsfahrt dieser Runde ist“, bekennt Eberhard, der seit knapp zwei Wochen 24 Jahre jung ist. Eberhard ist in Klarenthal zu Hause, hat künftig acht Minuten Fahrt zu seiner neuen Spielstätte zurückzulegen. Dass die Auswärtsfahrten künftig in einem kleinen Radius bleiben, „war nicht so geplant“, bekennt er, dass er gerne weiter in der Regionalliga gespielt hätte. Im Saisonendspurt vergab Völklingen aber die Oberliga-Meisterschaft und die Chance, in die Regionalliga aufzusteigen. „Abgehakt“, sagt Eberhard und hat für kommende Saison bereits ein Ziel: „Aufstieg. Meister war ich in der Jugend schon ein paar Mal, aber aufgestiegen bin ich noch nie.“
Vater und Bruder als Trainerduo
Der Wechsel nach Völklingen hat persönliche Gründe. Eberhards Papa Dirk ist Trainer dort, Bruder Niklas Co-Trainer. „Diese Familienkonstellation dürfte es im Handball nicht oft geben. Auf die freue ich mich“, sagt Eberhard. Auch sein bester Freund, Torwart Daniel Backes, mit dem er in der Jugend beim SV 64 Zweibrücken spielte, wird kommende Runde für Völklingen auflaufen. Nicht der einzige frühere SV-Jugendkamerad.
„Es war eine Entscheidung für Völklingen, keine gegen Zweibrücken“, unterstreicht Eberhard, der sich seit seiner Rückkehr nach Zweibrücken – 2022 war er aus dem Handball-Internat in Magdeburg gekommen – auch im Trainerbereich der SG stark engagierte. Zuletzt war er verantwortlich für die A-Jugend, half bei der B-Jugend und bei Überschneidungen von Spielterminen auch mal bei der C-Jugend. Diese Teamlösung sei gut gewesen, sagt Eberhard, der auch bei der zweiten SG-Mannschaft Trainer Max Sema regelmäßig auf der Bank unterstützte, von daher die Oberliga gut kennt.
Weiter Nachwuchscoach
Mit der A-Jugend hat er am letzten Regionalliga-Spieltag als Trainer gezeigt, wie man in Mülheim gewinnt. Am Samstag darf der Spieler Eberhard es dem Coach Eberhard gerne nachmachen. „Wäre schön“, sagt der 1,91 Meter große Handballer. Die Entwicklung, die die A-Jugend in dieser Saison genommen habe, „das war toll“, beschreibt er, was ihm am Trainerdasein gefällt. Die Erfahrungen, die er in diesem Bereich in Zweibrücken gesammelt hat, nimmt er mit nach Völklingen. Auch dort wird er sich im Nachwuchsbereich engagieren. „Das macht mir Spaß, das liegt mir“, sagt Eberhard. Die Erkenntnis, dass er gerne mit jungen Menschen zu tun hat, ihnen etwas beibringen kann, hat ihn bewogen, sein Studienfach zu wechseln: Lehramt statt Jura. Englisch und Geschichte studiert er jetzt in Saarbrücken.
In Zweibrücken wird er aber auch kommende Runde oft zu Gast sein: Freundin Lejla Carkadzija spielt bei den SG-Frauen. „Da bin ich aber nur Fan“, sagt er lachend und freut sich als Fan sehr über die guten Leistungen, die seine Freundin zuletzt im SG-Team zeigte.
Endlich verletzungsfrei
Dass sein drittes Jahr in Zweibrücken sein bestes war, er sich sozusagen verabschiedet, wenn es am schönsten ist, habe viel damit zu tun, dass er verletzungsfrei geblieben sei. In der ersten Saison zwickte es regelmäßig, in der zweiten Saison musste er sich einer Schulter-Operation wegen gerissener Bizepssehne und angerissenem Labrum unterziehen. „Das war wirklich hart. Mit dieser Diagnose hatte ich damals nicht gerechnet“, sagt der aktuell zweiterfolgreichste Zweibrücker Torjäger vor der abschließenden englischen Woche.
Die Mission Klassenverbleib, die Marek Galla als Interimscoach zu lösen hatte, ist drei Spieltage vor Rundenende erfolgreich erfüllt. „Es geht nur für wenige Vereine noch um etwas. Deshalb sind das Spiele, die hauptsächlich über den Kopf entschieden werden“, prognostiziert der SG-Trainer. Deshalb wurde die Osterpause genutzt, um den Kopf noch mal freizubekommen.