Kommentar
Investition in die Zukunft
Bei der bislang letzten Annäherung des SV 64 Zweibrücken und der VTZ Saarpfalz im Jahr 2009 sahen die Vereine eher wie eine Braut und ein Bräutigam aus, die sich nicht trauen. Letztlich kam es nicht mal zu einem Aufgebot. Das ist diesmal anders: In relativ kurzer Zeit wurden von den Verantwortlichen beider Seiten Nägel mit Köpfen gemacht.
Wenn so flott Hochzeit gefeiert wird, hieß es früher gerne: Müssen die heiraten, ist schon Nachwuchs unterwegs? Im Fall der neuen Spielgemeinschaft ist genau das Gegenteil der Fall. Immer weniger Menschen, immer weniger Kinder spielen Handball. Durch die Corona-Pandemie ist die Situation in den letzten drei Jahren noch verschärft worden. Der in Zweibrücken lebende Hans Joachim Müller, langjähriger früherer Präsident des Handball-Verbandes Saar (HVS), dem beide Vereine angehören, hat sich unlängst die Mühe gemacht, Mitgliederzahlen beim Deutschen Olympischen Sportbund einzufordern. Demnach hat der Deutsche Handball-Bund in einem Jahr bis zum Oktober 2022 9684 Mitglieder verloren, der HVS im gleichen Zeitraum 333. Erschreckend ist vor allem, dass die Zahl der Jugendmannschaften immer weiter abnimmt, in manchen Saarlandligen (der höchsten saarländischen Spielklasse) mischen nur noch sechs, sieben Teams mit. Gerade hat der HSV Merzig-Hilbringen dazu aufgerufen, wieder vermehrt weibliche A-Jugendmannschaften (da gibt es im Saarland keine Spielklasse mehr) zu melden und junge Spielerinnen nicht gleich bei den Damen einzusetzen.
Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, dass die sich beiden Zweibrücker Vereine künftig nicht mehr um Nachwuchs streiten, sondern ihre Kräfte in der neuen SG SV 64/VT Zweibrücken bündeln und vielleicht Talente für die Dritte Liga ausbilden. Ob das eher eine Vernunftehe als eine Liebesheirat ist, ist letztlich egal. Nur gemeinsam kann es eine Investition in die Zukunft sein. Wie in einer echten Ehe werden alle an einem Strang ziehen und sich zusammenraufen müssen. Alle müssen gleichberechtigt mit vollem Einsatz mitmachen. Die Verantwortlichen sind vorangegangen, jetzt müssen die Mitglieder die neue Spielgemeinschaft mit Leben füllen.