Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Hier gibt’s die meisten neuen Firmen – oder doch nicht?

Die Gewerbeansiedlungen auf dem Flugplatzgelände gelten als Erfolgsgeschichte. Hier werden Traktoren von John Deere im Triwo-Tes
Die Gewerbeansiedlungen auf dem Flugplatzgelände gelten als Erfolgsgeschichte. Hier werden Traktoren von John Deere im Triwo-Testcenter vorgeführt.

Ist Zweibrücken pfalzweit Spitze bei der Neugründung von Firmen? Den Zahlen, auf denen diese These basiert, begegnen die Stadt und das Statistische Landesamt mit Vorsicht.

Mitte August hatte das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) eine bundesweite Übersicht zu den Trends bei Gründungen und Neuansiedlungen von Unternehmen veröffentlicht. Basierend auf Daten vom Statistischen Bundesamt werden Deutschlands Regionen miteinander verglichen – mit Blick darauf, wo sich neue Unternehmen bevorzugt gründen beziehungsweise ansiedeln und wo sie dies weniger gerne tun. Auffällig ist, dass diese Statistik Zweibrücken als diejenige Stadt ausweist, die für das Jahr 2024 mit 164 Gewerbeanmeldungen pro 10.000 Einwohner den Spitzenrang in der Pfalz verzeichnet. Im gesamten Bundesland Rheinland-Pfalz würde dies den zweiten Platz hinter Koblenz mit 178 Anmeldungen bedeuten.

Um die sogenannte Gründungsneigung in den jeweiligen Regionen zu bestimmen, berechnet das IfM in Bonn seit 1998 alljährlich seine Rangliste „Neue Unternehmerische Initiative (Nui)“. Als neue unternehmerische Initiative in einer Region zieht es nicht nur Existenzgründungen sowie Betriebsgründungen, Übernahmen und Zuzüge von Gewerbebetrieben heran, sondern auch „die Aufnahme einer gewerblichen Nebenerwerbstätigkeit“. Ein Detail, auf das später noch zurückzukommen sein wird.

Private, die sich etwas dazuverdienen möchten

Das IfM-Ranking siedelt Zweibrücken unter 400 deutschen Städten und Landkreisen auf Platz

43 an, nachdem die Stadt im Jahr 2019 noch auf Rang 63 gelegen hatte. Koblenz schafft im gleichen Zeitraum den Sprung von Platz 98 auf Rang 18 deutschlandweit. Ohnehin, so das IfM, habe 2024 in Rheinland-Pfalz die Anzahl an sogenannten „unternehmerischen Initiativen“ am stärksten zugenommen.

Auf Nachfrage im Zweibrücker Gewerbeamt bestätigt Rathaussprecher Jens John, dass es in der Rosenstadt in den vergangenen fünf Jahren „immer zwischen zehn bis 18 Prozent mehr Gewerbeanmeldungen“ gegeben habe. Den 320 bis 350 Anmeldungen im jeweiligen Jahr stünden im Schnitt 250 bis 300 Gewerbeabmeldungen gegenüber. Doch beim Großteil der Anmelder, gibt John zu bedenken, habe es sich um Einzelunternehmer gehandelt: Das seien „Privatpersonen, die nebenbei Geld dazuverdienen wollen“.

Wachstum rund um den Zweibrücker Flugplatz

Hier sieht das Zweibrücker Gewerbeamt ein Problem beim Aufstellen der Statistik. Ist die Methode, all jene mehr oder weniger kleinen Gewerbeanmeldungen auf 10.000 Einwohner umzurechnen, überhaupt geeignet, um die tatsächliche wirtschaftliche Situation darzustellen? Nein, sagt die Stadt. Jens John: „Diese Herangehensweise spiegelt unseres Erachtens nicht die Stärke der Region wieder, da es sich bei vielen Gewerbeanmeldungen um Nebenverdienstmöglichkeiten handelt.“ Die „Dazuverdiener“ bildeten keine Zahlen ab, „die die wirtschaftliche Stärke der Unternehmen widerspiegeln“.

Wirklich gestärkt, so der Sprecher, werde der Wirtschaftsstandort Zweibrücken seit Jahren vielmehr durch das Fashion Outlet und den Erfolg der Firmen im Gewerbegebiet am Flugplatz. Dort habe sich die Anzahl an Betrieben tatsächlich kontinuierlich erhöht.

Landesamt zählt „sonstige Neugründungen“ nicht mit

Bei den Neuanmeldungen von Privatleuten, die sich mit einem Kleingewerbe etwas dazuverdienen wollen, nehme der Bereich Online-Handel die größte Gruppe ein – vor allem mithilfe sozialer Netzwerke. Auf den folgenden Plätzen bei der Häufigkeit privater Neuanmeldungen liegen die Branchen Hausmeisterservice sowie Verkauf, Verwaltung und Renovierung von Immobilien und der Bereich Makler/Finanzdienstleister. Auch im laufenden Jahr 2025, so der Rathaussprecher auf Nachfrage, werde in der Endabrechnung die Anzahl an Gewerbeanmeldungen voraussichtlich wieder höher liegen als die an Abmeldungen.

Während sich das IfM-Ranking auf das Vorjahr bezieht, nannte das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz am Montag Zahlen fürs erste Halbjahr 2025. Demnach wurden in Zweibrücken von Januar bis Juni 147 Gewerbe neu angemeldet; das entspricht 43 pro 10.000 Einwohner. Dieser Wert mutet deutlich niedriger an als die entsprechenden Vorjahreszahlen vom Bonner IfM. Was sich dadurch erklärt, dass die Bad Emser Landesbehörde ausschließlich Kapital- beziehungsweise Personengesellschaften oder Einzelunternehmen mit Handelsregistereintrag, Handwerkskarte oder mindestens einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in ihr Zahlenwerk aufgenommen hat. 23 der 147 Anmeldungen seien echte Betriebsgründungen gewesen – also der Neustart von „Betrieben mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung“, wie das Landesamt schreibt. In diese Sparte fielen vor allem Handel und die Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen, gefolgt von „sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen“ wie Arbeitnehmer-Überlassung, Reisebüros und Reiseveranstalter, Wach- und Sicherdienste sowie Gebäudebetreuung. Nicht mitgezählt – im Unterschied zur Rangliste des Bonner IfM-Instituts – würden die sogenannten „sonstigen Neugründungen“. Damit gemeint seien Nebenerwerbsbetriebe sowie Kleinunternehmen, die nicht im Handelsregister eingetragen sind, keine Handwerkskarte besitzen und über keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verfügen.

Acht Betriebe geben im ersten Halbjahr auf

Die „sonstigen Neugründungen“ fließen beim Statistischen Landesamt auch nicht in dessen Übersicht über die Abmeldungen von Gewerben im ersten Halbjahr 2025 in Zweibrücken ein. Registriert sind demnach 134 Gewerbeabmeldungen von Januar bis Juni, darunter 27 Betriebsaufgaben. Auf 10.000 Einwohner umgerechnet, ermittelt das Emser Landesamt für die Rosenstadt im ersten Halbjahr 2025 genau 39 Gewerbeabmeldungen, darunter acht Betriebsaufgaben.

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