Zweibrücken
Hier gibt es Hilfe, wenn Kinder Unterstützung brauchen
Regt sich beim Kinderarztbesuch der Verdacht auf eine Entwicklungsstörung oder fällt das Kind zum Beispiel durch anhaltend aggressives Verhalten in Schule oder Kita auf, schickt der Arzt die betroffene Familie mit einer Überweisung an eine Einrichtung wie das Sozialpädagogische Zentrum (SPZ) in der Nähe des Zweibrücker Hauptbahnhofs. „Eine Überweisung ist Voraussetzung. Einfach so, von sich aus, kann man nicht zu uns kommen“, erklärt der Physiotherapeut Jürgen Grandke am SPZ. Diese Einrichtung, deren Träger das Ökumenische Gemeinschaftswerk Pfalz ist, führt ihre einführenden Elterngespräche und die erste Diagnostik meist in ihrer Zentralstelle in der Langwiedener Straße in Landstuhl durch. „Die weiterführende Therapie findet dann in unseren Außenstellen in der Nähe des Wohnorts der jungen Patienten statt – zum Beispiel hier in Zweibrücken“, erläutert Grandkes Kollegin, die Ergotherapeutin Henrike Perl, das weitere Prozedere. Das SPZ kümmere sich auch um den Genehmigungsantrag beim Jugend- oder Sozialamt für die Finanzierung der jeweiligen heilpädagogischen Behandlung beziehungsweise bei der Krankenkasse für die medizinische Therapie. „Wir helfen auch beim Schriftverkehr, wenn die Kasse eine Behandlung erst mal ablehnt.“
Ansässig ist die Zweibrücker SPZ-Außenstelle in einem stattlichen Gründerzeit-Gebäude links vom Hauptbahnhof. Hier befand sich in früheren Zeiten das Zweibrücker Postamt. Diesem Umstand verdankt die Poststraße, deren Hausnummer 35 das Bauwerk trägt, bis heute ihren Namen. Seit Februar 2010 betreut das Sozialpädiatrische Zentrum mit Frühförderung hier seine jungen Patienten. Allwöchentlich wird es von rund 100 Jungen und Mädchen aus der Rosenstadt und ihrer Umgebung aufgesucht, um hier ihre Entwicklungsstörungen oder Beeinträchtigungen behandeln zu lassen.
Wie Friederika Will, die Sprecherin des Ökumenischen Gemeinschaftswerks, erläutert, unterhält diese gemeinnützige GmbH zusätzlich zu ihrer Landstuhler Hauptstelle und der Niederlassung Zweibrücken noch drei weitere Außenstellen in Pirmasens, Kaiserslautern und Kusel. „Bei uns arbeiten Kinderärzte, Psychologen, Pädagogen und medizinische Therapeuten in einem fächerübergreifenden Team zusammen“, spricht Will von einer „ganzheitlichen Behandlung des Kindes“. Die siebenköpfige Mannschaft in der Zweibrücker Außenstelle setzt sich aus Physio- und Ergotherapeuten, Heilpädagoginnen und zwei Logopädinnen zusammen.
Der Kinderarzt schreibt eine Überweisung ans SPZ
Behandelt werden junge Leute vom Säuglingsalter bis zum Erreichen der Volljährigkeit. Therapiert werden unterschiedliche Arten der Beeinträchtigung, vermehrt Autismus und Verhaltensauffälligkeiten. Entwicklungsverzögerungen in Motorik, Sprach- oder Wahrnehmungsvermögen sind hier ebenso Thema wie ADHS und Lese-Rechtschreib-Schwäche bis hin zu Epilepsie, spastische Erkrankungen oder auch die gesundheitlichen Folgen fürs Kind von Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft.
Behandlung über Fachgebiete hinweg
„Behandelt werden die Kinder bei uns in Einzeltherapie, in Kleingruppen oder bei Bedarf auch über Fachgebiete hinweg“, sieht Henrike Perl einen Vorteil im System SPZ: „Bei uns sind Spezialisten aus verschiedenen Disziplinen unter einem Dach vor Ort. Das ist ein wichtiger Grund dafür, dass Kollegen aus privaten Praxen für Logopädie oder Ergotherapie manchmal Patienten zu uns schicken.“
Bereits seit 36 Jahren ist Martina Weis an Bord. Die Logopädin, also Sprachtherapeutin, hat mit dem SPZ schon mehrere Umzüge innerhalb Zweibrückens mitgemacht. Bevor die Einrichtung 2010 ihre heutige Adresse am Hauptbahnhof bezogen hat, war Weis unter anderem schon in Praxisräumen in der oberen Etage der Hallplatz-Galerie mit dabei. Ende 2025 wird die Zweibrückerin ihren Ruhestand antreten. Aus langjähriger Erfahrung berichtet sie, dass Therapeuten vom Ökumenischen Gemeinschaftswerk über Kooperationsprogramme regelmäßig in der Mauritiusschule in Wattweiler und der Integrativen Kita Heiligentalstraße in Bubenhausen tätig sind.