Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Flammen im verlassenen Krankenhaus: Verdächtiges Trio festgenommen

Am frühen Sonntagmorgen war die Feuerwehr schon wieder im Einsatz im früheren Evangelischen Krankenhaus.
Am frühen Sonntagmorgen war die Feuerwehr schon wieder im Einsatz im früheren Evangelischen Krankenhaus.

Schwere Brände im früheren evangelischen Krankenhaus und in einem Wohnblock in der Junkersstraße hielten am Wochenende die Feuerwehr in Atem. In einem Fall gab es Festnahmen.

Die Polizei hat drei Verdächtige festgenommen, die am Wochenende Brände im früheren evangelischen Krankenhaus in Zweibrücken gelegt haben sollen. In der Nacht zum Sonntag hat es in der Ex-Klinik am Himmelsberg mindestens zweimal nacheinander gebrannt. Nach aktuellem Ermittlungsstand fingen mehrere Stockwerke Feuer beziehungsweise wurden durch Flammen in Mitleidenschaft gezogen. Es wird von einem Schaden in Millionenhöhe und von vorsätzlicher Brandstiftung ausgegangen.

Wegen der starken Rauchentwicklung war entsprechende Schutzausrüstung gefragt.
Wegen der starken Rauchentwicklung war entsprechende Schutzausrüstung gefragt.

Noch am Sonntag wurden laut Polizei drei Tatverdächtige im Alter von 18 bis 25 Jahren festgenommen. Sie wurden am Montagnachmittag einem Ermittlungsrichter vorgeführt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ das Amtsgericht Zweibrücken gegen alle drei Beschuldigten Haftbefehl. Ob die Verdächtigen auch für andere Brände in Zweibrücken verantwortlich sein könnten, ist ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen. Das teilt die Polizei mit, die Zeugen sucht und die Bevölkerung fragt: Wem sind Personen oder Fahrzeuge zur am verlassenen Krankenhaus aufgefallen? Wer hat etwas Verdächtiges wahrgenommen? Ein Gutachter sei mit der Untersuchung des Brandorts beauftragt. Aufgrund der andauernden Ermittlungen gibt die Polizei derzeit keine weiteren Auskünfte.

Junkersstraße: Gewobau-Block für Wochen unbewohnbar

Der Wohnblock in der Junkersstraße 4 in Ernstweiler, in dessen Keller es in der Nacht zum Samstag brannte, gehört der Gewobau. Deren Geschäftsführer Jörg Eschmann war in der Brandnacht und am nächsten Morgen vor Ort. Am Montag zeigte er sich auf Anfrage erst mal erleichtert, dass niemand verletzt wurde. Der Schaden im Gebäude sei jedoch groß, er rechne mit Kosten bis zu 400.000 Euro für die Sanierung. Letztere dürften vier bis sechs Wochen, „vielleicht auch zwei Monate“, in Anspruch nehmen. Zu den Brandschäden im Keller kämen kaputte Leitungen, im Gebäude gebe es derzeit keinen Strom, kein Wasser und kein Gas. Auch habe die Feuerwehr jede einzelne Tür aufbrechen müssen, so Eschmann.

In den 20 Wohnungen in der Junkersstraße 4 waren laut Eschmann 39 Personen gemeldet, darunter auch welche, die von der Obdachlosenpolizei eingewiesen wurden. Für letztere zahle die Stadt die Kosten für die Ersatzwohnungen, die bezogen werden mussten. Bei den Gewobau-Mietern komme die Gewobau dafür auf. Einige vom Brand betroffene Mieter seien direkt gegenüber in den Wohnblock Junkersstraße 2 gezogen, in dem Wohnungen leer standen, so Eschmann. Andere seien in teils möblierte Wohnungen an anderen Adressen im Stadtgebiet gezogen. Am Samstagmorgen durften laut Eschmann betroffene Bewohner noch mal in die polizeilich versiegelte Junkersstraße 4, um Wertgegenstände und Dinge des täglichen Bedarfs herauszuholen.

Diese Kamera rechts an einem Fenster des Hauses in der Junkersstraße 4 soll angeblich in der Nacht zum Samstag den Täter gefilmt
Diese Kamera rechts an einem Fenster des Hauses in der Junkersstraße 4 soll angeblich in der Nacht zum Samstag den Täter gefilmt haben.

Betroffene Bewohner in Ersatzwohnungen

Stadt und Gewobau seien gerade dabei, die Ersatzwohnungen mit allem auszustatten, was noch fehlt, etwa Herdplatten oder Geschirr. „Die Leute sollen dort anständig wohnen können, bis die Junkersstraße 4 wieder bewohnbar ist“, so Eschmann, der die Zusammenarbeit mit der Stadt sehr lobt. Sie sei sehr engagiert und habe den Betroffenen direkt geholfen. Eschmann ist zuversichtlich, dass die Brandschutzversicherung den Schaden übernimmt, wie er sagt.

An der Evakuierung der Bewohner hatten auch der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und das Rote Kreuz (DRK) großen Anteil. Laut Hans Prager, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Südwestpfalz, waren in der Brandnacht von den 39 an der Adresse gemeldeten Personen 16 im Haus. Einige Betroffene seien bei Freunden und Bekannten untergekommen oder im Wohnblock gegenüber. Sechs Personen, darunter eine vierköpfige Familie, seien vorsorglich ins Krankenhaus gebracht worden, weil sie längere Zeit dem Rauch ausgesetzt waren. Danach wurden sie laut Prager auf Gewobau-Wohnungen in der Stadt verteilt.

Tatverdächtiger von Kamera aufgenommen?

Zum Brand in der Junkersstraße und der möglichen Brandursache äußert sich die Polizei „aufgrund laufender Ermittlungen“ derzeit nicht. Nach RHEINPFALZ-Informationen gibt es auch hier einen Tatverdächtigen, der den Brand im Keller des Wohnblocks gelegt haben soll und angeblich von einer am Gebäude installierten Kamera aufgenommen wurde. Offiziell bestätigt wurde dies weder von der Polizei noch von der Gewobau.

Das frühere Krankenhaus am Himmelsberg ist vorerst polizeilich versiegelt (Foto), ebenso wie das Brandhaus in der Junkersstraße.
Das frühere Krankenhaus am Himmelsberg ist vorerst polizeilich versiegelt (Foto), ebenso wie das Brandhaus in der Junkersstraße.

An dem aktuell unbewohnbaren Gebäude Junkersstraße 4 hängt noch ein Schild von der städtischen Lern- und Spielstube. Laut Stadtpressesprecher Jens John befindet sich die Einrichtung aber seit zwei Jahren nicht mehr dort.

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