Zweibrücken Evangelisches Krankenhaus Zweibrücken: weitere Patientenakten frei zugänglich

ein Teil der Akten.
ein Teil der Akten.
Videokassetten.
Videokassetten.
Befund mit Foto.
Befund mit Foto.

Am Montag sind erneut Unmengen offen herumliegender Patientenakten im Evangelischen Krankenhaus aufgetaucht – und zwar in der ehemaligen Ambulanz, im Labor und im fünften Stock.

Das Krankenhaus war 2016 vom damaligen Träger, dem protestantischen Landesverein für Innere Mission (LVIM) geschlossen worden. Es hatte am Montag den Anschein, als seien die Akten im fünften Stock seit damals dort verblieben. Zugang hatte jeder, der sich in dem Gebäude halbwegs auskennt.

Bereits Ende März waren erste Patientenakten mit intimen Details, Adressen, Geburtsdaten sowie medizinischen Befunden aufgetaucht – im Keller. Bei einer Begehung am 26. März war Beauftragten der Stadt Zweibrücken im Keller des Krankenhauses eine offene Tür aufgefallen, hinter der große Mengen Patientenakten lagern. Die RHEINPFALZ sah einzelne Akten ein und befragte umgehend den Rechtsnachfolger des Landesvereins für Innere Mission, die Diakonissen Speyer.

Diakonissen: alles „gesichert und verschlossen“

Deren Pressesprecherin Susanne Liebold, mit dem Fund konfrontiert, sagte, die Diakonissen hätten besagte Tür umgehend geschlossen. Man habe am 31. März die Türschlösser im Keller ausgetauscht. Die sogenannte Prosektur, wo die meisten Patientenakten lagern, ist seitdem nicht mehr zugänglich. Liebold sagte Anfang April, dass die Patientenakten des ehemaligen Krankenhauses weiterhin „gesichert und verschlossen in Archiven und Räumen im Untergeschoss des ehemaligen Evangelischen Krankenhauses“ gelagert würden.

Spätestens seit Montag dieser Woche ist klar, dass das bei weitem nicht für alle Akten zutrifft. Sehr wohl frei zugänglich waren am Montag die ehemalige Ambulanz und das ehemalige Labor des „Evangelischen“ sowie das fünfte Obergeschoss, in dem sich vormals die Innere Abteilung befand. In beiden Stockwerken fanden Helfer am Montag weitere sensible Patientenakten. In Labor und Ambulanz beispielsweise die Ergebnisse von Rektal-Abstrichen aus dem Jahr 2015 mit Patientennamen und deren Geburtsdaten.

Weitaus mehr sensible Patientenakten befanden sich noch bis Montagabend offen zugänglich im Schrank eines Stationszimmers im fünften Obergeschoss. In Raum 5.37, einem fensterlosen Zimmer, brach der Boden des Hängeschranks unter der Last von acht Ordnern mit Patientendaten, darunter hauptsächlich mehrseitige Aufklärungsbögen von Patienten vor einer Darm- oder Speiseröhrenspiegelung inklusive aller Patientendaten wie Name, Geburtstag, Krankenversicherung und vor allem kompletter Anamnese, also der kompletten Liste der Vorerkrankungen.

Portion Arztbriefe im gelben Postkarton

In einem gelben Postkarton, der an einen damaligen Arzt im Krankenhaus adressiert war, waren bis mindestens Montagabend zudem Arztbriefe mit Fotos von Darmspiegelungen und allen relevanten Patientendaten zugänglich. Arzt- oder Entlassbriefe schreibt ein Krankenhaus nach der Behandlung an den jeweiligen Hausarzt eines Patienten. Darin werden Art der Behandlung, Dauer und Erfolg oder Misserfolg des stationären Aufenthaltes zusammengefasst.

Zudem fanden sich dort rund 20 Videokassetten, die laut Aufschrift Aufnahmen von Darmspiegelungen enthalten. Auch mehrere Aufnahmebücher befanden sich im Hängeschrank. Darin vermerkt eine Station, wann welcher Patient mit welcher Erkrankung eingeliefert wurde und wann er wieder entlassen wurde. Die RHEINPFALZ hat die Akten vor Ort eingesehen.

Am Montag hatte die Stadtspitze zusammen mit Vertretern verschiedener Hilfsorganisationen und Christoph Gensch als Vertreter der Zweibrücker Ärzte das Evangelische Krankenhaus begangen. Eine Helfervereinigung hatte zudem Betten für eine Corona-Station geliefert. Dabei wurden die einsehbaren Akten entdeckt.