Blieskastel RHEINPFALZ Plus Artikel Euroclassic-Festival klingt mit Puccini-Messe aus

Hörenswert: das Konzert in der Schlosskirche Blieskastel.
Hörenswert: das Konzert in der Schlosskirche Blieskastel.

Die „Messa di Gloria“ des berühmten Opernkomponisten Giacomo Puccini (1858-1924) führten das Collegium Vocale Blieskastel und das Ensemble Vocale des Conservatoire Esch-sur-Alzette unter Leitung von Christian von Blohn auf. Mit dabei: Tenor Martin Erhard, Bariton Philipp Schneider und ein Kammerorchester aus Mitgliedern des Saarländischen Staatsorchesters. Der Abschluss des Festivals Euroclassic in der ausverkauften Schlosskirche Blieskastel am Samstag bot eine mitreißende Interpretation.

2024 ist ein Jahr der Musiker-Jubiläen: Die Geburtstage von Anton Bruckner, Luigi Nono und Bedrich Smetana werden gefeiert, die Todestage von Gabriel Fauré, Ferruccio Busoni und dem großen Opernkomponisten Giacomo Puccini jähren sich zum 100. Mal. Doch Puccini (1858-1924) schrieb nicht nur Opern, sondern komponierte in seiner Jugend auch geistliche Werke. Er stammte aus einer Kirchenmusikerfamilie aus Lucca, komponierte aber als großer Bewunderer von Giuseppe Verdi und Richard Wagner nach seinem Studium am Mailänder Konservatorium fast ausschließlich Opern.

Christian von Blohn stellte neben der „Missa di Gloria“, die Puccini im Alter von nur 22 Jahren als Abschlussprojekt seiner Ausbildung am Istituto Musicale Pacini schrieb, noch die beiden Frühwerke Sonata G-Dur und das „Salve Regina“ vor.

Spritzig-leichte Rhythmen

Das erste Werk des festlichen Abends, die Sonata G-Dur, erinnerte mit ihren spritzig-leichten, federnden Rhythmen und der beweglichen Melodie an die Auftrittsarie des Herzogs in Giuseppe Verdis Oper „Rigoletto“. Christian von Blohn und das Kammerorchester fingen den frischen Charme dieses Werkes mit subtilen Nuancen ein.

Im „Salve Regina“ fesselte Martin Erhard, der das Werk auch für Orchester arrangiert hat, mit seinem hellen, lyrischen Tenor. In der Uraufführung dieser Fassung entfaltete sich seine Stimme in weit gespannten Kantilenen, die an den späteren Opernkomponisten erinnerten, konnte aber auch kraftvoll aufblühen. Zwischen der Tenorstimme und den Streichern entwickelte sich ein hoch emotionales Zwiegespräch zum Lob der Gottesmutter, das gut in die Schlosskirche passte. Auch das „Vexilla Regis Prodeunt“, das er zusammen mit Bariton Philipp Schneider in einem sehr deklamatorischen Sprechgesang interpretierte, hat er für Orchester arrangiert.

Differenziertes Dirigat

Das Hauptwerk des Abends war die ausdrucksstark interpretierte „Messa di Gloria“. In der ruhigen Orchesterstimmung setzten das Collegium Vocale Blieskastel und das Ensemble Vocale des Conservatoire Esch-sur-Alzette in einem wunderbar einheitlichen Chorklang mit dem Kyrie ein. Die Soprane intonierten bestechend klar, unter dem differenzierten Dirigat von Christian von Blohn mit seinen ungemein präzisen Tempi entfaltete sich ein plastisches Klangbild in klaren Konturen. Nach und nach gewannen die Stimmen an Kraft, die Männerstimmen traten dominant hervor. Pauken setzten düstere Akzente und brachten in einem subtil nuancierten Spannungsaufbau eine packende Dramatik ins Spiel.

Die frohen Jubelrufe des „Gloria in excelsis Deo“ zeichneten sich neben dem sonoren Chorklang durch die schnell-beschwingten, absolut sicheren Tempi aus; Pizzicati des Cellos erinnerten an Mandolinenklänge und steuerten so eine volkstümliche Note bei. Immer intensiver steigerte sich der Gesang, die Streicher brachten zusätzlich Bewegung in das Klangbild. Opernhaft weich und innig, voll geschmeidigem Glanz entfalteten sich die Stimmen in einer faszinierenden Klangfarbenmischung, es entstand ein konturiertes Klangrelief.

Vibrierende Spannung

Über schwebenden Streichern erhob sich der helle Tenor von Martin Erhard im „Gratias agimus tibi“, er wechselte souverän im Dialog mit hellen Flöten zwischen Brustregister und klangschöner Höhe voller Strahlkraft. Rasante Tempi zeichneten den Choreinsatz im „Domine Deus“ aus, die mitreißende Spannung der sich nahezu überstürzenden polyphonen Chorstimmen wurde durch einen Moment des Innehaltens voll latent vibrierender Spannung und atmosphärischer Dichte unterbrochen. Diesen Prozess gestaltete Christian von Blohn mit packender Intensität, die die „Miserere“-Rufe der Frauen noch unterstrichen.

In einem faszinierenden Steigerungsprozess entfalteten sich die Chöre im „Credo“. Klare Höhe und eine schöne Klangfarbenmischung zeichneten die Frauenstimmen aus, hell leuchtete auch Martin Erhards Tenor über dem Klanggewebe der Streicher, bevor sich ein hochdramatischer Wechselgesang zwischen verschiedenen Stimmgruppen entwickelte. Ein inniges Gotteslob war das „Benedictus“, von Philipp Schneider mit hellem, flexiblem Bariton interpretiert. Die „Missa di Gloria“ mündete in ein wunderbar weiches „Agnus Dei“, das die beiden Solisten zusammen mit den Chören in die innige Friedensbitte „Dona nobis pacem“ münden ließen.

Für den hingerissenen Applaus bedankten sich die Künstler mit einer Wiederholung dieses ausdrucksvollen Schlusses.

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