Zweibrücken Ein wenig unbeschwerte Zeit in der Luft
Aus ganz Europa kamen am Wochenende Hubschrauberpiloten zum Zweibrücker Flughafen, um ein Sicherheitstraining zu absolvieren. In die Wege geleitet hatte das der Essener Chirurg Carsten Buse, der mit dem Zweibrücker Geschäftsführer von Heli Express, Željko Brki, befreundet ist. Beider Idee war es, am Samstagabend todkranken Kindern kostenlose Rundflüge mit dem Hubschrauber anzubieten.
Das Kinderhospiz Sterntaler in Mannheim unterstützt Kinder, die so krank sind, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit das Erwachsenenalter nicht erreichen werden. Der Verein betreibt in der Dudenhofener Mühle unter anderem ein stationäres Hospiz. Die schwerkranken Kinder werden meist über Jahre versorgt. In dieser Zeit werden die Kinder von Medizinern, Pflegekräften, Pädagogen und Psychologen betreut. Rund 20 Kinder und Eltern erlebten am Samstagabend auf dem Zweibrücker Flughafen ein paar unbeschwerte Stunden. Zwei der Fluggäste waren aus dem Landkreis Freudenstadt in Baden-Württemberg angereist. Jeanette, die Mutter von Catherine, sitzt im Rollstuhl. Die seit einiger Zeit selbst schwer Erkrankte zeigt Ehrlichkeit, Warmherzigkeit und trockenen Humor. „Nein, es ist nicht mein erster Hubschrauberflug“, verrät die 53-Jährige. „Ich bin schon einmal mit dem Rettungshubschrauber und meiner Tochter ins Krankenhaus geflogen. Ich wollte das nun mal aus einer anderen Sicht erleben“, sagt sie und muss spontan über ihre Worte lachen. Ihren vollen Namen möchte Jeanette nicht nennen, auch über ihre Erkrankung und die ihrer Tochter möchte sie nicht in der Öffentlichkeit sprechen. Jeanette ist selbst so krank, dass sie versucht, möglichst viele Dinge ein letztes Mal zu erleben. „Wir sind auf der Zugspitze gewesen. Ganz oben. Obwohl ich im Rollstuhl mit der Seilbahn gar nicht hätte fahren dürfen. Erst wollte man uns nicht nach oben lassen. Dann hat man es uns doch erlaubt.“ Vier Stunden sind Jeanette und ein Teil ihrer Kinder – Catherine hat zehn Geschwister – nach Zweibrücken gefahren. Dabei war gar nicht sicher, ob Catherine überhaupt mitkommen kann. Das Mädchen hatte erst vor zwei Wochen die 39. Operation ihres zwölfjährigen Lebens. Die Familie stand auf der Fahrt oft im Stau, wie die Mutter erzählt. Was andere zur Weißglut bringt, zaubert Jeanette wieder Lebensfreude ins Gesicht. „Ich bin selbst gefahren. Seit einigen Wochen kann ich das wieder, weil wir endlich einen Bus mit Hebebühne haben. Da komme ich auch mit dem Rollstuhl rein. Ich fahre so lange selbst, bis es nicht mehr geht.“ Bei aller Kraft, die Jeanette ausstrahlt, gibt es viele dunkle Stunden im Leben der Familie. Sie benötigt etwa dringend eine Wohnung, die für zwei Rollstühle geeignet ist. Das eigene Haus könne sie nicht mehr betreten, sagt Jeanette. Es sei für Kranke nicht geeignet. Abwechslungen wie Hubschrauberrundflüge oder Fahrten auf die Zugspitze gebe es eher selten. Aber Jeanette und ihr Ehemann nutzen nach eigenen Angaben jede Gelegenheit. „Denn ich habe mit meiner Tochter eine Abmachung getroffen: Sie darf sich nicht trauen, vor mir zu gehen. Ich will zuerst gehen. Ich will es nicht erleben, mein eigenes Kind zu beerdigen. Deshalb machen wir auch solche weiten Touren. Weil ihr das Spaß macht. Geht es ihr gut, sind wir auf Achse.“ Der Essener Chirurg Carsten Buse ist derweil ein vielbeschäftigter Mann. Die kranken Fluggäste, die auch mit dem Letzte-Wünsche-Wagen des saarländischen Arbeiter-Samariter-Bundes nach Zweibrücken kamen, werden Piloten und Hubschraubern zugeteilt. Sie werden danach noch mit einem Konzert der Band „Firma Holunder“ überrascht. Der Erlös eines Grillfestes der 50 Helikopterpiloten, die vom US-amerikanischen Fachmann Tim Tucker im sicheren Fliegen unterwiesen wurden, wird ebenfalls an das Sterntaler-Hospiz übergeben.