Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Neujahrskonzert mit schwelgerischen Melodien

Das Homburger Sinfonieorchester mit (von links) Jonathan Kaell (Dirigent), Roland Kunz (Moderator), Min-Chia Shih (Tenor), Eunbi
Das Homburger Sinfonieorchester mit (von links) Jonathan Kaell (Dirigent), Roland Kunz (Moderator), Min-Chia Shih (Tenor), Eunbi Lee (Sopran) und Philipp Schneider. (Bariton)

Mit einem kurzweilig-spritzigen Neujahrskonzert begeisterten das Homburger Sinfonieorchester im ausverkauften Saalbau.

„Ich bin das Programm“, begrüßte Moderator Roland Kunz das Publikum. „Unsere Programme liegen in St. Ingbert, DHL wollte sie partout nicht herausgeben,“ nahm er eine postalische Panne mit Humor. Zunächst drehte sich alles um Aschenbrödel: Mit der gleichnamigen Ballettmusik-Ouvertüre von Johann Strauss Sohn brachten die Homburger Sinfoniker den typischen Wiener Schmäh in den Saalbau, mit schmissigem Auftakt und langgezogenen schwelgerischen Melodien. Nach und nach kam Bewegung ins Spiel, nach einem Steigerungsprozess voll packender Dramatik mündete das Stück in einen schnellen Galopp.

Das italienische Gegenstück dazu ist die Gioacchino Rossinis komische Oper „La Cenerentola“. Nach einem spannungsreichen Auftakt sang der junge Nachwuchstenor Min-Chia Shih aus Taiwan sich in der Arie „Si, ritrovarla io giuro“ in schwärmerischen Klängen und mit müheloser Höhe seine Liebessehnsucht von der Seele. Sein helles lyrisches Timbre kam in schnell fließenden Koloraturen voll bebender Erregung bestens zur Geltung und harmonierte wunderbar mit der federnden Eleganz des Orchesters.

Die schwebende Mary

„Was ist Magie?“, machte Moderator Roland Kunz sein Publikum neugierig auf die nächsten Stücke. „Wenn eine Dame von Himmel herabschwebt und die Familie eines Bankangestellten in Unordnung bringt.“ Das passierte in der Symphonic Fantasy „Mary Poppins“ von Richard und Robert Sherman sowie Irwin Kostal. In den geschmeidig fließenden Orchestermelodien klangen helle Akzente in klaren Konturen an. Dann brachte ein flottes Thema mit fast tänzerischen Rhythmen Bewegung ins Spiel, ein lebhafter, typischer Musical Sound setzte sich durch. „Mary Poppins hat ganz schön aufgeräumt“, kommentierte Roland Kunz mit augenzwinkerndem Humor.

Magie ist auch ein Thema in Wolfgang Amadeus Mozarts letzter Oper „Die Zauberflöte“. Hier zeigten Sopranistin Eunbi Lee und Min-Chia Shih als Paar Papagena und Papageno in subtil nuanciertem Plapperton, wie unterhaltsam auskomponierte Sprachlosigkeit sein kann.

Die zauberhafte Camille

Schicksalhaft war Howard Shores Thema „Die Gefährten“ aus dem Film „Der Herr der Ringe“. Lautmalerische Idyllen, die das Homburger Sinfonieorchester mit viel Liebe zum Detail nachzeichnete, wechselten hier im nuancenreichen Spiel der Musiker mit hochdramatischen Ausbrüchen und Passagen voll gleißnerischer Geschmeidigkeit ab, die dunkle Bedrohungen symbolisierten.

Irdische Magie beschwor Tenor Min-Chia Shih als Camille mit seiner leidenschaftlichen Liebeserklärung „Wie eine Rosenknospe“ an seine Partnerin Valencienne alias Eunbi Lee aus Lehars Erfolgsoperette „Die lustige Witwe“. In den zauberhaften, lautmalerischen Klängen des Orchesters setzten die beiden auch dramatische Akzente, die das Publikum zutiefst berührten und zu spontanem Applaus hinrissen.

Walzer und Marsch

Für Märchen und Magie fand Engelbert Humperdinck in seiner Oper „Hänsel und Gretel“ malerisch-innige Klänge, die bereits die Ouvertüre prägten. Doch neben der Romantik war in dieser unmittelbar-bildhaften Klangsprache auch Platz für mutwillige Aspekte der Märchenwelt.

Doch was wäre ein Neujahrskonzert ohne Walzer? Und so ließ das Homburger Sinfonieorchester seine Matinée offiziell mit dem lautmalerisch-schwungvollen Strauss-Walzer „Tausend und eine Nacht“ und Paul Linckes „Im Reich des Indra – Es war einmal“ ausklingen. Aber natürlich entlässt kein Orchester in Deutschland oder Österreich sein Publikum zu diesem Anlass ohne den traditionellen „Radetzky“-Marsch von Johann Strauss-Vater, den viele Besucher spontan mitklatschten.

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