Zweibrücken Die Welt zu Hause: Der Journalist erlebt auch daheim sehr viel
„Wie willlschd dann du iwwer die Weld schreiwe, du erlebschd jo nix!“ Immer wieder gebbt es Schdicheleien fa de Lokalredakteur, an ihm gehe die Welt vorbei. Dabei wees er schunn lang un die annere aa, dass das nicht schdimmt!
Manchmal kommt aber auch die Welt zu uns, könnte man sagen und immer wieder gibt es Erlebnisse, die zeigen, man gehört dazu. So war vor Jahren der Redakteur aus Zweibrücken eingeladen zu einem Frühstück in der Deutschen Botschaft in Paris, im glanzvollen Palais Beauharnais.
Dass er ausgerechnet den Platz neben August Graf Kageneck hatte, machte es ihm nicht leichter. Der Graf berichtete für die Springer-Gruppe und war der Doyen der Auslandspresse. Der „Zweebrigger“ wartete natürlich auf die Frage: Woher er komme? Gerade als er nach einem der Tässchen griff und aufpasste, dass nichts passierte, da kam die Frage an den „Herrn Kollege“. Der baute vor und sagte „von einer Heimatzeitung, die sie bestimmt nicht kennen“. Graf Kageneck lachte nicht, sondern „konterte“ ganz großartig, sodass man hinterher zu einem herzlichen Gespräch kam: „Ach wissen Sie,“ meinte er, „meine schönste Zeit als Journalist habe ich beim Kreuznacher Boten verbracht, den Sie sicher auch nicht kennen!“ Als „Schreiberling“ hat man aber die Gelegenheit, Personen zu treffen, denen man anders nicht begegnen würde.
Begegnungen mit Günter Grass und Willi Millowitsch
So, als man in der RHEINPFALZ-Redaktion den Schriftsteller Günter Grass traf, wobei es ein herzliches Gespräch gab, wobei auch dem „Klaren“ aus Schmitshausen zugesprochen wurde. Wobei der Literatur-Nobelpreisträger sich freute, dass es ein Vorteil sei, wenn es zwei Tageszeitungen in einer Stadt in der Größe Zweibrücken gibt. Klar, dass er am Nachmittag in der Aula des Hofenfels-Gymnasiums bei einer eindrucksvollen Lesung zum „Butt“ ebenfalls für das gedruckte Wort warb. Vom Schnaps am Vormittag war nichts zu merken…
Nicht immer ist es die Welt „draußen“, die das Zeitungslesen spannend macht, manchmal wird auch die Welt in die unmittelbare Heimat von draußen gebracht. Wenn der Schauspielstar Willy Millowitsch vor Jahren bei einem Gastspiel in Zweibrücken für seinen Auftritt einen Etappenhasen brauchte, dann ist es für eine Gastspieldirektion wichtig, Kontakte zu den örtlichen Journalisten zu haben. So kamen dann Muschi und Roter zu ihrem Auftritt auf den Brettern der Festhalle und der Redakteur zu seiner Geschichte.
Von Monte Carlo nach Zweibrücken
Circus-Leute kommen viel in der Welt herum, man erwartet sie mit großer Aufmerksamkeit. Es macht Freude, sie außerhalb der Manege zu sehen. So hatte Helmut Reichling die Truppe von Gerd Simoneit-Barum zu einem Empfang in die Fasanerie eingeladen und man wusste nicht, auf welcher Seite die größere Freude war: Auf der der internationalen Artisten-Gruppe oder auf der Seite der Einheimischen, welche die Stars betrachteten, die zuvor noch in Monte Carlo um den Goldenen Clown gekämpft hatten.
Man brauchte also nicht wieder hinaus in die Welt, die Welt kam zu uns. Dass Gerd Simoneit einmal mehr für die Rolle des Tierlehrers plädierte, weg vom Dompteur mit der Peitsche, versteht sich. Am Ende des Treffens in Zweibrücken gab es auch eine enge Freundschaft mit der Zirkus-Pressechefin Pamela Böke, die recht dauerhaft blieb. Und der Emu Kübi und die Gans der Zirkustochter Rebecca bekamen hier Asyl und schufen bleibende Verbindung nach „draußen“.