Zweibrücken Die Welt einer Frau vor 450 Jahren

Anna von Jülich-Kleve-Berg (1552-1632) auf einem Gemälde von 1577 in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek Mü
Anna von Jülich-Kleve-Berg (1552-1632) auf einem Gemälde von 1577 in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek München.

Anna von Jülich-Kleve-Berg heiratete 1574 Philipp Ludwig, den ältesten Sohn von Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken. Ihre Briefe sind erhalten und geben Einblick in das Leben einer Adligen im 16. Jahrhundert. Sie werden in der Bibliotheca Bipontina gezeigt.

Eine Ausstellung in der zum Landesbibliothekszentrum (LBZ) gehörenden wissenschaftlichen Bibliotheca Bipontina informiert über das Leben einer adeligen Frau vor 450 Jahren. Sie spiegeln die Rolle der Frau in der Zeit und erlauben Rückschlüsse zum Beispiel auf die damalige Politik und Medizin. Es geht um die Welt der jungen Fürstin Anna von Jülich-Kleve-Berg und die Beziehungen der Adelshäuser Jülich-Kleve-Berg, Pfalz-Neuburg und Pfalz-Zweibrücken. Erstmals werden bisher unbekannte Schreiben der Fürstin aus dem Jahr 1575 einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

„Quitten sefft“ solle Herzog Wilhelm V. zu sich nehmen, das stärke das Herz und helfe gegen Schlaganfälle. Und er solle sich einem Seelsorger anvertrauen, damit sich sein Gesundheitszustand nicht aus Kummer noch weiter verschlechtere. Dies schreibt seine Tochter, Anna von Jülich-Kleve-Berg, im März 1575, kurz nachdem ihr ältester Bruder, Karl Friedrich, in Rom verstorben war. Dabei hatte Anna am 27. September 1574 gerade Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg geheiratet, und zum aufwendig gefeierten Hochzeitsfest hatte ihr Vater sie persönlich begleitet. Eine zeitgenössische Handschrift in der Bibliotheca Bipontina berichtet von diesen Feierlichkeiten. Das 450-jährige Jubiläum der Hochzeit ist der Anlass für diese Ausstellung in der Bibliotheca Bipontina, an der Dozierende und Studierende der Universität des Saarlandes sind, so Rebecca Anna, die LBZ-Standort-Leiterin der Bibliotheca Bipontina.

Das Ego-Dokument

Der Hochzeitsbericht von Anna von Jülich-Kleve-Berg (1552-1632) und ein ähnlicher Hochzeitsbericht aus dieser Zeit werden nur am Tag der Ausstellungseröffnung im Original gezeigt, betont Nine Miedema. Sie hat an der Universität des Saarlandes die Professur für Literatur des Mittelalters und Deutsche Sprache der Fachrichtung Germanistik inne. „Die beiden Original-Hochzeitsberichte gehen dann zurück an die Landesbibliothek in Speyer, bis in Zweibrücken eine Lösung zur Unterbringung des ausgelagerten Altbestandes gefunden ist“, so Miedema.

„In dieser Zeit war es unüblich, dass Frauen selbst über ihre Hochzeit schreiben würden, dafür gab es Hofschreiber. Die Hochzeitsbeschreibung war damals kein Ego-Dokument“, vergleicht Miedema. Man erfahre, wie solche Hochzeiten stattfanden, sagt Miedema: „In dem Bericht wird alles aufgeführt. Es gab Musik, Turniere und Schauessen. Da sollte das Essen besonders hübsch aussehen.“

Der mehr als 80 Seiten umfassende e Hochzeitsbericht von 1574 ist in der Bibliotheca Bipontina erhalten.
Der mehr als 80 Seiten umfassende e Hochzeitsbericht von 1574 ist in der Bibliotheca Bipontina erhalten.

Die adlige Anna von Jülich-Kleve-Berg heiratete am 27. September 1574 Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg (1547-1614), den ältesten Sohn von Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken. Für die Hochzeit sei die Braut an den fürstlichen Hof in Neuburg umgezogen. Um mit ihrer Familie in Kontakt zu bleiben, habe sie sich „des damals einzig möglichen Mittels bedient. Sie hat Briefe geschrieben“, so Miedema.

„Wir haben für die Ausstellung zwei bisher unbekannte Briefe, die Anna ein halbes Jahr nach ihrer Hochzeit an ihren Vater richtete, herausgegriffen und zeigen sie in der Ausstellung in Kopie“, kündigt Miedema an. Die Tochter wende sich in Sorge an den Vater, nachdem ihr Bruder, der Thronfolger, in Rom verstarb. „Sie macht sich auch Sorgen um den Gesundheitszustand des Vaters und schickt ihm Quittensaft mit“, so Miedema. Die Briefe seien Dokumente ihrer Zeit, sie beleuchteten die Rolle der Frau, der Politik und selbst der Medizin. „Die Aura des Originals finden wir schön“, schwärmt Miedema, die die Ausstellung zusammen mit Rebecca Anna, Alrun Frings, Anna Riga und weiteren Studierenden des Master-Studiums konzipiert hat. Anhand der Briefe von Anna von Jülich-Kleve-Berg hätten die Studierenden gelernt, wie man sich den Inhalt erschließt und eine Textausgabe daraus macht, ergänzt Miedema.

Info

Ausstellung: „Anna von Jülich-Kleve-Berg in ihren Briefen“ – Die Welt einer Frau im 16. Jahrhundert, Zweibrücken, Bipontina, Bleicherstraße 3, 6. Juni bis 26. November, geöffnet nur dienstags 9-12 und 14-16 Uhr.

Ausstellungseröffnung: 6. Juni, 19 Uhr, Zweibrücken, HFG-Halle, Bleicherstraße 3. Es sprechen Rebecca Anna, Alrun Frings, Nine Miedema und Anna Riga.

Zur Person

Anna von Jülich-Kleve-Berg wurde am 1. März 1552 als zweitälteste Tochter des Herzogs Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg und Maria von Habsburg in Kleve geboren. Sie wuchs am Düsseldorfer Hof auf und wurde im lutherischen Glauben erzogen. Als Anna am 27. September 1574 den Prinzen Philipp Ludwig von Pfalz-Zweibrücken, den ältesten Sohn des Herzogs Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken, heiratete, bestanden Zweifel an ihrer religiösen Identität, die sich zu Beginn der 40-jährigen Ehe jedoch legten, denn in konfessioneller Hinsicht schien Anna mit Philipp Ludwig übereingestimmt zu haben. Anna war eine erbberechtigte Tochter ihres herzoglichen Vaters. Wegen dieses Privilegs machte Annas Ehemann 1609 einen Anspruch auf das Erbe in allen Ländern Jülich-Kleve-Bergs geltend. Weil auch Annas Schwestern, die in andere Herrscherfamilien geheiratet hatten, einen Erbanspruch hatten, kam es zum Jülich-Klevischen Erbfolgestreit, den Annas ältester Sohn, Wolfgang Wilhelm gewann. Anna hatte vier Söhne und vier Töchter, sie starb am 16. Oktober 1632. Sie liegt in der Kirche St. Martin in Lauingen (Donau), der Grablege des Hauses Pfalz-Neuburg.

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