Zweibrücken Die USA-Karriere des Zweibrücker Ehrenbürgers Hilgard/Villard

Das Leben des Zweibrücker Ehrenbürgers Heinrich Hilgard, als US-amerikanischer Eisenbahnkönig Henry Villard (1835-1900) bekannt, schlug mehr Kapriolen als gemeinhin bekannt. Ist er doch in Nordamerika bis heute auch als Journalist und Kriegsberichterstatter ein Begriff. Karl Erhard Schuhmacher, ein in Römerberg-Heiligenstein wohnender Kenner englischer und nordamerikanischer Literatur, berichtet darüber.

Dabei verblüfft als erstes, dass der nach seiner Auswanderung als 18-Jähriger kaum des Englischen kundige Hilgard die ihm neue Sprache in einer Selbstlernmethode so schnell beherrschte, dass er bald für englischsprachige Zeitungen schreiben konnte. Er begann mit zwei von der Öffentlichkeit sehr beachteten Arbeiten. Für die im Mittelwesten weit verbreitete Zeitung „Cincinatti Daily Commercial“ begab er sich fast ein Jahr lang ins gerade gegründete Denver, um über den Colorado Gold Rush, den Goldrausch, zu berichten. Nach seiner Rückkehr verfasste er im Winter 1859/60 auf der Grundlage dieser Artikel einen sprachlich und sachlich erstaunlichen Reise- und Hintergrundbericht in Form eines 150-seitigen Buches. Historiker ziehen es bis heute heran. Nachdem der Republikaner Abraham Lincoln 1860 zum Präsidenten gewählt wurde, konnte Villard beim auflagenstarken „New York Herald“ einsteigen. Dessen Herausgeber James G. Bennett übertrug ihm die Aufgabe, „Abe“ Lincoln von Ende November 1860 bis zu dessen Amtseinführung im März 1861 täglich zu begleiten und darüber zu berichten. Villard gelangte dadurch in den engeren Kreis um den Präsidenten. Was den Ex-Speyerer aber zunächst nicht davon abhielt, über seine Zweifel zu schreiben, ob Lincoln seiner großen Aufgabe überhaupt gewachsen sei. Doch im Verlaufe seiner 90 Zeitungsberichte, die er in Lincolns Wohnort Springfield im US-Bundesstaat Massachusetts verfasste, lernte er die Stärken des Präsidenten kennen und revidierte seine Beurteilung. „Abe“ Lincoln honorierte Henry Villards Wirken dadurch, dass er ihn auf seine triumphale Sonderzugfahrt zur Amtseinführung von Springfield über New York nach Washington mitnahm. Nach Ausbruch des Bürgerkriegs (1861-1865) erwarb sich Villard als Feldberichterstatter für mehrere Zeitungen, darunter „New York Tribune“, hohe Anerkennung bei Kollegen, Verlegern und Lesern, aber auch beim Militär. Eine der Folgen: Gerade mal 26 Jahre alt, schloss er sich mit ebenfalls über den Sezessionskrieg berichtenden Schriftstellern und angesehenen Zeitungsleuten zusammen, die im gegenseitigen Erfahrungsaustausch als „embedded journalists“ über das Frontgeschehen informierten. Henry Villards treffende Berichte von den Kriegsschauplätzen trugen ihm die Bekanntschaft der Generäle Ulysses S. Grant und William T. Sherman ein. Und zudem das Wohlwollen des Präsidenten: Zweimal lud ihn Lincoln ins Weiße Haus ein. Nach dem Bürgerkrieg, Berichten aus Europa (Preußisch-Österreichischer und Deutsch-Französischer Krieg) und der Heirat mit Fanny Garrison fand der Journalist in Boston Zutritt zu Intellektellenkreisen, wurde Sekretär der renommierten „American Social Science Association“ und Herausgeber von deren Journal. Seine Karriere in der Hochfinanz und in der US-Eisenbahngesellschaft begann er erst nach einem längeren Deutschlandaufenthalt 1871 bis 1873. Ebenso wie seine Geburtsstadt Speyer suchte der Sohn eines Staatsanwalts die Stadt seiner Jugend, Zweibrücken, erst 1894 wieder auf. Beide Städte ernannten Hilgard/Villard aus Dankbarkeit zum Ehrenbürger, finanzierte er doch verschiedene Bauprojekte. In Zweibrücken ließ er das nach seinem früh verstorbenen Sohn benannte Waisenhaus und ein Arbeiterwohnhaus errichten; sein altes Gymnasium und der Diakonissenverein wurden mit großzügigen Stipendien beschenkt. Dem damaligen Oberbürgermeister Maercker überreichte er eine Spende, wodurch in Not geratenen Bürgern geholfen werden sollte. (wk)

x