Homburg Die ungewöhnlichen Porträts des Malers Siro Marteens
„Ich habe mich für dieses Thema entschieden, weil ich von Schwarz-Weiß-Arbeiten bis in den Neon-Bereich die ganze Farbpalette zeigen möchte“, sagt Siro Marteens. „Unter meinen Arbeiten findet sich ganz feine Malerei, zum Beispiele Porträtarbeiten in Schwarz-Weiß, bis hin zum Urban Art Neon mit Acrylfarben; das sind fast etwas grelle, etwas raue Neonarbeiten. Ich habe mich nie auf eine einzige Bildsprache festgelegt – jedes Motiv verlangt nach seiner eigenen Form, Farbe und Energie“, ist Siro Marteens überzeugt.
„Realistische Porträts, Popkultur, urbane Einflüsse, Emotionen und gesellschaftliche Beobachtungen treffen in meinen Arbeiten auf intensive Farben und Neonästhetik. Manche Bilder sind laut und direkt, andere ruhiger und reduzierter - doch alle erzählen auf ihre Weise eine Geschichte. Der Titel,,Von A bis Neon„ steht für diese Vielfalt: für das Experimentieren, das Wechseln zwischen Welten und für die Freiheit, Kunst immer wieder neu zu denken.“
Das bevorzugte Motiv des 1984 im saarländischen Ottweiler geborenen Künstlers sind Gesichter. „Ich liebe die Anatomie, ich bin gelernter Physiotherapeut und hab' mit der Darstellung verschiedener Körperteile angefangen und hab' mich dann vorgearbeitet, bis ich ganze Gesichter gemacht habe, in ganz unterschiedlichen Farbnuancen.“
Exemplarisch für diese Vorgehensweise ist die „Colors“-Reihe von Siro Marteens. „Das ist ein grell-buntes Gesicht und einmal pro Jahr interpretiere ich es neu, um meine Entwicklung weiterzuverfolgen.“
Der Anstoß für diese Reihe kam durch einen Facebook-Wettbewerb. „Da ging es um ein lizenzfreies Foto, das jeder interpretieren konnte, wie er möchte. Ich habe diesen Wettbewerb gewonnen“, erinnert Marteens sich. „Sie hatte die Hände verschränkt und es waren ganz tolle Farben.“
Siro Marteens hat ein Faible für die Arbeit in thematischen Komplexen. „Ich switche von Thema zu Thema“, sagt er über seine Arbeitsweise. Zwei Beispiele in der Ausstellung sind die „Urban Neon“-Reihe und die „Stickerbombing“-Reihe.
„Die Stickerbombing-Technik stammt aus der Auto-Tuning-Szene, sie ist eine Form von Straßenkunst, vor allem aus Japan und den USA. Kotflügel von Autos werden dabei mit Stickern überklebt, bis man nichts mehr vom ursprünglichen Lack sieht. Das war dort eine richtige Modewelle, die in Deutschland allerdings relativ unbekannt ist.“
Marteens nutzte diese Technik, um für sich eine künstlerische Frage zu lösen. „Ich hab' Probleme mit dem Hintergrund, während Gesichter, Finger und Haare mir sehr flott von der Hand gehen. Und diese Sticker bleichen nicht aus. Ich hab' gedacht: Das probiere ich mal für den Hintergrund. Und die Erfahrung war wahnsinnig. Auch die Resonanz war bahnbrechend, als ich diese Arbeiten 2024 in Radolfzell zum ersten Mal gezeigt habe.“
Unter diesen Werken von Siro Marteens finden sich Porträts von internationalen Stars wie Madonna, oder David Bowie in Stickerbombing-Varianten im Hintergrund, im Vordergrund steht Porträtmalerei mit Acrylfarben.
Diese Arbeiten wirken sehr plastisch und farbenfroh. „Ja, es muss knallen in meinen Bildern“, sagt der Künstler dazu.
Seine Urban-Neon-Reihe ist mit Sprühdosen gemacht und im Graffiti-Stil gehalten. „Das ist eine Mischung aus Pinselarbeit und Graffiti, aus dem Bauch heraus, weniger fein, weniger plastisch“, erzählt Siro Marteens.
Aber der Künstler experimentiert auch mit anderen Arbeitsweisen und Techniken, zum Beispiel in seiner „Op-Art“. „Das sind Bilder, die je nach Betrachtungswinkel das Gezeigte verändern“, führt er aus. „Damit kämpfe ich, aber wenn ich fertig bin, ist es wie ein Marathonlauf auf den letzten Metern – ein pures Glücksgefühl.“
Die Idee entstand, als Siro Marteens eine Dokumentation über eine Ausstellung sah. „Da ging es darum, dass sich das Bild je nach Position des Betrachters verändert“, erinnert er sich. „Ich bin ein Spielkind, das hat mich sofort fasziniert. Ich wollte unbedingt herausfinden, wie das funktioniert. Da gibt es einen bestimmten Lack, der je nach Position eine andere Farbe annimmt; er heißt Flip-Flop-Lack. Entsprechend nenne ich meine Gemälde 'Flip-Flop'-Bilder. Op-Art ist ein ganz großer Begriff, da wird alles reingepackt, was irgendwie mit Illusionen zu tun hat.“
In seiner Ausstellung zeigt Siro Marteens aber auch klassische Pop-Art auf echten Dollarnoten. Alltagsgegenstände wie eine Maggi-Flasche oder ein typisch saarländisches „Karlsberg Urpils“ sind da zu sehen, der Hintergrund ist wie das jeweilige Objekt gemalt in einer fantasievollen Farbenwelt voller Imaginationen.
Auch mit neuen Techniken wie Künstlicher Intelligenz setzt sich der vielseitige Künstler auseinander. „Wenn ich zum Beispiel eine Fotovorlage habe und die Handstellung gefällt mir nicht, kann ich sie mit KI minimal verändern, ohne dass ich dafür gleich einen Fotokurs machen muss.“
Dass Siro Marteens, der heute in Völklingen lebt, einmal ein vielfach ausgezeichneter Künstler werden würde, war alles andere als klar. „In der Schule hatte ich eine Sechs in Kunst.“ Erst durch den Tod seiner Mutter fing er an, sich durch Malen auszudrücken, weil er eine Zeit lang nicht mehr gesprochen hatte.
Info
Siro Marteens: „Von A bis Neon – Zwischen Realismus, P/op-Art und urbaner Neonästhetik“, Malerei, Galerie Beck, Homburg, Am Schwedenhof (beim Römermuseum), 12. April bis 22. Mai, Öffnungszeiten: Mittwoch/Donnerstag 11 -14 und 16 -18 Uhr, Freitag 11-14 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon
06848 70119 0
Vernissage: Sonntag, 12. April, 16 Uhr .