Bitsch RHEINPFALZ Plus Artikel Die seltsamen Tierchens des Malers Thomas Rebischung

Kalkschwämme aus einer Abhandlung von Ernst Haeckel haben Thomas Rebischung für seine Kunst inspiriert.
Kalkschwämme aus einer Abhandlung von Ernst Haeckel haben Thomas Rebischung für seine Kunst inspiriert.

Seltsame Wesen haben in der Bitscher Innenstadt von einem Ladenlokal Besitz genommen. Einzeller, Kalkschwämme und Korallen hat der Künstler Thomas Rebischung gemalt.

Die kleine Bitscher Galerie in einem zuvor leerstehenden Ladenlokal ist ein Projekt des Stadtratsmitglieds Cathy Schwartz, die damit Leben in die Innenstadt bringen will. Mit Rebischung (Jahrgang 1982) konnte sie einen renommierteren Künstler für eine Ausstellung gewinnen, der in Paris Kunst studierte, viele Urban-Art-Projekte in ganz Frankreich realisiert hat und im September in Pirmasens die frühere Neuffervilla zu einem Gesamtkunstwerk machen will.

Rebischungs Kunst hat so einen großen Tiefgang, dass sie normalerweise eher in einer Pariser Galerie zu finden wäre. Er wollte das Projekt von Schwartz mit der Ausstellung unterstützen, will sowieso im ländlichen Raum etwas bewegen, begründet Rebischung die Ausstellung in der Bitscher Innenstadt. Der Künstler ist Teil des Kollektivs „Saupferch“ in Meisenthal.

Inspiriert von Ernst Haeckel

Für die in dem kleinen Ladenlokal zu sehenden Bilder haben ihn Bücher aus dem 19. Jahrhundert und vor allem Schriften des deutschen Zoologen Ernst Haeckel inspiriert. Der als Freidenker und Zoologe bekannte Haeckel hatte sich mit Hilfe eines Mikroskops den ganz kleinen Lebewesen auf diesem Planeten gewidmet. Seine Abhandlung über Kalkschwämme aus dem Jahr 1872 war wegweisend für die Wissenschaft. Das Mikroskop ermöglichte erst die Entdeckung dieser Lebewesen.

Auf Leinwänden und einer Spezialfolie hat Rebischung nun Einzeller und Kalkschwämme in schwarz-weiß gemalt. Bei der Spezialfolie handelt es sich um Rettungsdecken, die aus dem Erste-Hilfe-Kasten stammen. „Damit kann ich Großformate ganz klein falten und brauche keinen Lieferwagen für eine Ausstellung“, freut sich der Künstler. Außerdem passen die Rettungsdecken thematisch gut zu seiner Kunst.

Im Dienst der Wissenschaft

Die Lebewesen wirken wie aus einer anderen Welt und könnten genauso gut in einem Science-Fiction-Film eine Hauptrolle belegen. Mehrere ähneln zudem Kreationen von HR Giger. Rebischung hat sich allerdings genau an die Darstellungen in den Schriften von Haeckel gehalten. Alle diese Tierchen gibt es wirklich oder genauer gesagt, hat es auf jeden Fall mal gegeben.

Das Verschwinden von immer mehr Arten ist das zweite Thema von Rebischungs Ausstellung. „Global Warning“ ist nicht umsonst der Titel der Ausstellung. Haeckel habe, um die Tierchen überhaupt erst zu entdecken und bestimmen, die Lebewesen immer töten müssen, erzählt Rebischung. „Wir töten etwas, um es zu beobachten“, interpretiert es der Künstler. Das machte Haeckel im Dienst der Wissenschaft und heute Millionen Touristen für den Urlaub, wenn sie zu Korallenriffen und anderen sensiblen Naturräumen aufbrechen. Um es zu verstehen oder zu besitzen, wird getötet und vernichtet, mahnt Rebischung. Die Ausstellung sieht er als Hommage an vergessene und verlorene Lebensformen und als Mahnung zur Rettung der noch vorhandenen Artenvielfalt. Deshalb auch die Rettungsdecken.

Info

Thomas Rebischung: Malerei, Galerie municipale de la Ville de Bitche, Bitsch, Rue Maréchal Foch 9, bis 28. Juni, Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14-18 Uhr, Samstag 14-17 Uhr.

Mehr zum Thema
x