Saarbrücken Die erste Gedächtnisausstellung zu Hermann Theophil Juncker
Der Maler und Grafiker Hermann Theophil Juncker (1953-2025). war in der Pfalz und im Saarland geschätzt. Die Galerie am Pavillon des Sammlers Hans Karl Reuther in der Saarbrücker Innenstadt, die 2018 schon die Werke seines Vaters, Franz Juncker, ausstellte, zeigt nun eine mustergültige Retrospektive durch das Werk von Hermann Theophil Juncker, denn von frühen Holzschnitten aus den 1950er-Jahren bis zu letzten Gemälden aus den 2020er-Jahren, sind alle seine Schaffensperioden vertreten.
So lernt man den jungen Maler, der 1952 noch ganz gegenständlich und leicht expressionistisch einen Clown per Holzschnitt zu Papier brachte, der an Charlie Rivel erinnert, in einem Stil, der schon dem nahe kam, was er ab 1953 in Karlsruhe in der Klasse des „Brücke“-Malers Erich Heckel an der Kunstakademie lernte. 1966 – da malte er immer noch gegenständlich, wie man in der Ausstellung an seinem Gemälde von Notre Dame (1967) sehen kann – ,bekam er schon den Pfalzpreis für Malerei. Doch der bodenständige Juncker legte auch das Staatsexamen ab und war Kunsterzieher am späteren Homburger Mannlich-Gymnasium (1955-1987).
Seine Malerei spiegelt die Kunst im 20. Jahrhundert wieder: erst gegenständlich, dann expressionistisch, surrealistisch. kubistisch, abstrakt, zuletzt kam das Informel hin. Doch in der klug gehängten Schau verschwinden all die künstlerischen Gegensätze – die Zweibrücker erinnern sich an seine Ausstellung 2003 in der Karlskirche, in der das ansatzweise ebenso war – und offenbaren Vorlieben für bestimmte Formen, Farbspektren und Linienführungen quer durch die Jahrzehnte.
Reuther begann in den 1990er-Jahren Juncker zu sammeln, auch kleine Formate, die man in den Museen selten sieht. Kaltnadelradierungen aus den 60er-Jahren wie „Cresecere nil obstat“, eine Kirche mit Pfarrhaus in sorgsam skizzierten Linien. Über ihr ist eine große runde Fläche dominant, die Sonne, Mond, Erde oder auch nur ein Ballon sein kann. Das Blatt zeigt schon früh, was die Betrachter später permanent machen: Sie rätseln, was genau er darstellt und meinen könnte, gerade weil Gegenständliches, Abstraktes und Mystisches auf wunderbar geheimnisvolle Weise ineinandergreifen. Zuletzt 2023 in seinem auch mit einem Schuss Selbstironie gemalten „Hotel Juncker III“, ein Fantasyhaus mit Treppen, die - vielleicht – zum Auge Gottes, zum Himmel führen. Über 50 Werke, auch Objekte, laden zum Staunen ein.
Info
Hermann Theophil Juncker: Grafik, Ölgemälde, Kleinplastik, Zeichnungen, 1952-2023, Saarbrücken, Galerie am Pavillon, Mainzer Straße 110, bis 21. Mai, Besuch nach Absprache: Telefon 01711775738.