Zweibrücken
Die Draisine für das 21. Jahrhundert kommt aus der Pfalz
„Das ist sozusagen mein ,Erlkönig’“, verkündet Manfred Panter stolz. Gemeint ist das ungewöhnliche Zweirad, mit dem er soeben – ja was eigentlich? Herbeigeradelt? Herbeigelaufen? – ist. Auf den ersten Blick sieht das Gefährt mit seinem mattgrauen Alurahmen zwar wie ein Fahrrad aus. Aber Moment mal: Pedale sucht man hier vergebens, und eine Kette gibt es ebenfalls nicht. Panter sitzt im Sattel und bewegt sich gemütlich nach vorn, indem er mit den Füßen Schreitbewegungen am Boden macht. Handelt es sich also eher um einen modernen Nachkommen des Laufrads des seligen Freiherrn von Drais?
Nicht direkt. „Ich habe im Fahrzeug noch einen Elektromotor eingebaut, der sich bei Bedarf zuschalten lässt“, erklärt der 84-Jährige. Früher im Berufsleben bei mehreren großen Technologiekonzernen in ganz Deutschland tätig, bezeichnet der pensionierte Maschinenbauingenieur sein Zweirad selbst als „muskelkraftbetriebenes Laufrad mit elektrischem Hilfsantrieb“. Als solches hat er seine Erfindung vor knapp drei Jahren beim Deutschen Patent- und Meldeamt in München eintragen lassen. „Das ist ein Geschmacksmusterschutz, damit mir das keiner einfach nachbauen darf.“
Unterschiedliche Verkehrsflächen
Entwickelt hat Panter sein Laufrad als ehrenamtlicher Leiter der Arbeitsgemeinschaft (AG) Mint an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Contwig. In dreijähriger Arbeit, zusammen mit insgesamt 35 Schülern aus verschiedenen Jahrgängen. Mint steht als Kürzel für die Fachrichtung Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.
„Die Grundidee besteht darin, mit diesem Zweirad mehrere unterschiedliche Verkehrsflächen zu erschließen“, führt der gebürtige Homburg-Sanddorfer zunächst einmal die eigentliche Laufrad-Funktion ins Feld. „Damit kann man im Sitzen laufen. Auf dem Gehweg, auf Waldwegen. Mit den Füßen links und rechts am Boden klappt das auch ganz gemütlich in der Fußgängerzone.“ Für Senioren, so glaubt der Tüftler, der heute in Contwig wohnt, könnte das Gefährt sogar eine Alternative zum Rollator sein. Auch am Berg.
Daumen schaltet Elektromotor zu
„Wenn man mal ein Päuschen macht und die Bremse anzieht, hat man unterwegs immer einen Sitzplatz – zum Beispiel auch im Zug. Das ist dann wie ein Stuhl“, erachtet Panter sein Zweirad als nutzbar „für Neun- bis 90-Jährige“.
Als weitere Verkehrsfläche stünden Panters Erfindung auch Radwege offen: „Per Daumendruck auf ein Knöpfchen am Handgriff schalte ich meinen elektrischen Hilfsantrieb zu.“ Im Hinterrad eingebaut, beschleunige der Elektromotor das Velo auf bis zu 15 Stundenkilometer. „Für die nötige Sicherheit sorgen zwei Felgenbremsen vorne und hinten.“
Manfred Panter versichert, er kenne „kein anderes Fahrzeug, mit dem man sowohl auf dem Bürgersteig als auch in Fußgängerzonen, auf dem Radweg und im Gelände unterwegs sein kann“. Ganz bewusst habe er die Konstruktion so einfach wie möglich gehalten. „Ohne Kette und Pedale. Und weil die Radgabeln vorne und hinten identisch sind, kann man bei Bedarf sogar die beiden Räder gegeneinander austauschen.“
Interesse auf der Messe
Den Alurahmen für seinen Prototypen hat Panter selbst ausgearbeitet. Gern würde er dieses Herzstück seiner Erfindung bald von einer Spezialfirma im Saarland per Laser in Serie schweißen lassen. „Wenn ich diese Rahmen vorweisen kann, bekomme ich das europäische CE-Prüfzeichen“, erklärt der einfallsreiche Pensionär. Denn inzwischen, sagt Panter, habe er bereits einige Bestellungen von Leuten in der Tasche, die so ein innovatives Laufrad gerne kaufen würden. „Ich sehe da wirklich Potenzial“, begibt sich der Technik-Tüftler auf die Suche nach einer Partnerfirma, die bei der serienmäßigen Fertigung und Vermarktung einsteigen könnte. „Auf der Fachmesse Eurobike in Frankfurt haben sich Vertreter von Bosch schon sehr für das Laufrad interessiert“, erinnert sich der Contwiger.
Noch ist es nicht soweit mit der Serienfertigung. Aber darf Manfred Panter seinen selbstgebauten „Erlkönig“ bis dahin im öffentlichen Verkehrsraum überhaupt benutzen? „Selbstverständlich“, beteuert er. „Die Verkehrsministerien in Rheinland-Pfalz, im Saarland und Baden-Württemberg haben mir schriftlich gegeben, dass das Fahrzeug als fußgetriebenes Fahrrad anerkannt ist.“
Gästegruppen auf Städtetour
Gut geeignet hält Panter seine Erfindung unter anderem für touristische Stadtführungen. „Wenn damit eine Gruppe durch Zweibrücken unterwegs wäre, um sich Sehenswürdigkeiten anzuschauen, wäre das weniger gefährlich als etwa ein Segway.“
Sollte sein Laufrad demnächst in Städten wie Zweibrücken, Saarbrücken, Heidelberg oder Mannheim gruppenweise genutzt werden, würde dies in Manfred Panters Augen dort viel Aufmerksamkeit erregen. „Und dann würde die Nachfrage schnell weiter ansteigen.“
Kontakt
Manfred Panter ist unter der E-Mail-Adresse manfredwpanter@gmail.com sowie unter Telefon 06332 50939 erreichbar.