Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Die Briefwahl bereitet Probleme – aber sicher nicht die, vor denen die AfD warnt

Bei der Landtagswahl werden die Briefwähler vor Ort in den Dörfern ausgezählt. Bei der Bundestagswahl ist das anders.
Bei der Landtagswahl werden die Briefwähler vor Ort in den Dörfern ausgezählt. Bei der Bundestagswahl ist das anders.

Was bei der Landtagswahl geht, muss auch bei der Bundestagswahl möglich sein: Die Briefwahlstimmen müssen in die Ergebnisse vor Ort einfließen.

Ist die SPD wieder in Lambsborn besonders stark? Die CDU in Schmitshausen? Die FDP im Hornbachtal? In knapp drei Wochen, am Tag nach der Landtagswahl, werden wir unseren Lesern diese Fragen beantworten können. In einer ausführlichen Wahlanalyse, die beleuchtet, welche Parteien in welchen Dörfern besonders gut oder besonders schlecht abschneiden. Bei der Landtagswahl geht das. Denn am 22. März werden die Briefwähler den Orten zugeschlagen, in denen sie wohnen.

Bei der Europawahl und der Bundestagswahl ist das anders. Dort werden alle Briefwahlstimmen zentral ausgezählt – egal, ob aus Riedelberg oder aus Rosenkopf. Sie werden anschließend auch nicht mehr den Ergebnissen im Dorf zugeordnet, sondern nur noch dem Gesamtergebnis der Verbandsgemeinde.

AfD schürt grundlos die Sorge vor der Briefwahl

Dadurch geht keine Stimme verloren. Das Endergebnis bleibt gleich. Aber es lässt sich nicht mehr sagen, wie die einzelnen Dörfer gewählt haben. Denn in den vergangenen Jahren sind zwei Dinge passiert: Es gibt immer mehr Briefwähler, und die Anzahl der AfD-Wähler ist gestiegen. Weil die AfD aber – grundlos – die Sorge vor der Briefwahl schürt, gehen deren Anhänger lieber ins Wahllokal. Das heißt: Im Verhältnis gesehen landen deutlich mehr AfD-Stimmen in den Urnen als in den Briefwahlbezirken. Dadurch entsteht eine Unwucht, ein Zerrbild. Die AfD scheint in den Dörfern stärker, als sie ist, während sie bei der Briefwahl schwächer abschneidet. Noch mal: Jede Stimme zählt. Am Endergebnis ändert sich nichts. Am Ende sieht es aber so aus, als sei die AfD in ganz vielen Dörfern stärkste Partei, obwohl dem gar nicht so ist.

Das birgt drei Probleme: Es kann eine Eigendynamik entstehen, die den Zulauf für die nur scheinbar so starke Partei noch verstärkt. Die Ergebnisse vor Ort sind ein wichtiger Gradmesser für die politische Arbeit, der dann entfällt. Und schließlich wüsste man ja schon gerne verlässlich, wo das eigene Dorf politisch steht. Das haben auch die Reaktionen unserer Leser gezeigt, die nach den letzten Wahlen verstärkt angefragt haben, warum wir nicht mehr veröffentlichen, wie die einzelnen Dörfer und Stadtteile gewählt haben. Doch die Einzelergebnisse sind ein Muster ohne Wert. Sie hätten nur in ihrer Gesamtheit mit den fehlenden Briefwahlstimmen eine Aussagekraft. Deshalb sollte für die Bundestags- und Europawahlen das gelten, was bei der Landtagswahl auch möglich ist: Die Briefwahlstimmen müssen in die Ergebnisse vor Ort einfließen.

x