Saarbrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Die Band Nazareth zeigt, dass sie für die Zukunft gerüstet ist

Ein Treffen der Generationen: Nazareth-Gründer Pete Agnew (rechts.), sein Sohn Lee spielt seit 1999 die Drums, erst seit diesem
Ein Treffen der Generationen: Nazareth-Gründer Pete Agnew (rechts.), sein Sohn Lee spielt seit 1999 die Drums, erst seit diesem Jahr dabei ist Sänger Gianni Pontillo.

Beim Auftritt von Nazareth am Ostermontag erleben die rund 200 Besucher ein Stück Rockgeschichte und eine Band im Umbruch mit Vater und Sohn: Pete und Lee Agnew.

Gegründet 1968 in Schottland, gehört Nazareth zur ersten Generation des Hardrock, Seite an Seite mit Deep Purple, Uriah Heep oder Led Zeppelin. Ihr Stil – rau, bluesgetränkt, mit einer klagenden Stimme – wurde prägend für eine ganze Ära. Mit Klassikern wie „Love Hurts“, „Hair of the Dog“ oder „Dream On“ sind sie längst im Kanon des Rock verankert.

Und doch: 2026 steht diese Band auf der Bühne der Saarbrücker Garage wie ein lebendes Paradox. Von der Originalbesetzung ist nur noch Bandgründer und Bassist Pete Agnew übrig – ein Musiker, der nicht nur spielt, sondern Geschichte verkörpert. Neben ihm sein Sohn, Drummer Lee Agnew. Seit 1999 eine Vater-Sohn-Achse, die es vergleichbar, wenn auch nicht in dieser Dauer, bei Eddie und Wolfgang Van Halen gab, und die Kontinuität und Wandel zugleich symbolisiert.

Pete Agnew ist das lebendige Gedächtnis der Band. Seit 1968 steht er für den Puls von Nazareth – unaufgeregt, präzise, fast stoisch. Neben ihm sein Sohn Lee. Und genau hier beginnt etwas Besonderes: Diese Rhythmussektion ist nicht einfach eingespielt – sie ist biografisch verwoben.

Da ist kein vorsichtiges Aufeinander-Reagieren, kein Abtasten, wie es selbst bei erfahrenen Musikern oft vorkommt. Stattdessen wirkt ihr Zusammenspiel wie ein einziger, organischer Fluss. Bass und Drums greifen ineinander, als würden sie denselben Gedanken zu Ende führen. Gerade in einem Konzert, das zwangsläufig im Schatten des 2022 verstorbenen Sängers Dan McCafferty steht und sich zugleich um den neuen, erst seit wenigen Wochen mitwirkenden Frontmann Gianni Pontillo neu sortiert, wird diese Vater-Sohn-Achse zum stabilisierenden Zentrum.

Bei „Hair of the Dog“ etwa treibt Lee Agnew das Stück mit trockenem, kraftvollem Schlagzeugspiel voran, während Pete Agnew den berühmten Riff-Teppich mit stoischer Präzision verankert. Das Ergebnis ist kein nostalgisches Nachspielen, sondern ein lebendiger, atmender Groove.

In ruhigeren Momenten – etwa bei „Dream On“ – zeigt sich eine andere Qualität: Hier ist es weniger Druck als vielmehr feines Gespür für Dynamik, das die beiden verbindet. Was diesen Abend besonders macht, ist nicht nur das musikalische Niveau, sondern die spürbare Beziehung auf der Bühne - ein kurzer Blick zwischen Vater und Sohn,

ein kaum merkliches Lächeln nach einem gelungenen Break und die Selbstverständlichkeit, mit der sie miteinander musizieren. Das ist keine inszenierte Geste, sondern gelebte Geschichte. Vielleicht liegt genau darin ein Schlüssel zum Fortbestehen der Band: Nazareth wirken nicht wie ein Projekt, das künstlich am Leben gehalten wird, sondern wie ein weitergegebenes Erbe.

Und da ist der neue Sänger Gianni Pontillo, der sich zwangsläufig an McCafferty messen lassen muss. Dessen Stimme war ein Markenzeichen, dass die Band über Jahrzehnte prägte und Songs wie „Love Hurts“ zu zeitlosen Rockballaden machte. Sein Tod markierte das Ende einer Ära.

Wie ersetzt man eine Stimme, die unersetzlich ist? Die Antwort heißt: Gianni Pontillo. Er ist kein Epigone, er versucht nicht, McCafferty zu kopieren – und genau das ist seine Stärke. Pontillo bringt Energie, Präsenz, fast jugendliche Angriffslust. Und so kommt das Publikum für die Vergangenheit – und bekommt sie auch. Doch gleichzeitig wird deutlich: Dies ist nicht mehr die Band von früher – und will es auch nicht sein.

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