Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Die AfD ist ein Scheinriese – das kann gefährlich werden

Die AfD ist nicht so mächtig, wie es aussieht.
Die AfD ist nicht so mächtig, wie es aussieht.

Die AfD ist nicht so mächtig, wie es aussieht. Die Wahlergebnisse aus den Dörfern zeigen ein Zerrbild. Das kann zum Problem werden.

Die AfD ist ein Scheinriese. Sie hat bei der Bundestagswahl am Sonntag ein sehr gutes Ergebnis eingefahren. In Zweibrücken war sie sogar stärkste Partei. Und doch täuschen viele Ergebnisse. Sie lassen die AfD mächtiger aussehen, als sie ist.

Das hängt mit der Briefwahl zusammen. Schon früher wurden die Briefwahlstimmen nicht unbedingt in den Wahllokalen vor Ort ausgezählt. Aber früher war die Briefwahl eher die Ausnahme. Verstärkt hat sich das Problem seit der Coronapandemie. Bei der Bundestagswahl 2021 und bei der Europawahl 2024 hat sich gezeigt: In manchen Dörfern nutzt die Hälfte der Wähler Briefwahl. Am Endergebnis ändert das nichts. Jede Stimme wird gezählt, jede Stimme zählt. Am Ende weiß man genau, wie die Stadt Zweibrücken oder die Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben gewählt haben.

Wie die Oberauerbacher oder die Krähenberger gewählt haben, lässt sich dann aber nicht mehr genau darstellen. Denn dort werden ja nur noch die Stimmen gezählt, die in den Urnen liegen. Die Briefwahlzettel fehlen. In machen Dörfern also die Hälfte der Stimmen aus diesem Ort. Das wäre kein Problem, wenn sich die Ergebnisse in etwa die Waage hielten. Aber vergangene Wahlen haben gezeigt: Gerade die Wähler der AfD gehen viel lieber ins Wahllokal und nutzen seltener Briefwahl. So entsteht eine Unwucht.

Bei den Briefwählern landet die AfD nur auf Platz 3

Ein Beispiel aus der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land. Das Gesamtergebnis: CDU 29 Prozent, AfD 26 Prozent, SPD 19 Prozent. Betrachtet man aber nur die Stimmen aus den Wahllokalen, scheint die AfD stärkste Partei zu sein: Sie kommt dann auf 32 Prozent, während die CDU bei 25 liegt, die SPD bei 17. Umgekehrtes Bild bei der Briefwahl: Die CDU kommt dort auf 34 Prozent, die SPD auf 21. Die AfD landet bei den Briefwählern nur auf dem dritten Platz mit 17 Prozent.

Dass die AfD bei der Bundestagswahl sehr gut abgeschnitten hat, steht außer Frage. Aber eben nicht so gut, wie es scheint. Die blaue Wand, die sich durch die Landkarte der Südwestpfalz zieht, erweckt den Eindruck, als wäre sie in vielen Dörfern stärkste Kraft geworden. Das ist aber nur in manchen Orten so. Auch ein Dorf wie Battweiler ist auf der Landkarte blau. Dort kommt die AfD auf 26,5 Prozent, die CDU auf 23,3 Prozent und die SPD auf 21,5 Prozent. Würde man auch die Briefwahlstimmen berücksichtigen, würde der AfD-Vorsprung höchstwahrscheinlich schnell zusammenschrumpfen.

Vor Ort entsteht ein falsches Bild

Dass vor Ort ein falsches Bild entsteht, ist ein Problem. Schon bei der Europawahl sah es so aus, als habe die AfD Dorf für Dorf überrollt. So entsteht aufgrund falscher Annahmen ein Momentum, das in dieser Größe nicht der Wirklichkeit entspricht. Deshalb muss das Land dafür sorgen, dass die Briefwahlstimmen vor Ort ausgezählt werden. Alle Stimmen gehören dort ausgewiesen, wo sie herkommen und hingehören.

Außerdem wüsste man schon gerne, wie das eigene Dorf tatsächlich gewählt hat. Das hat auch die RHEINPFALZ diese Woche oft erfahren: In allen Lokalredaktionen, auch in Zweibrücken, rufen Leser an. Sie möchten wissen, warum wir keine Ergebnisse aus den Dörfern und Stadtteilen mehr veröffentlichen.

Die Leser wollen wissen, wie ihr Dorf gewählt hat

Das hat mehrere Gründe. Tatsächlich berichten wir nach wie vor über die Ergebnisse aus den Dörfern. Auf unseren Internetseiten finden die Leser ausführliche interaktive Grafiken zu jedem Dorf. Dass wir auch Leser ohne Smartphone oder Computer haben, ist uns bewusst. Leider bekommen wir die Daten vom Statistische Landesamt nicht mehr so geliefert wie früher. Der Aufwand, diese Zahlen in die gedruckte Zeitung zu bringen, wäre deutlich größer als früher. Und selbst wenn wir diese Karten und Tabellen in der gedruckten Zeitung veröffentlichen würden, stünden wir wieder vor dem oben erklärten Problem: Sie wären nicht vollends belastbar und vergleichbar, weil es eben nur die Stimmen aus den Wahllokalen wären.

Das tut mir selbst leid. Auch ich wüsste gerne genau, wie mein Heimatort gewählt hat. Bei früheren Wahlen hat es mir immer Spaß gemacht, danach die Ergebnisse im Zweibrücker Land zu analysieren. Zu schauen, wo es besonders viele Wähler der einen Partei gab und besonders wenige der anderen. Das aufzubereiten und für unsere Leser in einem Artikel und einer großen Grafik aufzubereiten. Auch das ist leider nicht mehr möglich.

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