Zweibrücken Der Kampf um den Kunden wird härter
Zwei geplante Nettomärkte in der Stadt verschärfen den Wettbewerb
Steht dem Zweibrücker Lebensmitteleinzelhandel in den nächsten Jahren ein brutaler Verdrängungswettbewerb bevor? Lidl in Niederauerbach hätte wie andere Discounter außerhalb der Innenstadt gerne die Verkaufsfläche erweitert, doch steht dem das Einzelhandelskonzept der Stadt entgegen. Stattdessen hat Lidl kürzlich seinen Niederauerbacher Markt renoviert, andere Discounter in der Stadt haben ebenfalls Modernisierungspläne und wollen ihren Laden kundengerechter umbauen. Wenn dann im kommenden Jahr die beiden Netto-Märkte in der Nähe der oberen Steinhauser Straße und direkt in der Innenstadt auf dem Gelände der ehemaligen Passage Schreiner eröffnen, muss der Umsatzkuchen neu aufgeteilt werden. Nach dem Neubau will die Gewobau im Februar 2018 den Markt in der Quebecstraße an Netto übergeben, Ende des Jahres ist die Übergabe am ZOB vorgesehen. Dieser Markt mit rund tausend Quadratmetern Verkaufsfläche könnte das Aus für den Cap-Markt in der Innenstadt bedeuten. Dieter Ernst, der die Edeka-Märkte im Hilgard-Center und in der Gewerbestraße in Niederauerbach betreibt und der – bevor der Cap-Markt übernahm – auch schon in der Hallplatz-Galerie seine Waren anbot, meint, dass ein Netto-Markt in der Innenstadt den Cap-Markt verdrängen wird. Nur einer von beiden könne überleben. „Politiker haben zwar gesagt, dass beide Märkte in der City überleben könnten, aber wo soll denn da die Kaufkraft herkommen?“, fragt Ernst. Der Cap-Markt sei der Hauptbetroffene. Die anderen Discounter in den Stadtteilen und das Hilgard-Center müssten den Netto-Markt in der Innenstadt nicht fürchten, weil die Umsatzeinbußen überschaubar blieben. Wocheneinkäufe würden beispielsweise seltener in der Innenstadt erledigt. Größere Auswirkungen auf den Umsatz für die anderen städtischen Märkte erwartet Dieter Ernst von dem Netto-Markt am Rande der ehemaligen Canada-Siedlung. Das Büro Junker+Kruse, das die Auswirkungen auf die anderen Märkte untersucht hat, hat ausgerechnet, dass der Lebensmitteldiscounter am Steinhauser Berg jährlich rund 4,3 Millionen Euro umsetzen wird. Die Kundschaft kommt vorwiegend aus dem Umkreis von etwa einem Kilometer. Wer künftig hier seine Wocheneinkäufe tätigt, fährt nicht mehr in die Märkte nach Niederauerbach oder an den Etzelweg – und sorgt folglich dort für weniger Umsätze. Edeka und Lidl in Niederauerbach sollen laut den Berechnungen von Junker+Kruse neun Prozent ihres Umsatzes verlieren, Penny acht Prozent. Aldi und Rewe am Etzelweg sollen jährlich 600 000 Euro Umsatz verlieren, das Hilgard-Center 700 000 (fünf Prozent). Hier hat Junker+Kruse nicht näher aufgeschlüsselt, wie hoch der Umsatzverlust bei Edeka-Ernst und Aldi sein wird. Dieter Ernst glaubt, dass er mit den beiden Edeka-Märkten von der Netto-Ansiedlung weniger stark betroffen sein wird als die Discounter. Aldi habe 1400 verschiedene Artikel im Angebot, Lidl 2500 und Netto 4000. Das könne sich auswirken. „Das ist auch eine andere Geschäftsidee wie bei den Vollsortimentern. Die Discounter bieten nicht den Service und die Beratung, worauf ich besonderen Wert lege“, sagt Ernst. Das wolle er auf jeden Fall beibehalten. Selbstscanner gehören auch nicht zu seiner Philosophie. „Ich will Menschen an der Kasse sitzen haben, die sich mit dem Kunden unterhalten können.“ Mit dem Wettbewerb kann Ernst leben. Wenn die Umsatzverluste durch zunehmende Konkurrenz allerdings größere Ausmaße annähmen, dann müsse er darauf reagieren. „Bevor ich Personal entlasse, würde ich das Sponsoring zurückfahren – aber nicht bei den Kleinen“, sagt Ernst. Wegen höherer Investitionen und gestiegener Personalkosten hat er nach eigenen Angaben im Hilgard-Center 2016 weniger Gewinn erwirtschaftet. Und im Markt in Niederauerbach fahre er „auf Messers Spitze“. Dort habe er im vergangenen Jahr wegen größerer Investitionen – die Beleuchtung wurde komplett auf LED umgestellt und die Kassentische sowie die Hard- und Software erneuert – sogar einen Verlust geschrieben. In Niederauerbach wie auch im Hilgard-Center hat Ernst noch einen Mietvertrag bis Ende 2022. „Dann bin ich 62. Wenn ich gesund bleibe, verlängere ich dann noch mal im Hilgard-Center.“