Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Der Hollywoodstar aus dem Etzelweg

Rin Tin Tin fliegt durch die Luft, er jagt einen Gauner.
Rin Tin Tin fliegt durch die Luft, er jagt einen Gauner.

Die Nachricht vom Tod des einstigen Kinderstars Lee Aaker, der mit 77 Jahren in Arizona gestorben ist, dürfte selbst unter eingefleischten Film-Nostalgikern auf Schulterzucken stoßen. Sein vierbeiniger Partner in einer erfolgreichen Fernsehserie ist dagegen umso bekannter: der Schäferhund „Rin Tin Tin“, der zeitweilig zu den international populärsten Hollywood-Stars zählte. Und Zweibrücker Wurzeln hatte.

„Rin Tin Tin“ war die erste US-Serie, die über deutsche Bildschirme flimmerte. Am 16. Februar 1956 gingen die Wildwest-Abenteuer eines kleinen Jungen namens Rusty auf Sendung, der bei einem Indianerüberfall seine Eltern verliert. Kavalleriesoldaten nehmen ihn und seinen treuen, klugen und sehr mutigen Schäferhund „Rin Tin Rin“ mit in ihr Fort.

Um diese Ausgangsidee rankten sich 164 Schwarzweiß-Folgen à 30 Minuten, von denen es aber nur weniges in die Bundesrepublik schaffte. Aber auch hierzulande waren „Rin Tin Tin“ und Rusty so populär, dass Jugendbücher und Comic-Hefte auf den Markt geworfen wurden.

Weil sich die Programmmacher der ARD damals zuweilen dem Druck des Publikums beugten, wurde die Serie nach Elternbeschwerden vom Abend- ins Nachmittagsprogramm verlegt. Die Orthografie wandelte sich von „Rintintin“ über ein Bindestrich-Konstrukt bis zur US-Schreibweise.

In Deutschland liefen zwar ab 1958 die Colliehündin „Lassie“ und der schwarze Hengst „Fury“ dem Schäferhund den Rang ab, aber Hollywoods Ausstoß an neuen Episoden ging bis Mitte der 60er Jahre weiter. Seinen Ruhm als erster Hunde-Star der Film- und Fernsehgeschichte konnte „Rin Tin Tin“ sowieso kein Mitglied der vielartigen und -rassigen Menagerie von Fernsehtieren je streitig machen.

Sein erstes Leinwand-Abenteuer bestand der Vierbeiner nämlich schon zur Stummfilmzeit. Im Western „The Man from Hell’s River“ hatte er 1922 einen kleinen Auftritt neben dem berühmten Wallace Beery, 1923 war er bereits der Star in „Where the North Begins“ (deutscher Titel: „Der Hund von Karibu“). Auch das deutsche Publikum war von B-Western wie „Rin Tin Tin rettet seinen Herrn“, „Der Kampf ums rote Gold“ und „Schrei aus den Lüften“ begeistert.

„In mehr als 40 Filmen“, so heißt es im „Lexikon der berühmten Tiere“, „sprang ,Rinty’ über Abgründe, kämpfte mit schurkischen Pistoleros, sauste durch Flammen und rettete, was das Zeug hielt. Er wurde zum Megastar.“ Im englischsprachigen „Oxford Companion to Film“ steht, „er verdiente 400 Dollar wöchentlich und lebte auf der Höhe seines Ruhms in einem riesigen Bungalow, gestellt von (der Produktionsfirma)Warner Bros., die weitgehend ihm in den 20er Jahren ihre Existenz verdankte“.

Zu „Rin Tin Tins“ Herkunft merken die Filmexperten aus der Universitätsstadt knapp an, er sei „in den letzten Monaten des Ersten Weltkriegs vom amerikanischen Luftwaffenoffizier Lee Duncan in einem verlassenen deutschen Schützengraben gefunden“ worden. Mag sein, dass dies für den ersten Hundedarsteller gilt. Unter heimatbewussten Hundefreunden von der Westricher Hochfläche gilt seit eh und je als ausgemacht, dass „Rin Tin Tin“ ein waschechter Zweibrücker war. So ist es im 2002 erschienenen Buch „Von Zweibrücken in die Welt“ des Stadtschreibers Dietmar Grieser nachzulesen, der es in seinem Buch über „Geliebte Geschöpfe“ noch einmal wiederholt hat − und auf der Internetseite alt-zweibrücken.de nicht ohne Stolz zitiert wird. Dort ist selbstbewusst vom „Leinwand-Star vom Zweibrücker Etzelweg“ die Rede.

Demnach war „Rin Tin Tins“ Erstbesetzung also besagter Schäferhund, den Unteroffizier Duncan noch als Welpen aus dem Schützengraben zog. Er nahm das Hündchen mit nach Amerika, päppelte es auf und brachte ihm einige Kunststücke bei, mit denen beide gemeinsam im Varieté auftraten. Dann rief Hollywood und ging mit „Rin Tin Tin“ in Serie. Der spektakulären Abenteuer wegen wurden jedoch Stunt-Hunde und vorsichtshalber potenzielle Nachfolger benötigt.

Die Filmbosse schickten also − wie für menschliche Stars − Talentsucher aus, die sich natürlich sofort ins Heimatland aller Deutschen Schäferhunde begaben. Dort stießen sie 1923 auf den Zweibrücker Rudolf Wannenmacher, seines Zeichens Zuchtwart der Ortsgruppe im Verein Deutscher Schäferhunde – und Besitzer eines zweijährigen Rüden namens „Apollo aus dem Rosarium“. Und der wurde zum neuen „Rin Tin Tin“. Oder besser gesagt: zu einem von mehreren Trägern dieses Namens.

Die Regisseure und Produzenten ließen − je nach Fähig- und Gelehrigkeit − mehrere Vierbeiner vor die Kamera führen. Als sie um 1930 von Stumm- auf Tonfilmtechnik umrüsteten, waren mindestens drei Tiere im Einsatz, nämlich „Apollo“ aus Zweibrücken und zwei Nachkommen des Urahns aus dem Schützengraben, der 1932 starb. Gemeinsam hechelten sie durch Filme wie „Rin Tin Tin bei den Goldsuchern“, „... als Lebensretter“, „... unter Verbrechern“ und „Rin Tin Tins schwerster Sieg“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangten die Filme „Rin Tin Tin greift ein“ und „... im Wilden Westen“ in deutsche Kinos. Es waren Zusammenschnitte der Fernsehserie mit Lee Aaker, der später neben Gary Cooper („Zwölf Uhr mittags“) und John Wayne („Man nennt mich Hondo“) spielte. An seinen Erfolg in „Rin Tin Tin“ konnte er als Erwachsener nicht mehr anknüpfen. Er war zeitweilig alkoholkrank, arbeitete als Skilehrer und Schreiner und starb „allein und verlassen“, wie ein Freund bekanntgab.

Kinderstar Lee Aaker und sein treuer Freund „Rin Tin Tin“ im gleichnamigen Fernsehklassiker.
Kinderstar Lee Aaker und sein treuer Freund »Rin Tin Tin« im gleichnamigen Fernsehklassiker.
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