Zweibrücken Darum arbeiten immer noch 40 Leute im Schlachthof
„Oh, ihr habt ja auf! Bei euch kann man ja noch einkaufen. Ich dachte, es wär’ zu“: Fast täglich bekommt Stefan Gerhartsreiter diesen Spruch zu hören. Sei es von Passanten, die zufällig vorbeigefahren sind, sei es von Anrufern oder früheren Stammkunden, die lange nicht mehr da waren. Gerhartsreiter ist Geschäftsstellenleiter bei der Emil Färber GmbH im Zweibrücker Schlachthof. Dort wird seit Ende August 2023 kein Vieh mehr geschlachtet. Seither haben die Verantwortlichen vor Ort alle Hände voll damit zu tun, der irrigen Meinung entgegenzutreten, dass inzwischen jeglicher Betrieb in der Schlachthofstraße 7 eingestellt worden sei.
„In ganz Deutschland sind so gut wie keine Schlachter mehr aufzutreiben“, weist Gerhartsreiter darauf hin, dass in jüngerer Zeit acht Schlachthöfe aus Personalmangel hätten zumachen müssen. „Von Mannheim über Kaiserslautern bis nach Neunkirchen und Saarlouis ist das so. Und direkt hinter der französischen Grenze, in Saargemünd, verhält es sich nicht anders.“ Sogar der westfälische Fleischriese Tönnies habe eine seiner Großschlachtereien dichtmachen müssen.
„Die Entscheidung, die eigene Schlachterei zu schließen, haben wir uns nicht leicht gemacht“, berichtet Stefan Gerhartsreiter, dass im vergangenen Herbst mehrere unverzichtbare Mitarbeiter nach ihrem Ausscheiden nicht mehr ersetzt werden konnten. „Darunter war ein Schlachter, der eigentlich schon längst im Rentenalter war“, erläutert der Geschäftsstellenleiter. „Mit 70 hat er dann endgültig aufgehört. Nachwuchs ist im Schlachterhandwerk nicht mehr zu finden.“
40 Mitarbeiter im Betrieb
„Die Leute sehen unseren Betrieb eben traditionell weniger als die Firma Färber, sondern vor allem als ,den Schlachthof’. Und da meinen sie jetzt, dass bei uns alles zugemacht hat“, schildert Stefan Gerhartsreiter das Dilemma. „Dabei kann man weiterhin täglich in unserem großen, modernisierten Verkaufsraum einkaufen“, verweist der Chef auf den Laden, in dem es nicht nur Schweine-, Rind- und Kalbfleisch, sondern auch Lamm, Wild und Geflügel sowie Feinkost, Wurst, Fisch, Meeresfrüchte, Käse, Kartoffel- und Nudelprodukte, Wein, Tiefkühlgemüse und Gewürze zu erstehen gibt. „In kleinen Mengen für Privathaushalte und in großen Verpackungen für die Gastronomie“, erklärt Gerhartsreiter. Gastwirte könnten sich hier mit allerlei Bedarf für ihre Restaurants eindecken – bis hin zu Pizzakartons.
„In unserer Zweibrücker Niederlassung der Emil Färber GmbH sind aktuell 40 Mitarbeiter beschäftigt“, sagt der Leiter und spricht von sieben Fahrzeugen, mit denen das Unternehmen seine Produkte an Metzgereien, Supermärkte und Restaurants ausliefere – in einem Radius, der sich bis Bruchsal und Kirchheimbolanden sowie ins Dahner Tal, über das Saarland und ins angrenzende Lothringen erstreckt. „Unser Fleisch beziehen wir von Großschlachtereien wie Steinmann in Steinfeld und Müller-Fleisch in Birkenfeld. Das Zerlegen übernehmen wir dann hier vor Ort, und wir fahren das Fleisch auch an unsere Kunden aus.“
Zerlegebetrieb weiterhin im Einsatz
„Wenn jetzt immer wieder zu hören ist, die Bauern wüssten nicht, wo sie heute noch ihr Vieh zerlegt kriegen, dann muss ich klarstellen, dass das bei uns nach wie vor angeboten wird. Unser Zerlegebetrieb ist weiterhin im Einsatz“, betont Gerhartsreiter. „Wer sein Schlachtvieh vorschriftsmäßig nach den Hygieneregeln in gekühlten Fahrzeugen anliefert, bekommt es hier bei uns im Schlachthof zerlegt. Das ist überhaupt kein Problem.“
