Handball
Corona bremst SV Zweibrücken auf dem Weg zur Sensation schon wieder
„Niemand, aber auch wirklich niemand, hätte uns das zugetraut“, bilanziert SV-Trainer Stefan Bullacher den bisherigen Rundenverlauf. Die für Samstag geplante Partie gegen die SG Pforzheim-Eutingen hätte – falls der SV erwartungsgemäß die Saison in der Abstiegsrunde zu Ende spielen wird – Saisonhalbzeit bedeutet. „Wir haben aber überraschend noch Chancen, die Vorrunde unter den ersten sechs Teams abzuschließen“, unterstreicht der SV-Trainer die bisherige Leistung. Sollte diese Sensation geschafft werden, könnte die Saison etwas kürzer ausfallen.
In jedem Fall werden die Zweibrücker ihr 15. Saisonspiel erst später austragen. Bei der SG Pforzheim-Eutingen gab es bis Freitagmorgen bereits drei positive Corona-Fälle. Angesichts des Infektionsgeschehens rechnen alle mit weiteren positiven Ergebnissen. „Wir haben deshalb gemeinsam entschieden, dass wir die Partie absagen und zu einem späteren Zeitpunkt nachholen“, sagt SV-Trainer Stefan Bullacher. Nach Statut des Deutschen Handballbundes hätte der SV nicht verlegen müssen, auch Pforzheim hätte gespielt. Aber es gehe um die Gesundheit, um die Sicherheit aller, „da waren wir uns einig“, sagt Bullacher zu der Entscheidung, die in Abstimmung mit Kapitän Philip Hammann und dem Vorsitzenden Jürgen Knoch, der Arzt ist, getroffen wurde.
Ein Kurzzeit-Coach und Torwart-Theater
Die Gesundheit von Spielern und Trainer war bei den Zweibrückern im bisherigen Saisonverlauf ohnehin ein Dauerthema. Die bisherige Runde spielten die Zweibrücker unter extrem schwierigen Voraussetzungen. Es begann damit, dass fast zeitgleich, am dritten Spieltag, die beiden Abwehrsäulen Tom Grieser und Benny Zellmer ausfielen. Zellmer bestritt nach seiner Schulterverletzung bis Jahresende kein Spiel mehr. Grieser kehrte, nachdem er zwischenzeitlich als Trainer fungiert hatte, früher auf das Spielfeld zurück. Die Adduktorenprobleme bekam er in den Griff. Das war wichtig, denn im Paket mit dem starken Kreisläufer Kevin Knieps – Grieser spielt Abwehr, Knieps greift an, die Wechsel klappen hervorragend – war das einer der Siegfaktoren des SV 64.
Dass Grieser zum Kurzzeit-Coach wurde, war der Tatsache geschuldet, dass Trainer Stefan Bullacher drei Wochen passen musste. Eine Corona-Infektion hatte ihn außer Gefecht gesetzt. Zu diesem Zeitpunkt fehlte bereits Rückraumspieler Christopher Huber mit Kreuzbandriss. Saisonende hieß es für ihn an Spieltag fünf. Dazu kam ein bisschen Theater im Tor. Torwart Marko Ivankovic zog sich eine schwere Gürtelrose zu und wollte in diesem Zustand zurück in die Heimat. Der SV verpflichtete Mate Volarevic als Aushilfe. Der Kroate mit italienischem Pass verbrachte weder im Training noch im Spiel viel Zeit in Zweibrücken. Das Missverständnis wurde schnell beendet. Alex Dörr hat das Vertrauen als Nummer 1.
Spiel in Saarlouis hat Langzeit-Folgen
„Wenn man all das in Betracht zieht, ist unsere Leistung umso bemerkenswerter“, bestätigt Bullacher. Daran hat der Neuzugang im linken Rückraum, Philipp Kockler, enormen Anteil. Der SV hat wieder einen begehrten Shooter. Begehrt im wahrsten Sinne des Wortes. Der treffsichere Top-Athlet hat durch seine Leistungen die Aufmerksamkeit der Konkurrenz auf sich gezogen.
An Personalsorgen gewöhnt, haut es die Zweibrücker nicht aus den Schuhen, dass es mit solchen ins neue Jahr geht. Spielmacher Tim Götz, der Ausnahmespieler, der oft den Unterschied macht, laboriert an der Schulter an den Folgen der beiden rüden Fouls aus dem Saarlouis-Spiel. Ein letzter Test am Samstag vor dem Spiel sollte zeigen, ob Götz spielen kann. Bullacher war diesbezüglich aber optimistisch. Zumindest eingeschränkt rechnete er mit ihm. Definitiv auf der Ausfallliste steht nach seiner Schulterverletzung Rückraumspieler Niklas Bayer. Auch seine Verletzung resultiert aus einem brutalen Foul in Saarlouis. Nach fünf Minuten musste der Linkshänder im SV-Dress seinen ersten Trainingsversuch abbrechen. Die Spielverlegung lässt auch Rechtsaußen Peter Gohl, der sich beim Skifahren am Ellenbogen verletzte, Zeit, um seine Verletzung auszukurieren.
Enttäuschung, Ärger, aber auch eine kleine Gala
Die Partie gegen Pforzheim-Eutingen wäre für die Zweibrücker die Chance gewesen, um sich zu rehabilitieren. „Die Partie bei Pforzheim-Eutingen war für mich die größte Enttäuschung im bisherigen Saisonverlauf. Dort haben wir überhaupt nichts von dem gezeigt, was wir können, haben spielerisch komplett enttäuscht“, bilanziert Bullacher. Die ärgerlichste Niederlage sei die bei Heilbronn-Horkheim gewesen. „Wir waren die klar bessere Mannschaft und sind am gegnerischen Torwart gescheitert“, resümiert er.
Besonders stolz ist er auf die Auswärtssiege in Haßloch und Oftersheim-Schwetzingen. „Zu Hause liefern wir, das weiß ich. In Haßloch und in Schwetzingen haben wir gezeigt, dass wir das taktisch und kämpferisch auch in fremden Hallen bewältigen können“, sagt der SV-Trainer. Zu Hause lieferten die Zweibrücker zum Beispiel das Top-Spiel gegen den Tabellenzweiten Leutershausen. 35:28 gewann der SV nach einer kleinen Gala. Zwei Wochen später wurde die TGS Pforzheim mit 31:28 bezwungen. Zwei Spiele, vier Punkte lautetet die makellose Bilanz von Klaus-Peter Weinert. Der Trainer des Saarlandliga-Teams des SV hatte den erkrankten Bullacher als Coach in beiden Partien vertreten.
Was angesichts dieser Leistungen, der besonderen Momente sehr zu bedauern sei, sei, „dass wir Pandemie-bedingt nicht wie früher mit unseren überragenden Fans die Handballfeste feiern können“, sagt Bullacher.
Die Zwischenbilanz
Der SV 64 Zweibrücken nach 14 von 22 Staffelspielen in der Dritten Liga, Staffel F (12 Teams)
Tabellenplatz: sieben
Punkte: 12:16 (sechs Siege, acht Niederlagen)
Höchster Sieg: 35:28 gegen Leutershausen
Höchste Niederlage: 18:31 in Pforzheim-Eutingen
Tore: 392:412
Beste Torschützen: Kevin Knieps (84/32), Tim Götz (75/7), Philipp Kockler (73).