Zweibrücken Brennpunkt-Wohnblocks im Wolfsloch haben jetzt ein Café
In den Räumen in der Webenheimstraße 5, die zuletzt eine Spiel- und Lernstube beherbergten, gibt es seit Freitag das „Café Zwo“. In Zweibrücken gelten der Wohnblock und seine Nachbargebäude seit Jahren als Brennpunkt-Adressen. Die Stadt unterhält hier Schlichtwohnungen, in denen sie meist junge Männer aus schwierigen sozialen Verhältnissen unterbringt. Indem es ganz bewusst in diesem Umfeld ihr „Café Zwo“ ansiedelt, will das Diakonische Werk der Pfalz dabei mithelfen, dass das Quartier und seine Bewohner ihr schlechtes Image zumindest teilweise abschütteln können.
Denn als gastronomische Einrichtung begreift sich das Café nicht in erster Linie. „Wir wollen hier einen Quartierstreff etablieren, als Anlaufstelle für Bewohner der beiden Häuser, aber auch für die Leute aus der näheren Umgebung“, erklärt Markus Carbon, Regionalleiter des Diakonischen Werks. „Die Initiative ist an das Modellprojekt ,Housing First’ angekoppelt, das Obdachlosen dabei helfen soll, wieder eine feste Unterkunft zu finden.“ Daher sei das „Café Zwo“ viel mehr als ein Ort, an dem man sich bei Kaffee und Kuchen trifft. „Wir leisten hier Beratung, helfen bei Behördengängen und beim Ausfüllen von Formularen.“ Carbon spricht von einer „Anlaufstelle ohne Hürden“, in die man viel leichter den Fuß setze als in die mitunter einschüchternd wirkenden Büros von Rathaus oder Jobcenter. Die Spiel- und Lernstube, die hier früher angesiedelt war, ist in die Canadasiedlung umgezogen: In den Blocks in der Webenheimstraße quartiert die Stadt keine Familien mit Kindern mehr ein.
Später sollen die Öffnungszeiten erweitert werden
„Das Angebot im ,Café Zwo’ ist gerade auch für Wohnungslose gedacht“, sagt Eva Hein, Sozialarbeiterin der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewobau, der die Hochhäuser in der Webenheimstraße gehören. Zusammen mit Michael Jessl und Martina Dahl-Lauer von der Diakonie sowie dem städtischen Sozialarbeiter Gregor Grzesiak bildet sie das sogenannte Kernteam, das hier vor Ort für die Belange von „Housing First“ zuständig ist. Das Café selbst hält sich in den ersten Wochen mit den Öffnungszeiten noch zurück: Zunächst darf hier nur dienstags von 14 bis 17 Uhr jeder, der möchte, zu Kaffee und Kuchen hierher kommen. Wer Gesprächsbedarf hat, trifft Ansprechpartner von Diakonie, Sozialamt und Gewobau, die helfen, wo der Schuh drückt. Später sollen die öffentlichen Café-Zeiten erweitert werden. Die „Anlaufstelle ohne Hürden“ bietet ambulante Dienste wie Schwangeren-, Flüchtlings- und Suchtberatung an sowie Sozial- und Lebensberatung für Fragen wie Sozialleistungen, Bürger- und Wohngeld. Weiterhelfen lassen kann man sich hier auch bei der Fachstelle Glücksspielsucht und nicht zuletzt in der Kleiderkammer, die ebenfalls in der Webenheimstraße 5 eingerichtet wurde.
„Ich bin richtig begeistert“, sagte Dominik Schön, der in der Webenheimstraße 2 wohnt, am Eröffnungstag bei Kuchen und Cola. „Diese Einrichtung ist vorbildlich. Die Diakonie betreut mich top und hat mich hier heute eingeladen. So etwas sollte es viel öfter geben.“
Die Leute aus der Wohnungslosigkeit holen
Im Mittelpunkt sollen also die Sozial- und Quartiersarbeit stehen. „Die Stadt und die Gewobau stellen uns die Räume zur Verfügung; über das Landesprojekt ,Housing First’ versuchen wir, den Betroffenen eine Bleibe zu vermitteln“, sagt Diakonie-Leiter Markus Carbon. „Da haben wir in Zweibrücken den großen Vorteil, dass die Gewobau mit Wohnungen helfen kann. Hier funktioniert es mit der Netzwerk-Arbeit richtig gut. Unsere Kollegen in anderen Städten müssen einen Großteil ihrer Zeit allein schon mit der Suche nach Unterkünften zubringen.“ Das Housing-Modell, das zunächst auf drei Jahre angelegt ist, soll die Betroffenen aus der Wohnungslosigkeit holen und psychisch stabilisieren. „Dann werden sie weniger straffällig, gliedern sich wieder in die Gesellschaft ein und verursachen weniger Unterstützungskosten für die Allgemeinheit“, erklärt Carbon.
Im „Café Zwo“ sollen Veranstaltungen über die Bühne gehen, zu denen auch die Anwohner aus der Nachbarschaft eingeladen werden. „Zum Beispiel wollen wir gezielt Eltern aus der näheren Umgebung ansprechen, um ihnen unser breites Info-Angebot vorzustellen“, sagt der Diakonie-Leiter. Aber werden sich die Nachbarn überhaupt in den Wohnblock Webenheimstraße 5 hineintrauen? „Das ist der Punkt, an den wir hinkommen wollen“, gibt Markus Carbon das Ziel aus.