Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Bezirkssynode: Diese Kirchen verschwinden von der Bildfläche

Die protestantische Kirche Großsteinhausen.
Die protestantische Kirche Großsteinhausen.

Im protestantischen Kirchenbezirk Zweibrücken werden drei weitere Kirchen stillgelegt. Die Bezirkssynode hat den Plänen bei ihrer Tagung am Samstag zugestimmt.

Die Kirchen in Großsteinhausen, Maßweiler und Bliesdalheim sind beim Gebäudepriorisierungsprozess in der roten Kategorie gelandet. Der Kirchenbezirk hat die kirchlichen Gebäude nach einem Ampelsystem in drei Kategorien bewertet.

Rot bedeutet: Das Gebäude ist nicht mehr förderungswürdig und wird stillgelegt. Es gibt keine landeskirchlichen Fördergelder mehr, es müssen vonseiten der Kirchengemeinden keine Rücklagen mehr gebildet werden, aber die Verkehrssicherungspflicht besteht noch. Das erklärte Silke Gundacker, Dekanin des Kirchenbezirks Zweibrücken, am Samstag den 69 anwesenden von insgesamt 96 Synodalen bei der Tagung der Bezirkssynode in der Versöhnungskirche in Zweibrücken. Orange heißt, dass das Gebäude so lange erhalten bleibt, wie kirchliche Mittel zur Verfügung stehen. Grün ist die Kategorie, in der ein Gebäude erhaltungswürdig ist; mit landeskirchlichen Zuschüssen sei folglich zu rechnen.

Stadt: Nur Alexanderskirche und Bonhoefferhaus sind grün

Auf Stadtebene haben nur die Alexanderskirche und das Bonhoefferhaus die grüne Kategorie erreicht. Die Kirchen in Ernstweiler, Ixheim, Mittelbach und Wattweiler sowie die Versöhnungskirche in der Röntgenstraße sind mit Orange in die Bewertung eingegangen. In die rote Kategorie gehört außerdem die Karlskirche in der Stadtmitte. Das geht aus den Unterlagen hervor, die das Dekanat zur Verfügung gestellt hat.

Die Kirchen in Niederauerbach und in Rimschweiler finden sich ebenfalls in der orangenen Kategorie. Sie gehören auf kommunaler Ebene zwar zu Zweibrücken, kirchlich aber zur Kooperationszone Zweibrücken-Umland und nicht zur Kooperationszone Zweibrücken-Stadt. Die dritte Kooperationszone des Kirchenbezirks Zweibrücken ist die Zone Biosphäre (Bliesgau).

Auch Gemeindehäuser, Pfarrhäuser und Kindergärten auf dem Prüfstein

Die Kirchenbezirke sollen sich laut Gundacker von 30 Prozent ihrer Gebäudelast trennen, zu prekär ist die Finanzlage. Der Priorisierungsprozess habe über die vergangenen fünf Jahre stattgefunden. Dass sich die Kirchengemeinden selbst daran zu wenig beteiligten und die geforderten Rückmeldungen zu einem Großteil vermissen ließen, kritisierte Gundacker. Sie habe mit den Gemeinden und den Presbyterien im Austausch gestanden und viele Gespräche geführt. Nun liege das Ergebnis der Projektgruppe des Gebäudeprozesses mit dem Titel „Räume von morgen“ vor, berichtete Gundacker.

Auf den Prüfstein kamen auch Gemeindehäuser, Pfarrhäuser und Kindergärten, wobei letztere zwar in der Liste genannt werden, laut Gundacker aber in eine gesonderte Aufstellung gehören. Ein Großteil der Kitas wird in der roten Kategorie geführt. Sie sollen, so die Überlegungen der Kirche, in kommunale Hände gehen. Von folgenden Einrichtungen will sich der Kirchenbezirk Zweibrücken laut Liste unter anderem trennen: Gemeindehaus „Friedenshaus“ in Ixheim, Pfarrhaus in Ernstweiler sowie Gemeindehaus Lützelhaus und Gemeindehaus in der Homburgerstraße in Ernstweiler, Pfarrhaus in der Röntgenstraße, Gemeindehaus in Battweiler, Pfarrhaus und Gemeindehaus in Winterbach sowie von etlichen Gemeindehäusern und Pfarrhäusern auf saarländischem Gebiet.

Bedenken von betroffenen Geistlichen

Man habe sich mit dem Thema nicht leichtgetan, versicherte Gundacker. Ihr sei bewusst, „mit wie viel Herzblut sich viele der Presbyter und Presbyterinnen und der Ehrenamtlichen um die kirchlichen Gebäude gekümmert haben. Deshalb haben wir viel Zeit und Mühe in diesen Prozess gesteckt“. Letztendlich stimmten die Synodalen mehrheitlich für den Umsetzungsplan „Räume für morgen“ für den Kirchenbezirk Zweibrücken, der nun an den Landeskirchenrat geht.

In der anschließenden Diskussion meldeten Betroffene Bedenken an. Pfarrer Matthias Strickler aus Niederauerbach hinterfragte die Einstufung seines Niederauerbacher Gemeindehauses in der orangenen Kategorie. Man habe „viel in das Gebäude investiert“. Außerdem werde es auch von Vereinen und Organisationen des Ortsteils genutzt: „Es gibt ja sonst nichts.“ Auch vor der Veräußerung von Kirchen warnte Strickler: „Die Kirche muss im Ort bleiben!“

30 Prozent weniger Mitglieder, 30 Prozent wenig Steuereinnahmen

Dass sich nicht nur die Kirchengemeinde, sondern der ganze Ort beteiligen muss, damit die Kirche bleibt, merkte Ralf Henschke an, Presbyter in Ixheim: „Wir sind in der Pflicht, die Kommunen zu fragen, was es ihnen wert ist, dass die Kirche im Dorf bleibt.“ Henschke machte auch auf den rasanten Mitgliederrückgang aufmerksam. In zehn Jahren habe die Kirche 30 Prozent weniger Mitglieder und damit auch 30 Prozent wenig Steuereinnahmen. Betriebswirtschaftlich betrachtet könne es sich kein Unternehmen leisten, ein Gebäude für anderthalb Stunden die Woche zu öffnen.

Uwe Beck, Pfarrer in Contwig-Stambach, bekannte sich dazu, schon einmal eine Kirche verkauft zu haben. Manchmal ergebe das Sinn, manchmal nicht. In den 70er-Jahren sei in jedem neuen Stadtviertel eine Kirche gebaut worden, oft räumlich kaum voneinander entfernt. Deshalb sei es wichtiger, „in die Region zu gucken und solidarisch zu sein, anstatt nur für die eigene Kirche zu kämpfen“.

Auf die „dramatische Gemeindeschrumpfung“ verwies Pfarrer Wolfgang Kafitz von der Kirchengemeinde Walsheim. So wie sich die Babyboomer-Pfarrer langsam in den Ruhestand verabschiedeten, gingen auch die Boomer, die das Gemeindeleben aufrechterhielten. Skeptisch äußerte sich Kafitz zur Übernahme der Kitas durch die Kommunen. Auch die hätten kein Geld: „Unsere Probleme werden im Leben der politischen Gemeinde widergespiegelt.“

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