Zweibrücken Beim Straßentheater-Spektakel kann man ein Kamel streicheln

Ein mutiger Herr schließt Freundschaft mit Kamelita.
Ein mutiger Herr schließt Freundschaft mit Kamelita.

Wenn beim Straßentheaterspektakel am Wochenende ein 2,20 Meter hohes Kamel durch die Stadt zieht, ist das schon etwas Besonderes.

Um es gleich zu sagen, das Kamel ist nicht echt. Zwei Männer stecken drin, denn das Kamel ist ein Walkact des Ensembles Ricoart das es seit 30 Jahren. Als Egmont Körner in Ägypten ein Kamel ritt, bekam er Lust, ein eigenes zu bauen. Körner ist einer der Spieler des Münchner Ensembles Ricoart, das das Ehepaar Sabine und Enrico Pollato vor 30 Jahren gründeten. „Er wollte ein schönes Tier bauen“, sagt Sabine Pollato, „das Kamel ist flauschig, man kann es streicheln, so eine Figur sieht man bei Walk-Acts nicht oft.“

Bis Kamelita vor neun Jahren zum ersten Mal die Städte unsicher machen konnte, dauerte es: Zwei Jahre Arbeit stecken in der Figur, die aus Steiff-Stoff besteht. Die Schneiderin von Ricoart, Claudia Machado, hat mit dem Stoff das Fell genäht und die Schuhe – eine Spezialanfertigung. Ziel war, dass das Kamel möglichst echt wirken soll: das Fell, die Gangart, die ganze Erscheinung. Nur ein Manko gibt es: Das Kamel ist nicht so groß wie seine lebendigen Artgenossen.

Eine Herausforderung für Körner, Machado und Pollato waren das Gestell, die innere Motorik und Technik und die Augen. Sabine Pollato spielt die Kamelführerin und tritt in Zweibrücken als Forscherin auf. Zwei Mitarbeiter sind im Innern des Kamels und sorgen dafür, dass es sich fortbewegt. Weil es darin sehr heiß wird, „behelfen sie sich mit Ventilatoren“. Rund 50 Kilo müssen sie bewegen. Kamelito ist drei Meter breit und 2,20 Meter hoch. Deshalb dauert eine Aufführung nur 20 Minuten, vier gibt es pro Tag. Denn: „Nach 20 Minuten fängt es an, wehzutun.“

 Sabine Pollato führt ihr Kamel durch die Welt.
Sabine Pollato führt ihr Kamel durch die Welt.

Als Sabine Pollato Kamelita zum ersten Mal ausführte, war sie begeistert, „weil sich das für mich so echt angefühlt hat. Es war für mich ein Tier, das ich erstmal erforschen musste.“ In Ägypten hat sie schon Kamele gesehen, in Bayern auch geritten.

Bevor die Pollatos ihr Ensemble gründeten spielten sie Theater. Dass sie in diesen Bereich gehen wollte, wusste Sabine Pollato schon als Kind. Lebende Statue hat sie in der Schulzeit für ihre Freunde gespielt – und Theater. Sie und ihr Mann haben zudem eine Pantomine-Ausbildung. Dass sie mit den Walkacts mobil sind und viele Städte bespielen, war ihr Wunsch. „Am Theater ist man fix.“ Das Schönste an den Auftritten ist für Sabina Pollato, wenn sie den Leuten ein Lächeln schenken kann. „Selbst wenn die mürrisch gucken – ich mach’ so lange, bis sie irgendwann anfangen, zu lachen.“

Ein Moment ist ihr in Erinnerung geblieben: Als sie mit dem Kamel in einer Stadthalle auftrat, wurde sie von einer Tierschützerin kritisiert, die es unmöglich fand, mit einem Kamel in einer Halle aufzutreten. „Das war eigentlich ein großes Kompliment, weil es so echt aussieht.“

Kinder mögen das Kamel natürlich besonders gern.
Kinder mögen das Kamel natürlich besonders gern.

Fast jedes Wochenende sind die Pollatos unterwegs. Grimaud bei Saint-Tropez war der bisher am weitesten entfernte Ort, wo sie mit einem Walkact aufgetreten sind. Ihre Kunst „ist aus einer Leidenschaft heraus gewachsen“, schwärmt sie. „Ich kann mir gar nix anderes mehr vorstellen. Aber es gibt auch Momente, wo man denkt: Ich kann nicht mehr. Wenn zu wenig Pausen dazwischen sind.“

Es gebe immer weniger junge Künstler, die nachkommen, fällt ihr auf – und das Publikum für Walkacts ist da. Zehn Mitarbeiter arbeiten bei den Pollatos. Alle haben eine Ausbildung im (Straßen-)Theaterbereich. Denn man muss nicht nur auf Stelzen gehen, sondern auch gut spielen können und mit den Zuschauern kommunizieren. „Es ist nicht so, dass man einfach nur ein Kostüm anzieht. Man muss wirklich in die Rolle rein.“

Info

Straßentheater-Spektakel Zweibrücken, Innenstadt, 8. und 9. Mai.

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