Zweibrücken Barrierefreiheit: Was sich eine Rollstuhlfahrerin von einem Rolli-Stammtisch erhofft

Uta Brocke sitzt seit zwei Jahren im Rollstuhl und sieht sich in der Stadt oft mit Problemen konfrontiert.
Uta Brocke sitzt seit zwei Jahren im Rollstuhl und sieht sich in der Stadt oft mit Problemen konfrontiert.

Uta Brocke sitzt seit zwei Jahren im Rollstuhl und bemerkt, wie einsam das macht. Einen Versuch, andere zu erreichen, startet sie bald. Allerdings sieht sie sich auch weiteren Problemen gegenüber.

Am Montag, 27. Mai, findet um 18 Uhr im Valentins Biergarten in Zweibrücken der erste Rolli-Stammtisch statt. Bei Regen wird das Treffen auf Freitag, 31. Mai, verschoben, Ort und Uhrzeit bleiben gleich. Der Stammtisch soll stattfinden, um sich mit anderen in Verbindung zu setzen, Erfahrungen auszutauschen und sich kennenzulernen. Denn: „Man ist als Rollstuhlfahrer immer alleine unterwegs, immer Einzelkämpfer. Und ich will keine Einzelkämpferin mehr sein“, erklärt Uta Brocke bestimmt. Sie organisiert das Treffen gemeinsam mit „Zweibrücken vernetzt“.

„Als ich die Flyer ausgehängt habe, fanden das viele cool, aber wie viele kommen, das weiß ich nicht. Wer will, kommt, und ansonsten trinke ich mein Bier auch alleine“, erzählt sie und lacht. In Zukunft soll der Stammtisch einmal im Monat stattfinden. „Ich selbst fände es schön, mit anderen Rollis ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen auszutauschen oder sich einfach nur kennenzulernen“, berichtet sie. Denn momentan sieht sie Rollstuhlfahrer entweder alleine oder mit einer laufenden Begleitperson. Solche dürfen zum Treffen mitgebracht werden, auch ihr Mann komme mit. „Der kümmert sich um die Getränke, das ist für mich schwierig – wegen der Treppe vor der Theke“, erzählt sie. In anderen Restaurants sei es noch schwieriger, sich mit einer Gruppe Rollstuhlfahrern zu treffen, weshalb sie auf gutes Wetter wartete, um ihre Idee im Biergarten umzusetzen.

„Wir werden gegen Blinde ausgespielt“

Auch in der Innenstadt sei es schwierig, sich alleine fortzubewegen: „Ich kann eigentlich auf einer ganzen Seite in keinen Laden, weil da überall Stufen sind.“ Das hat Uta Brocke bereits in einer öffentlichen Fragerunde mit dem Stadtrat angesprochen. Oberbürgermeister Marold Wosnitza habe ihr gesagt, dass sie zwar Recht habe, man daran allerdings nichts ändern könne. „Oft ist die Begründung, dass Blinde über fest installierte Rampen stolpern könnten. Aber dann haben die Läden große Auslagen. Wir werden da gegen die Blinden ausgespielt.“ Selbst wenn Läden mobile Rampen haben, vereinfache das den Einkauf wenig: „Wie soll ich mich bemerkbar machen, wenn die Tür zu ist und ich niemanden sehe? Und dann mache ich so viel Arbeit, dass ich mich dazu gedrängt fühle, etwas zu kaufen“, erinnert sich Brocke an ein kürzliches Erlebnis. Sie denkt dabei auch an ältere Menschen mit Rollatoren, denen es ebenfalls schwerfallen könnte, solche Stufen zu überwinden.

Den Stadtratsmitgliedern hat sie den Vorschlag unterbreitet, sich selbst eine Weile im Rollstuhl durch die Stadt zu bewegen, um die Lage besser nachvollziehen zu können. Zumindest ihre Mitmenschen seien sehr hilfsbereit und freundlich. „Die Stadt muss umdenken, aber mit den Menschen bin ich sehr zufrieden, die sind sehr nett“, betont Brocke.

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