Homburg
Ausstellung in der Galerie Beck: Liebe als Sujet
Positiv stimmt Gitta Wagner auf das Thema Liebe ein mit ihrem Bild „Aufbruch“, einer farbenfrohen Collage mit Acryl auf Leinwand. Duftig und leicht wirkt dieses Bild, wie ein bunter Blütenstrauß, der sich mit unwiderstehlicher Dynamik öffnet, fragil und kraftvoll zugleich. Doch bei näherem Hinsehen heben sich aus der bunten Farbtupferwelt Figuren ab, schemenhaft umrissen und transparent. Ein Paar wird rechts sichtbar, ihm strebt eine andere Gestalt entgegen. Auch im Vordergrund treten aus den Farbkelchen Köpfe hervor, immer mehr als helle Schatten angedeutete Gestalten werden erahnbar, ein Universum an spontanen, dynamischen Begegnungen öffnet sich in spielerisch-kraftvoller Leichtigkeit.
Eine Gefühlslandschaft ist auch „Nur wir zwei“. Inmitten einer tiefroten und lilafarbenen Bubble-Welt tritt ein eng umschlungenes, verliebtes Paar hervor, ganz in seine Emotionen eingesponnen und in ihnen schwebend, ein erträumter Idealzustand. Und das, was sich in den zwischenmenschlichen Beziehungen abspielt, verläuft immer wieder anders, was Gitta Wagner mit ihrem Bild „Ohne Plan“ zum Ausdruck bringt. Auch hier treten aus einer scheinbar willkürlichen bunten Farbwelt bei genauerem Hinsehen Köpfe und Gestalten hervor, in unterschiedlichsten Posen und Haltungen, inneres Erleben entfaltet sich in freien Bildräumen.
Malerei als Lebenselixier
Die 1957 geborene Künstlerin lebt in Rodalben und stellte bereits in Pirmasens, Trier und Bad Dürkheim aus. „Eine künstlerische Ausbildung habe ich nicht, bin aber auch keine Autodidaktin“, sagt Wagner über ihren Werdegang. „Ich habe etliche Malkurse bei der Künstlerin Veronika Olma in Meisenheim sowie in Enkenbach-Alsenborn besucht und dabei so richtig Feuer gefangen. Mittlerweile ist die Malerei mein Lebenselixier.“
Experimentelle Fotokunst zeigt Volker Schütz. Der vielseitige Künstler wurde 1968 in Neunkirchen geboren, lebt in Saarbrücken und studierte Informatik, Linguistik und Kunstgeschichte. Als Künstler beschäftigt er sich seit den 1990er Jahren mit der Lomografie und experimentiert mit selbstgebauten Kameras, Spielzeug- oder Lochkameras sowie selbstgebauten Objektiven. Lomografie baut bewusst auf technisch nicht perfekten, oft unscharfen Schnappschüssen auf, die künstlerisch weiter verfremdet werden. Volker Lösch verwendet dazu oft eine Schiebeblendenkamera aus den frühen 80er Jahren.
Transparente Schleier
Seine Bilder wirken oft extrem verfremdet. Eine Arbeit aus seiner Serie „Schneeweißchen und Rosenrot“ lässt sogar an ein Skelett in einem rot eingefärbten Röntgenbild denken. Knochenstrukturen zeichnen sich unscharf ab, nicht zu einem Röntgenbild passen allerdings die wie in einem alten Filmnegativ angedeuteten Haare.
In einer anderen Arbeit aus dieser Serie steht eine zauberhafte junge Frau in transparenten Schleiern im Mittelpunkt, die Aufnahme wirkt, als ob sie sie in einer Bewegung festhalten würde, vielleicht bei einem Tanz. Das Aktmodell scheint sich über der Betrachtung zu verflüchtigen, lässt aber gleichzeitig auch spontan an eine Computergrafik denken.
Plastiken zum Thema Liebe
„Kunst lebt von Gegensätzen und Vielschichtigkeit. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. Leben und Kunst sind paradox. Frei nach dem Motto: ,Stirb und werde!’“, sagt die 1969 in München geborene Künstlerin Michaela Kuhl, die zwischen ihrer Heimatstadt, dem Allgäu und Tremosine am Gardasee pendelt. In Reihen von kleinen Miniaturen dokumentiert sie Prozesse der Veränderung.
Eugen Waßmann aus Bexbach, Mitglied im Zweibrücker Kunstverein, stellt sowohl Bilder als auch Plastiken zum Thema Liebe aus. Sein Bild „Der Kuss“ ist eine Aktdarstellung in hellen, warmen Farbwelten, auch seine Plastiken in transparentem Wassergrün setzen sich mit dem Thema Beziehungen auseinander.
In der Ausstellung ist auch eine kleine Retrospektive mit Werken des Saarbrücker Fotografen Joachim Lischke (1923-2014) zu sehen.
Info
„Liebesdinge: Liebe als Sujet – Darstellung und Ideal“, Werke von Michaela Kuhl (München), Joachim Lischke (Saarbrücken), Volker Schütz (Saarbrücken), Gitta Wagner (Rodalben) und Eugen Waßmann (Bexbach), bis 22. Mai, Homburg, Galerie Beck, Am Schwedenhof 4, Dienstag bis Donnerstag 11-18 Uhr, Freitag 11-14 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 06848 701190.