Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Aus dem Zweibrücker „Löwen“ wird ein „Roter Teufel“

Tim Götz (links), Spielmacher des SV 64 Zweibrücken, wechselt nach der Saison zur SG Leutershausen.
Tim Götz (links), Spielmacher des SV 64 Zweibrücken, wechselt nach der Saison zur SG Leutershausen.

Tim Götz, Mittelmann des SV 64 Zweibrücken, wird ein „Roter Teufel“. Zuvor hat sich der Spielmacher mit den „Löwen“ den Drittliga-Verbleib als Ziel gesetzt. Am Samstag gastiert Götz’ Ex-Team Friesenheim/Hochdorf in der Westpfalzhalle.

Noch zwei Klausuren. „Wenn alles gut geht, wovon ich mal ausgehe, sind es die letzten Klausuren in meinem Studium“, sagt Tim Götz. Der 24-Jährige studiert Bauingenieurwesen an der Technischen Universität in Kaiserslautern. Er ist im Master-Studium. Danach steht noch die Masterarbeit an.

Die Zeit der Prüfungsklausuren endet also für den Regisseur des Handball-Drittligisten SV 64 Zweibrücken. Auf dem Spielfeld bricht für Götz und seine Teamkollegen jetzt die Zeit der entscheidenden Prüfungen an. Am Samstag gastiert die HSG Friesenheim/Hochdorf II in Zweibrücken (Anwurf: 18 Uhr, Westpfalzhalle). Ein direkter Konkurrent im Abstiegskampf und Götz’ Mannschaft, bevor dieser im Sommer 2020 zum SV wechselte. „In Zweibrücken habe ich noch nie gegen sie gespielt“, stellt Götz fest. Im Oktober 2020 stand die Partie an. Corona verhinderte sie. Der folgende Lockdown ermöglichte es Götz erst im Frühjahr 2021, wieder mit dem SV aufs Spielfeld zurückzukehren. Und wie. Die Zweibrücker sorgten für eine kleine Sensation, als sie sich für den DHB-Pokal qualifizierten. Dank des Unterschiedsspielers Tim Götz, dem Wunschspieler von Trainer Stefan Bullacher.

91 Tore in 16 Partien

Götz hatte schon früh seinen Vertrag mit dem SV 64 verlängert, wollte eine richtige Saison in Zweibrücken spielen, mit Partien vor dem begeisterungsfähigen Publikum. „Handball macht unendlich mehr Spaß, wenn die Fans da sind“, betont der Mann, der seine Mitspieler perfekt in Szene setzen kann, selbst torgefährlich ist. 91 Tore in 16 Partien stehen zu Buche, davon zehn vom Siebenmeterpunkt. Er ist der zweitbeste Zweibrücker Torschütze nach Kreisläufer Kevin Knieps, der enorm von den guten Zuspielen des 1,83 Meter großen Regisseurs profitiert. Knieps ist drittbester, Götz viertbester Torschütze in der Staffel. „Das interessiert mich ehrlich gesagt nicht. Da schaue ich auch nie nach. Gesagt bekomme ich es manchmal“, sagt Götz zur persönlichen Trefferbilanz, die ein schöner Nebeneffekt sei. „Entscheidend ist, dass die Mannschaft gewinnt.“

Götz, dessen Handball-verrückte Familie aus Wernersberg stammt – dort spielte er bis zu seinem Wechsel in die Friesenheimer A-Jugend - freut sich auf das Wiedersehen mit ehemaligen Teamkollegen. Gastgeschenke sollten sie keine erwarten, zumal der SV 64 das Hinspiel 25:29 verlor.

Einige Anfragen

Natürlich bringen Götz’ sehr gute Leistungen, seine spielerischen Fähigkeiten und seine Tore ihn als Wunschspieler auf die Zettel vieler Vereine und Trainer. „Es gab schon ein paar Anfragen“, bestätigt er. Dass er seinen Vertrag in Zweibrücken nicht verlängern wird, obwohl er sich hier „sehr wohl“ fühle, teilte er dem Verein frühzeitig mit. Entscheidend ist der Faktor Entfernung – vor allem die Zeit, die er im Auto verbringt. 120 Kilometer sind es von Schifferstadt nach Zweibrücken. Viel Präsenz an der Uni in Kaiserslautern, was die Fahrtstrecke unterteilt hätte, gab es bedingt durch Corona kaum. Drei bis vier Mal wöchentlich diese Strecke im Auto absolvieren – „das ist mir auf Dauer zu viel“, erklärt Götz. Dabei gehe es nicht ums Autofahren an sich: „Das macht mir nichts aus. Aber ich verliere einfach eine Menge Zeit auf der Straße.“

„Auch sportlich gereizt“

Er entschied sich für das Angebot der SG Leutershausen. Auch ein Verein mit handballverrückten Fans, mit Erst- und Zweitligavergangenheit und mittelfristig mit dem Ziel Liga zwei. „Das hat mich auch sportlich gereizt“, sagt Götz. Sollte Leutershausen bereits nach dieser Saison aufsteigen, „wäre das mit dem Studium vereinbar“. Er plant aber erst mal mit Liga drei bei den „Roten Teufeln von der Bergstraße“.

„Wir brauchen die Fans“

In Liga drei wollen die Zweibrücker bleiben. „Wir werden alles tun, um nicht abzusteigen“, verspricht Götz, der im Dezember in Saarlouis binnen einer Minute zweimal hart gefoult wurde und sich an der Schulter verletzte. Diese sei „jetzt wieder ganz okay“. Der Spielmacher ist wieder fit und in Sachen Corona deuten die Zeichen darauf hin, dass Götz sich zumindest in den letzten Monaten im Zweibrücker ´Trikot auf deutlich mehr Zuschauer bei Spielen des SV 64 freuen kann. „Wir brauchen die Fans“, weiß Götz. Im Abstiegskampf könnten sie neben dem Unterschiedsspieler mit der Trikotnummer 24 zum Unterschiedsfaktor werden.

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