Bitsch
Aus dem Ladenlokal wird eine städtische Kunstgalerie
Gerade mal 40 Quadratmeter groß ist die Galerie in der einstigen Bitscher Einkaufsmeile, wo es früher ein Kaufhaus, Boutiquen und Feinkosthändler gab. Das Kaufhaus hat längst geschlossen, die Boutiquen versuchen in der Nachbarstraße zu überleben. Es gibt noch einen Metzger, das medizinische Labor und immerhin noch einen Bäcker. Vieles steht leer. Ein Ladenlokal an der Ecke beherbergt beinahe im jährlichen Wechsel andere Geschäftsideen.
2021 hat die Stadt Bitsch mit der Galerie den Versuch unternommen, die Innenstadt mit Kultur zu beleben. Cathy Schwartz, Mitglied des Bitscher Stadtrates und selbst Künstlerin, kümmert sich um das Projekt, führt öfter mal Aufsicht, betreut die Künstler und sorgt für die Finanzierung im Stadtrat. Die Miete für das kleine Ladenlokal muss schließlich bezahlt werden. Ansonsten falle nicht viel an, versichert Schwartz. Eine kostspielige Vernissage gebe es nicht, außer die Künstler bringen was mit. Die Künstler müssen auch gelegentlich Aufsicht führen.
Sechs Ausstellungen im Jahr
Sechs Ausstellungen veranstaltet die Stadt Bitsch in dem kleinen Raum pro Jahr. Das Programm sei bis 2026 prall gefüllt, erzählt Cathy Schwartz. Die Nachfrage unter den Künstlern nach einer Ausstellungsmöglichkeit direkt in der Stadtmitte scheint groß zu sein und nicht aus Bitsch selbst. Die Künstler kämen aus Straßburg, den Niederlanden und natürlich dem Bitscher Land. Aus Pirmasens habe auch bereits ein Künstler ausgestellt. Und aus Ecuador sei einmal ein Künstler angereist. Schwartz ist wichtig, dass der Raum nie leer ist. Abends ist immer beleuchtet, was inmitten der dunklen und öfter auch leeren Geschäfte wie ein Hoffnungsfunke wirkt. „Es darf nie leer sein. Der Ab- und Aufbau von Ausstellungen muss immer am selben Tag sein“, betont sie.
Die Künstler für die Galerie hätten sonst oft keine Gelegenheit öffentlich auszustellen. Kunstschaffende Laien und Künstler von höherer Qualität mischt Cathy Schwartz in dem Programm. „Am Anfang hat man mir gesagt, das klappt nie“, erzählt sie und freut sich, dass es doch funktioniert. Mehrere tausend Besucher habe die Galerie schon anlocken können. „Das hat auch eine soziale Funktion hier in der Stadt“, berichtet sie aus ihrer Erfahrung heraus. Oft kämen Menschen in die Galerie, die sonst keine großen sozialen Kontakte mehr hätten oder komplett verloren seien, wie eine Obdachlose, die Schwartz an die passende Stelle in der Stadtverwaltung vermitteln konnte.
Experimentelle Bilder
Bei der Auswahl ihrer Künstler achte sie darauf, dass nicht nur gefällige oder dekorative Werke gezeigt werden. „Das können auch Künstler sein, mit denen einige Besucher ein Problem haben. Aber das muss sein“, erzählt sie lachend. Die Besucher würden auf jeden Fall immer wieder rausgehen und sich selbst Fragen stellen, was schließlich auch die Funktion von Kunst sei, findet Schwartz, die selbst Künstlerin ist. Ihre eigene Kunst beschreibt sie als minimalistisch-geometrische Bilder mit maximaler Wirkung.
Aktuell sind Werke von Brigitte Faber aus Bitsch zu sehen. Die Lothringerin experimentiert viel. Der Besucher könnte den Eindruck gewinnen, in einer Gruppenausstellung zu sein. Es ist aber alles von Faber allein, die offenbar noch auf der Suche ist und hier zum ersten Mal ausstellt. Was Cathy Schwartz sehr gut findet. Wer künstlerisch arbeite, brauche immer die Rückmeldung der Betrachter.
Kunst ist von Lokalpolitik abhängig
Schwartz betreut die Galerie seit Anbeginn und würde es gerne noch lange weitermachen. Die Zukunft der Galerie hänge jedoch an der Kommunalwahl im kommenden Jahr. Wenn sich dann die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat ändern und sie vielleicht auch ihren Sitz verliert, könnte ein neuer Stadtrat flugs die Tür in der Rue du Maréchal Foch in Bitsch schließen, wie es in Frankreich überall üblich ist. Projekte werden abgebrochen, neue begonnen.
Info
Galerie Bitche & Art, Bitsch, Rue du Maréchal Foch 9. geöffnet Mittwoch bis Freitag 14-18 Uhr, Samstag 14-17 Uhr. Kontakt: mairie@ville-bitche.fr