Zweibrücken Auf einen Onlineshop reingefallen: Jeden Tag steht ein Dummer auf
Jeden Tag steht ein Dummer auf. Oder eine Dumme. Sagt man doch so. In dem Fall war ich die Dumme. Seit Wochen bekam ich Werbung für Klamotten in meinem Instagram-Profil angezeigt. Der Algorithmus ist ja einfach nur konsequent: Klicke ich einmal auf die Hose – also auf das Foto einer Frau mit einer Hose – werde ich zugeschmissen mit Hosenwerbung. In dem Fall habe ich ein paar Mal auf Frauenfotos in allen möglichen Klamotten geklickt.
Der Algorithmus ist ein kleines Scheißerchen. Er ist penetrant. Ekelhaft unnachgiebig. „Hier hast Du Fotos von Frauen in Hosen zum Abwinken! Nimm das!“, schreit er.
Bis zu 80 Prozent Rabatt – nur noch heute
Dann ist da der Onlineshop, auf dessen Hauptseite ein distinguiertes Paar in der zweiten Lebenshälfte die Besucher grüßt. Das Lager werde geräumt, weswegen man fast 80 Prozent Rabatt bekommt. Es ist geradezu unglaublich: Ein Kleid ist reduziert von 200 Euro auf 59,95 Euro. Ein „Elegantes Maxikleid“ gibt es statt für 234 für nur 69,95 Euro. Und so geht es weiter. Im „Über uns“ wird eine herzzerreißende Geschichte über eine Mutter und ihre Tochter erzählt, die den Shop gemeinsam führen – aber mit den steigenden Kosten zu kämpfen haben und deswegen entschieden haben, einen neuen Weg einzuschlagen.
„Der Sale endet heute!“, heißt es. Der endet aber schon seit drei Monaten heute. Wie viele Jahre der schon heute endet, kann ich nicht wissen, weil ich die Seite ja vorher noch nie aufgerufen hatte. Klickt man etwas an, sagt einem die Seite in roter Schrift, es seien von diesem Artikel nur noch sechs auf Lager. Seit Wochen sind von allem immer nur noch sechs auf Lager.
Die professionelle Aufmachung führt in die Irre
Eigentlich bestelle ich nie was, ich will lieber den Handel vor Ort unterstützen. Aber hey: einmal ne Ausnahme. Dies ist ein Familienbetrieb, denke ich mir. Und da sind die professionellen, ansprechenden Fotos. So schöne Sachen. Bei keinem einzigen Stück steht dabei, woraus es gefertigt ist. Wie viel Prozent Baumwolle? Viskose? Polyester? Das wundert mich schon ein bisschen. Aber nochmal hey: Jetzt sei halt nicht so misstrauisch. Die Seite ist professionell gemacht.
Vier Sachen hatte ich mir ausgesucht. Für 120 Euro. Nach drei Wochen kommt das Päckchen. Es ist sehr klein. Ich packe aus, stutze – und mache das, was ich von Anfang an hätte machen sollen: googeln. Die Netzgemeinde weiß nichts Gutes über den Shop zu berichten. Klamotten aus tausend Prozent Polyester. Man kann die Sachen anziehen. Also sie haben Ärmel, Hosenbeine und ein Loch für den Kopf. Ich muss lachen: Was ich im Spiegel sehe, ist weit weg von dem Versprechen der Fotos. Ein totaler Reinfall. 120 Euro für die Tonne. Denn das mit dem Zurückschicken kann man auch vergessen, lerne ich im Netz.
Jeden Tag steht eine Dumme auf. Und wenn es jeden Tag nur 20 Dumme sind, freuen sich die Betreiber solcher Shops.