DER SEPP VOM HALLPLATZ
Als Zweibrücken noch zwei Krankenhäuser hatte
„Kenne ihr eich noch an de Bruder Beckmann erinnere? Odder an die Schweschdere mit ihre Haube? Eijo, dess wisse ihr jo alles nimmi!“ Eigentlich war es ein aktuelles Ereignis, zu dem man nach Speyer ins Diakonissen-Zentrum gefahren war: Dort wurde eine Großplastik von Professor Thomas Duttenhoefer aufgestellt.
Den Künstler hatte man kennengelernt, weil er den Zweibrücker Bildhauer Maximilian Hutlett so toll gewürdigt hatte. Nun sah man erfreut, nach langer Zeit wieder, inzwischen alt gewordene Diakonissen-Schwestern. Sofort erinnerte man sich an das ehemalige Evangelische Krankenhaus am Himmelsberg, „ans alde un ans neie!“
„Enns unne un enns owwe“
An der Kaiserstraße leisteten Mallersdorfer Ordensschwestern jahrzehntelang gute Dienste, damals „es Krankehaus unne“. Andere Patienten gingen „owwe“ hin, um gesund zu werden. Und lernten so die Diakonissen aus Speyer, aber auch Bruder Beckmann kennen, der in der Männerabteilung umsichtig wirkte.
„Sechs Mann ware ma uff de Schdubb, sechs Weschschissele uffem Schdänner, dess war de Hygienebereich!“, wurde nach dem Aufenthalt „geutzt“. Die Erinnerung an das Entfernen der Polypen durch den allen bekannten Arzt Schöndorf wurde etwas ungläubig gehört: „So e Diakonisse-Schweschder hat mich uff de Schoß genomm!“ Setzte ihm die Äther-Maske auf und sagte zu dem Siebenjährigen: „Duu mol scheen zähle, des kannsche doch!“ Alles klappte auch bestens, und hinterher ging man bei Lehrerin Ruth Buchert vorbei, um den Buben krank zu melden für den Unterricht. Einen Apfel zum Gesundwerden gab es „vum Frollein“ auch noch!
„Wann ich nur ned eninn muss!“
Man bekam nach und nach durch Aufenthalte von Freunden und Angehörigen etwas mit und wusste, dass „owwe“ ein Buhre der Chef war und „unne“ ein Dr. Kessler. Meistens, wenn man von den Krankenhäusern sprach, fehlte nicht der Zusatz: „Wann ich nur ned eninn muss!“ Was leider nicht ausblieb, und weshalb man so auch „de Dokder Fink“ kennen- und schätzen lernte.
An beiden Kliniken wurde ständig gebaut, und man kann sich heute kaum vorstellen, wie klein die ersten Häuser beim katholischen und beim evangelischen Krankenhaus waren. Aber es ging, und beide hatten einen guten Ruf, was Ärzte und Pflegepersonal betraf. Es war schon ein großer Fortschritt, als es am Himmelsberg einen neuen Betten-Trakt und kleinere Patienten-Zimmern gab, was auch Patienten-Besuche für alle angenehmer machte. Natürlich erinnert sich noch jeder an die recht strengen Besuchszeiten und an die „Portiers“ Günther Obst und Paul Tscherner, die für deren Einhaltung sorgten.
Ein weithin erkennbares Wahrzeichen
So freute man sich auch in der ganzen Stadt und war nicht wenig stolz, als das neue Evangelische Krankenhaus „uff de anner Seid“ gebaut wurde. Ein weithin erkennbares Wahrzeichen, und der einheimische Architekt Horst Grub bekam viel Anerkennung für seine Arbeit. Ärzte und Pflege-Personal hatten so für lange Jahre beste Möglichkeiten „für ihre Kunden“.
Man kannte auch Krankenhaus-Chef Karl-Heinz Weinberg und schätzte ihn wie alle, die im Evangelischen tätig waren. Deshalb glaubte es anfangs auch keiner so recht, als es hieß, das Haus werde „dicht“ gemacht. „Dess kammer doch ned mache“, hieß es immer wieder und bedauerte dabei nicht nur den Verlust an wichtigen Arbeitsplätzen. Inzwischen ist mit dem Gebäude in kurzer Zeit viel geschehen, und nicht alles leuchtet ein, was dabei passiert ist. Immer wird auch gehofft, dass das schöne und zweckmäßige Gebäude segensreich genutzt werden kann – „wie domols bei de Schbeyerer Diakonisse, gell?“ Der Wunsch bleibt dabei nicht aus. Niemals.