Zweibrücken
Als Jack White vor den TSC-Kickern in der Schloss-Bar sang
Für ein Jahr – in der Saison 1964/65 – hatte sich der TSC Zweibrücken einen waschechten Star-Einkauf geleistet: Als Abstiegskandidat in der Regionalliga Südwest sicherte sich der Verein vom Wattweiler Berg die Dienste des Außenstürmers Horst Nußbaum. Als noch keiner ahnte, dass der schlaksige Torjäger Jahre später unter dem Pseudonym Jack White Erfolge als Pop- und Schlagerproduzent feiern würde, eiste der TSC den damals 23-Jährigen beim FK Pirmasens los. Was durchaus ein Coup war – immerhin galt „die Klub“ aus der Schuhstadt in jenen Zeiten als ziemlich große Nummer.
Eine solche war auch Horst Nußbaum, wie sich der 75-jährige Gerhard Neumann erinnert. „Allein schon wegen seiner Körpergröße ist er aufgefallen“, erzählt der langjährige TSC-Stammzuschauer, der heute in Neuwied lebt. „Und gut ausgesehen hat er auch. Der Nußbaum stand überall im Mittelpunkt. Er hat viel gelacht, und auch neben dem Platz ging der lange Kerl stets offen auf die Leute zu. Er war sehr sympathisch.“
Mit großem Auto vorgefahren
„Ich war 16 und ging sonntags regelmäßig auf den Sportplatz“, erzählt Neumann. „Das war die Zeit, als Leute wie Kurt Werle, der Mittelläufer Wedekind, die Gebrüder Beetz und Torwart Seidel für den TSC aufgelaufen sind. Der Horst Nußbaum ist regelmäßig mit einem großen Auto direkt vorm Eingang zum TSC-Gelände vorgefahren. Ich glaub’, das war sogar ein Cabrio.“ Geld habe der Kicker also bereits gehabt: „Bei Pirmasens hatte er sicherlich ein paar Mark verdient.“ Auch in Zweibrücken, meint Neumann, habe der Spieler „ein bisschen mehr als nur Benzingeld gekriegt. Auch wenn der TSC nicht viel zahlen konnte.“
Bei der Viktoria unter Trainer Hennes Weisweiler
„Der Horst Nußbaum? Der war ja 1964 als ziemlicher Star aus Pirmasens gekommen“, sagt Norbert Kuhn. Er selbst war damals frisch aus der TSC-Jugend in die Erste Mannschaft aufgerückt, in der er fortan gemeinsam mit dem fünf Jahre Älteren in der Regionalliga kickte. „Der Nußbaum war eine rheinische Frohnatur, ein echter Kölscher Jung“, weiß Kuhn, dass Jack White zuvor bei Viktoria Köln ausgebildet worden war – von Trainer Hennes Weisweiler, der später bei Borussia Mönchengladbach zur Legende wurde. Maßgeblich hätten Nußbaums Fußballkünste dazu beigetragen, dass der TSC Zweibrücken den Klassenerhalt in der Regionalliga schaffte.
Der heute 80-jährige Norbert Kuhn spielte beim TSC als Außenläufer im Mittelfeld. Horst Nußbaum hat er als „sehr kollegialen Mannschaftskameraden“ in Erinnerung, „der uns junge Spieler ermutigt und unterstützt hat“. Einmal habe der angehende Musiker seine TSC-Mitspieler zu einem Auftritt in der Zweibrücker Schloss-Bar eingeladen: Dort, wo später das Scala-Kino ansässig war, „hat er uns einen Abend lang eine ausgiebige Kostprobe seiner Gesangsfähigkeiten gegeben“. Damals sei Nußbaum noch als Autoverkäufer bei der Firma Feyock in Pirmasens angestellt gewesen. „Bei ihm hat der Werle Kurt sein erstes Auto gekauft.“
Als Sänger bei Peter Frankenfeld
Stolz ist Kuhn auf eine Anekdote, die sich Jahrzehnte später abspielte. „Der Dr. Rohlinger, mein damaliger Chef bei TLT, hatte mal geschäftlich in Berlin zu tun. Dort hat er den Jack White getroffen und ihn gefragt, ob er sich noch an seinen Mitspieler Norbert Kuhn beim TSC Zweibrücken erinnern kann. Da hat er mit Ja geantwortet; er habe mich in schöner, netter Erinnerung.“
„Nach dem einen Jahr beim TSC ist er in die Niederlande zu PSV Eindhoven gewechselt“, weiß Norbert Kuhn noch. „Etwa um diese Zeit sah ich ihn als Sänger in einer Show bei Peter Frankenfeld im Fernsehen. Mit dem Mikrofon in der Hand war er aber längst nicht so erfolgreich wie später als Musikproduzent.“
Den späteren Starproduzenten knapp verpasst
Beinahe hätte auch Harald Didie mit Horst Nußbaum zusammengespielt. „Genau zu der Zeit, als der zum TSC kam, wären mein Kamerad Wilfried Gottschlich und ich aus der Jugend in die Erste Mannschaft hochgekommen. Aber ausgerechnet damals mussten wir beide für 18 Monate von Zweibrücken weg – zur Bundeswehr.“ Didie hat den prominenten Neuzugang seinerzeit also knapp verpasst. Gleichwohl verfolgte er den Werdegang des späteren Produzenten von Hits wie „Self Control“, „Looking for Freedom“, „Schöne Maid“ und natürlich „Fußball ist unser Leben“ in all den Jahren mit großem Interesse mit.