Saarbrücken Alphaville in der Saarlandhalle: Die 80er Jahre leben

Marian Gold lebt auf der Bühne das Erbe der einst weltweit erfolgreichen Band Alphaville.
Marian Gold lebt auf der Bühne das Erbe der einst weltweit erfolgreichen Band Alphaville.

Als das Trio Alphaville seine größten Erfolge feierte, spielte es kein Konzert. Das, was Marian Gold mit der aktuellen Besetzung in Saarbrücken bot, waren die 80er Jahre.

1981 formieren Marian Gold, Sänger, und Bernhard Lloyd, Keyboarder, in Münster ein Künstlerkollektiv namens Nelson Community. Als Frank Mertens sich 1983 für zwei Jahre hinzugesellt, tritt das Trio erstmals als Forever Young im Forum Enger in Enger auf. Und lässt sich danach bis 1993 auf keiner Konzertbühne der Welt mehr blicken. Erst eine Einladung der deutschen Botschaft nach Beirut bricht die Front der Konzertverweigerer. Da war Mertens schon längst durch Carsten Brocker ersetzt.

Zurück ins Jahr 1983. Aus Forever Young wird Alphaville; nach einem Film von Jean-Luc Godard. Die Musiker veröffentlichen ihre erste Single „Big In Japan“ und dürfen damit in „Wetten, dass …?“ auftreten. Was darauf folgt ist ein kurzes, aber intensives und bis heute nachwirkendes Stück weltweiter Musikgeschichte.

1200 Fans in der Saarlandhalle

Keyboards prägen damals einen bedeutenden Teil der Musikwelt. Und damit auch Synthiebands. Es gibt eine sehr kurze Zeit, in der sich Alphaville mit diesen messen kann. Und man hört der Band bis heute an, unter welchem musikalischen Einfluss sie in ihrer Ursprungszeit stand. „Romeos“ aus dem Jahr 1989 hat den schleppenden Groove diverser Depeche Mode Singles. „The Mysteries of Love“ weckt live gespielt Erinnerungen an Duran Duran. Die 1200 Fans in der Saarlandhalle freut beides. Ihre bedeutenden Hits hat die Band aber vor allem für das erste Album ihrer Geschichte geschrieben; „Forever Young“. Reicht das? Nach mehr als 40 Jahren? Für ein ganzes Konzert über 105 Minuten Dauer? Durchaus.

Los geht es mit „Golden Feeling“ aus der im Jahr 2019 veröffentlichten Deluxe-Edition von „Forever Young“. Beim dritten Song des Abends, „Dance With Me“, steht das Publikum in der Saarlandhalle von seinen Sitzplätzen auf. Mindestens. Denn sehr viele tanzen auch. Das Lied stammt aus dem zweiten Studioalbum, „Afternoons in Utopia“, 1986. Scheinbar jeder, der sich eine Karte für diesen Dienstagabend gekauft hat, kennt es. Und es wird langsam spürbar, dieses Gefühl der Musik der 80er Jahre. Transferiert in Arrangements mit Gitarre, Bass und Schlagzeug. Das tut den Liedern gut. Wie Depeche Mode ist das moderne Alphaville keine Synthesizerband mehr. Dazu kommt der glasklare Klang in der Saarlandhalle. Die Männer am Mischpult leisten hervorragende Arbeit.

Er singt, hüpft und springt

In einem Interview mit dieser Zeitung bezeichnete Marian Gold das Altern als Unverschämtheit. Sein Körper verlasse ihn langsam, seine Stimme sei nicht mehr so toll. In der Tat ist da wenig übrig von dem jungen, so mystisch und mysteriös wirkenden Marian Gold von einst. Körperlich nähert der sich heute eher dem Fernsehdetektiv Cannon an. Was er dafür auf der Bühne leistet, ist mitreißend. Gold singt, hüpft und springt, als würde ihn sein junger Geist von damals antreiben. So viel Jugendlichkeit in einem fast 71-Jährigen? Wow.

Auch von Ausfällen in der Stimme ist wenig zu hören. Klar, so hoch wie früher kommt Gold nicht mehr. Aber er ist meilenweit entfernt von teilweise erbarmungswürdigen Vorstellungen manch anderer gleichaltriger Vertreter seiner Kunst. Gold ist immer noch „Big in Japan“, womit das erste große Singlepulver schon im vierten Lied verschossen ist. Erst gegen Ende erklingt mit „Sounds Like a Melody“ endlich der nächste Hit. Zuvor spielen Gold und seine Band vor allem Songs, die Alphaville-Insider kennen. Von denen gibt es offensichtlich reichlich viele im Saarland.

Moderne Maxisingle für die Bühne

„Sounds Like a Melody“ ist an diesem Abend ein moderner Reißer, in den David Goodes mit der Gitarre Rock einbringen darf und der sich in Trance entfaltet. Sozusagen eine moderne Maxisingle für die Bühne. Danach kommt das Lied, das heute leider genauso bedeutend wie damals zu seiner Veröffentlichung ist; „Forever Young.“ „Let’s dance in style, let’s dance for a while. Heaven can wait, we’re only watching the skies. Hoping for the best, but expecting the worst, are You gonna drop the bomb or not?“, lauten die ersten Zeilen des Alphaville-Megaerfolgs.

„Werden sie die Atombombe abwerfen oder nicht“, das ist eine Frage, der man sich in einer von Kriegsrhetorik geprägten modernen Welt durchaus stellen muss. Danach gibt es noch eine Zugabe, es ist aber Zeit zu gehen. „Forever Young“ ist der Schlusspunkt eines Abends, der keinen Nachsatz mehr benötigt. Und das Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz in diesem Jahr.

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