Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel 6,4 Tonnen Kronkorken für kranke Kinder gesammelt

Stefan Gerhartsreiter (links) und Urban Roth beim Ausleeren ihrer Kronkorkensammlung in ein Fass im Färber Frischemarkt.
Stefan Gerhartsreiter (links) und Urban Roth beim Ausleeren ihrer Kronkorkensammlung in ein Fass im Färber Frischemarkt.

Für die meisten Menschen sind Kronkorken nichts weiter als Abfall. Für Stefan Gerhartsreiter sind sie dagegen kleine Metallstücke mit großer Wirkung.

Stefan Gerhartsreiter, der Geschäftsstellenleiter des Färber Frischezentrums in Zweibrücken, engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich für ein weit verzweigtes Kronkorken- und Spendennetzwerk, dessen Fäden alljährlich beim Kronkorkenfest im rheinland-pfälzischen Bad Breisig zusammenlaufen. Ins Leben gerufen wurde die Aktion vom dortigen Karnevalsklübchen Kraus, das die gesammelten Kronkorken an Wertstoffhöfe oder Schrotthändler verkauft. Der Erlös daraus kommt dem Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche in Bonn zugute.

Viele, viele bunte Kronkorken!
Viele, viele bunte Kronkorken!

Das Färber Frischezentrum in der Schlachthofstraße ist eine von mehreren regionalen Sammelstellen. „Viele Menschen halten Kronkorken für wertlos und werfen sie achtlos weg“, sagt Gerhartsreiter. Tatsächlich bestehen die unscheinbaren Verschlüsse aus Weißblech und sind damit ein gefragter Wertstoff. „Wer sie sammelt, tut nicht nur etwas für die Umwelt, sondern unterstützt gleichzeitig einen guten Zweck.“ Das Kronkorkenfest gilt inzwischen als eine Art Mekka der rheinland-pfälzischen Kronkorkensammler. Im vergangenen Jahr kamen dort fast 97 Tonnen Kronkorken zusammen. Allein deren Verwertung brachte rund 12.500 Euro für den guten Zweck ein. Durch zusätzliche Firmen- und Privatspenden sowie den Verkauf von Speisen und Getränken erhöhte sich die Spendensumme schließlich auf rund 34.000 Euro.

Selbst Vater eines schwerbehinderten Kindes

Warum sich Gerhartsreiter mit so viel Herzblut für die Aktion einsetzt, erklärt er ohne lange zu überlegen: „Das sind dort meine Freunde. Und weil ich selbst ein schwerbehindertes Kind habe, liegt mir der karitative Gedanke besonders am Herzen.“ Von Anfang an ist er auch hinter den Kochtöpfen tätig. Seit der ersten Auflage des Festes vor zehn Jahren sorgt er gemeinsam mit seiner und einer befreundeten Familie für pfälzische Spezialitäten. „Beim letzten Fest haben wir rund 650 Portionen verkauft“, berichtet er. Zutaten spenden die Metzgereien Groh aus Münchweiler, König aus Donsieders, Frech aus Essingen und Velten aus Saarbrücken – allesamt Kunden des Färber Frischezentrums.

Stefan Gerhartsreiter (links) und Urban Roth im EInsatz.
Stefan Gerhartsreiter (links) und Urban Roth im EInsatz.

Zu den wichtigsten Lieferanten der Kronkorken gehören inzwischen zahlreiche gastronomische Betriebe. Viele von ihnen kaufen beim Färber Frischezentrum ein und geben die gesammelten Kronkorken den Fahrern bei deren Touren mit. Auch im Verkaufsraum des Frischezentrums steht eine Sammelbox, die besonders von Privatpersonen rege genutzt wird. „In diesem Jahr haben wir das 120-Liter-Fass bereits viermal geleert“, erzählt Gerhartsreiter stolz. Allein in Zweibrücken sind im vergangenen Jahr rund 6,4 Tonnen Kronkorken zusammengekommen. Besonders an Rastbänken findet man viele Kronkorken, die weggeworfen werden. Man unterschätzt leicht, was da innerhalb eines Jahres zusammenkommt. Gleichzeitig wird auch jede Menge Abfall vermieden.

Bis zu 16 Kilogramm pro Monat

Von der Sammelleidenschaft anstecken lassen haben sich inzwischen auch die Zweibrücker Urban Roth und sein Kumpel Charlie. Die beiden heben mittlerweile jeden Kronkorken auf, den sie unterwegs finden. „Bei einem Spaziergang habe ich neulich 140 Kronkorken gefunden und eingesammelt“, erzählt Roth. Früher habe er solche Dinge kaum wahrgenommen. Charlies Ausbeute liege zwischen acht und 16 Kilogramm pro Monat. Das entspricht dem Verschluss von etwa 4000 bis 8000 Flaschen. Nun will Roth auch die Gaststätten der Region für die Aktion gewinnen. In regelmäßigen Abständen möchte der 72-Jährige bei den Betrieben die Kronkorken abholen. Einen ersten Erfolg kann er bereits vorweisen: Die Pizzeria La Bandiera beteiligt sich inzwischen an der Sammelaktion. Roths Ziel ist es, möglichst viele Menschen für die Idee zu begeistern.

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