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Freitag, 10. August 2018 Drucken

Zweibrücken: Kultur Regional

Verleger am Strand gefunden

Christian Siry vom Reinighof veröffentlicht sein zweites Buch über die Reise zu den letzten freilebenden Bären Europas – Mit der Blockflöte durch die wilden Wälder

Von Klaus Kadel-Magin

Lebenskünstler, Gärtner und Buchautor aus der Westpfalz: Christian Siry.

Lebenskünstler, Gärtner und Buchautor aus der Westpfalz: Christian Siry. ( Foto: KKa )

„Holy Bearshit“ ist das schon zweite Buchprojekt von Christian Siry.

„Holy Bearshit“ ist das schon zweite Buchprojekt von Christian Siry. ( Foto: kka)

Der auf dem Reinighof in Bruchweiler-Bärenbach lebende Christian Siry lässt sich gerne von Zufällen leiten. 2012 suchte er auf einer Reise durch halb Europa freilebende Bären. Im Frühjahr traf er auf Sizilien ein Paar, das einen Verlag gründen wollte. Eines der ersten Bücher des Wenn-nicht-jetzt-Verlags ist nun „Holy Bearshit“ von Christian Siry.

Geschrieben hat es Siry auf dem Reinighof. Er lebt dort und arbeitet als Gärtner, wenn er nicht auf Reisen ist oder in einer Fußgängerzone als Straßenmusiker seine Kasse aufbessert. Die langen Winterabende sind dem Schreiben vorbehalten. In zwei Wintern wurde das Buch geschrieben und verfeinert. „Das Schreiben geht mir leicht von der Hand“, erzählt der 1978 in Worms geborene Lebenskünstler. „Holy Bearshit“ sei sein zweites Buch. Das erste handelte von einer Wanderung auf dem Jakobsweg. „Das war vor der Jakobswegwelle“, betont Siry.

Sein zweites Buch habe er im Eigenverlag in einer Auflage von 100 Stück drucken lassen. Eins der Bücher hatte er im Frühjahr im Urlaub auf Sizilien im Gepäck. Dort lernte er am Strand ein Paar kennen, das in der Verlagsbranche tätig war. Wie der Zufall so spielt, wollten sich die zwei mit einem eigenen Verlag selbstständig machen, Sirys Werk sprach sie an und jetzt liegt die „Heilige Bärenscheiße“ als erstes Buch des Wenn-nicht-jetzt-Verlags vor. Es handelt von Sirys Suche nach den letzten Bären Europas, die er mit seinem Freund Mo und seinen Hunden Wolfgang und Dana in einem Wohnmobil unternahm. Das Mobil, „Bearhunter“ getauft, tuckerte zunächst nach Bayern auf den Spuren des längst erschossenen Problembären Bruno, dann nach Österreich, wo es vor nicht allzu langer Zeit 30 Bären gegeben haben soll und schließlich über Slowenien nach Kroatien.

Warum will ein Gärtner einem Bären begegnen? „Der Bär steht für mich für das Ursprüngliche und Wilde aber auch für was Inneres“, erklärt Christian Siry. Ein stärkerer Hauch Naturesoterik kommt auf, wenn Siry in wilden Wäldern rasten und immer wieder von Bärenbegegnungen auf der Matratze im Bus träumt. Angst hatte er auch, aber sich immer wieder beruhigt, dass es sehr unwahrscheinlich sei, von einem Bären gefressen zu werden.

Geschrieben ist das Buch sehr unterhaltsam. Es liest sich vergnüglich, macht Laune, selbst auf die Reise zu gehen, hat aber auch sprachlich viel zu bieten. Wenn Siry am Anfang schwärmt vom „jungbläulichen Himmel, in dem ungezählte Schäfchenwolken nimmermüde blöken“. Er reist durch die „Milchwerbungs-Kulisse“ in Bayern, meistert eine gefährliche Autopanne, stößt im tiefen Wald nachts auf Knochen neben seiner Schlafstätte, während es drumherum ständig raschelt. Leichtfüßig flaniert der Bärensucher durch Südeuropa mit der Blockflöte im Wald. Ob er es schafft, einen Bären im Wald zu treffen, soll an dieser Stelle offen bleiben, Der Buchtitel muss noch erklärt werden: Echte Bärenkacke konnten die Helden des Buches finden, die in einem Glas wie eine Reliquie mitgeführt wurde und eines romantischen Abends als Rauchzusatz diente. Was auch beinahe funktioniert hätte.

Lesezeichen

—Christian Siry: „Holy Bearshit“. Wenn-nicht-jetzt-Verlag, Bornheim 2018, Taschenbuch, 219 Seiten,12.95 Euro, E-Book 6,99 Euro. Internet: holy-bearshit.de

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