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Samstag, 19. Januar 2019 Drucken

Zweibrücken: Kultur Regional

Und am Ende heulen alle

Schrill, bunt, laut: Die Theatergruppe der Universität des Saarlandes führt am Saarländischen Staatstheater ein sehr direktes Stück über Liebe und Eifersucht auf

Von Florian Kölsch

Anzug und nackte Beine: Szene aus „Hell Hath No Fury“.

Anzug und nackte Beine: Szene aus „Hell Hath No Fury“. ( Foto: Andrea Kerner)

„Wir sind jetzt verliebt. Das geht so!“ kündigt Darstellerin Renée Touschong dem Publikum an. Prompt ertönt Céline Dions Klassiker „My Heart Will Go on“. Untermalt durch eine auf der Leinwand gezeigte, romantische Szene aus dem Film „Avatar“. Die acht weiteren Darsteller gesellen sich auf die Bühne und stimmen gemeinsam zu einer Karaoke-Einheit ein. Sie singen inbrünstig und auch mal mit einem schiefen Ton. Aber was macht das schon. Das sind eben echte Emotionen.

Dass sich ein Theaterstück des großen Gefühlskinos aus gleich zweier James-Cameron-Filme bedient, reiht sich treffend in den schrillen, bunten, und lauten Charakter von „Hell Hath No Fury“ ein. Das Stück hatte am Donnerstag Premiere im Saarländischen Staatstheater. Es war ein Abend der bewusst gesetzten Übertreibungen, die viel aussagen über die Liebe im Jahr 2019.

Die angekündigte Liebe zwischen Darstellerin Renée Touschong und dem Publikum kam noch vor Beginn des eigentlichen Stückes zustande: während sich die neun Darsteller auf der Bühne – musikalisch untermalt von klaren Club-Beats und bestrahlt durch grelles Licht – eine Art Schaulaufen lieferten, wurden die Zuschauer aufgefordert, eine der neun Personen auf der Bühne mittels anonymem Bilder-Voting auf einem Tablet als gewünschten Partner auszuwählen.

Die Inszenierung von Jakob Jokisch profitierte von der ungezwungenen Atmosphäre. Das Bühnenbild erinnerte an das Setting in einer WG-Küche: Essen und Trinken stehen stets griffbereit auf den Tischen, mal lief der Wasserkocher, mal aß ein Darsteller eine Banane. Vor allem aber erinnerten die angeregten Debatten über Liebe an Gespräche in studentische WG-Küchen, was naheliegend ist, denn: die neun Darsteller im Alten von 20 bis 27 sind selbst allesamt Studenten aus verschiedensten Fachbereichen, von Mathematik bis Anglistik, die aber gemeinsam in der Theatergruppe der Universität des Saarlandes, Thunis, spielen. Gelegentlich holten die Darsteller – zwecks inhaltlicher Unterfütterung der Thematiken – auch mal zu akademisch-angehauchten Vorträgen aus, beispielsweise über den Text „Liebe als Passion“ des Soziologen Niklas Luhmann.

Dramatischer Aufhänger des Theaterstücks ist jedoch eindeutig das Thema Eifersucht, die sich bei den Darstellern untereinander und – natürlich – zwischen Publikum und der gewählten Partnerin ausdrückt. Auch im Titel des Stückes, „Hell Hath No Fury“ klingt das Thema schon deutlich an. Die Zeile stammt vom englischen Dramatiker William Congreve und lautet in Gänze „Hell Hath No Fury / Like a Woman Scorn’d“, was man sinngemäß mit „Die Hölle selbst kann nicht wüten, wie eine verschmähte Frau“ übersetzen kann.

Nach und nach entfesselt sich auf der Bühne eine Abhandlung über die Liebe in Zeiten der heutigen Zeit: Es wird miteinander gefeiert, gelacht und getanzt, besonders viel geküsst und letztendlich dann auch gestritten. Im Theaterstück regiert die Ungezwungenheit – auch hinsichtlich dessen, was man zueinander sagt. „Hell Hath No Fury“ schafft es, interessante Denkstöße darüber zu setzen, was Beziehungen heutzutage sind und vor allem sein wollen. In der letzten Szene stehen die neun Darsteller und Darstellerinnen dann trotzdem in einer Reihe da und setzen zu einem tränenreichen Schlusspunkt an – untermalt von Adeles „Someone Like You“.

„Hell Hath No Fury“ ist ein Stück der Extreme, das extrem unterhaltend ist und das Publikum sehr direkt mitreißt. Das relevante und vor allem sehr zeitgemäße Thema wurde von Jakob Jokisch farbenfroh und sehr direkt inszeniert. „Hell Hath No Fury“ ist ein Stück, das Liebesthemen ohne Tabu anspricht und die gesellschaftlichen Beziehungskonventionen reflektiert.

Weitere Vorstellungen

—Mittwoch, 23. Januar

Theatersaal, Universität Saarbrücken

Freitag, 25. Januar, 20 Uhr, und

Freitag, 1. Februar, 20 Uhr,

Saarländisches Staatstheater

Saarbrücken, Sparte 4

Eisenbahnstraße 22

 

—Karten: elf Euro, ermäßigt sechs Euro, für Sparte 4: Vorverkauf: Schillerstraße 2, Telefon 0681/32204, staatstheater.saarland.

Für die Vorstellung an der Uni: Mail an

tickets@thunis-uni.de.

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