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Dienstag, 20. November 2018 Drucken

Zweibrücken

SPD in Zweibrücken: Alte Hasen und junge Hüpfer

Von Georg Altherr

Macht weiter:B. Düker, 76

Macht weiter:B. Düker, 76 (Foto: SPD/frei)

Er auch: W. Ohler, 75

Er auch: W. Ohler, 75 (Foto: SPD/frei)

Der Jüngste: St. Moulin, 42

Der Jüngste: St. Moulin, 42 (Foto: Steinmetz)

Die Jüngste: Pervin Taze 35

Die Jüngste: Pervin Taze 35 (Foto: Moschel)

Nochmal: Elke Streuber, 68

Nochmal: Elke Streuber, 68 (Foto: SPD/frei)

Der Neue: Frank Schmid

Der Neue: Frank Schmid (Archivfoto:Steinmetz)

Er hört auf: Fritz Presl, 72

Er hört auf: Fritz Presl, 72 (Foto: SPD/frei)

Sie auch: Sabine Schmidt-W.

Sie auch: Sabine Schmidt-W. (Foto: Moschel)

Seit vielen Jahren versucht die SPD ihre Fraktion im Stadtrat zu verjüngen. Bei ihrer Liste am Donnerstag für die Wahl im Mai 2019 soll es gelingen.

Genau 14 Frauen und Männer bilden die SPD-Fraktion im Zweibrücker Stadtrat. Die Hälfte von ihnen darf seit geraumer Zeit im Restaurant den Senioren-Teller bestellen und mit dem Senioren-Ticket Bus und Bahn fahren: Fritz Presl, Berni Düker, Wolfgang Ohler, Walter Rimbrecht, Elke Streuber, Gabriele Vogelgesang und Hedi Danner. Peter Schönborn muss noch einen guten Monat warten, dann darf auch er günstiger in Museen, Zoos und Schwimmbäder.

Die CDU hat Verjüngung hingekriegt

Im Durchschnitt ist die derzeitige SPD-Fraktion 60 Jahre alt. Das ist zwar deutlich jünger als zum Beispiel die der FDP, aber eben auch deutlich älter als die SPD sein will. Alle fünf Jahre wieder stimmen die Genossen deshalb vor Wahlen das Lied Verjüngung an und kündigen an, junge Leute auf die Stadtratsliste zu setzen. Damit auch die Jugend und die Jusos eine Chance bekommen und damit die Probleme, die die jungen Zweibrücker umtreiben, im Stadtrat nicht nur zur Sprache kommen, sondern gelöst werden. Und außerdem, das wird aber nicht laut gesagt, weil die CDU das auch hingekriegt hat.

Die SPD tut sich aber schwer damit, das Vorhaben umzusetzen. Das männliche SPD-Nesthäkchen im Stadtrat zählt inzwischen 42 Lenze und hört auf den Namen Stéphane Moulin. Ausgerechnet der Jüngste ist Chef der Altenrunde: Moulin führt die Fraktion – und seit dem Sommer zudem die Partei. Folglich gehört es zu Moulins vornehmsten Aufgaben, die angestrebte Verjüngung auch durchzusetzen.

Ein paar der älteren Fraktionsmitglieder sollen sogar so weit gewesen sein, auf eine weitere Kandidatur zu verzichten. Aber als diese dann hörten, dass ein anderer Älterer partout nicht verzichten wollte, erklärten sie den Rücktritt vom Rücktritt.

Ob denn „Erfahrung gar nichts mehr zähle“, soll einer gemosert haben. Ein anderer soll zu bedenken gegeben haben, dass die Bevölkerung Zweibrückens ja auch immer älter werde. Von dieser Entwicklung dürfe sich die SPD nicht abkoppeln.

Der Politik den Rücken kehren

Irgendwann muss Sabine Schmidt-Wilhelm der Kragen geplatzt sein. Sie hat erklärt, dass sie definitiv nicht mehr kandidiert und mit der Politik ganz aufhört. Dabei zählt Sabine Schmidt-Wilhelm mit gerade einmal 53 Lenzen zur jungen Garde der Fraktion. Sie soll die Individualisten in der SPD-Fraktion leid gewesen sein. Schmidt-Wilhelm führte einmal die Fraktion, musste sich aber in fast jeder Stadtratssitzung gefallen lassen, dass aus der eigenen Fraktion öffentlich Widerspruch geäußert oder zumindest eine Zweit- oder Drittmeinung vorgetragen wurde. Irgendwann gab sie entnervt auf, trat ins zweite Glied zurück und gab auch ihre Ambitionen auf, Abgeordnete in Berlin oder Mainz zu werden oder Bürgermeisterin oder Oberbürgermeisterin.

Neben Sabine Schmidt-Wilhelm zieht sich auch Fritz Presl aus der aktiven Politik zurück. Presl ist 72 Jahre alt, war Partei- und Fraktionsvorsitzender in Zweibrücken, hat zudem den Wahlkreis im Mainzer Landtag vertreten – und bis zuletzt im Hintergrund bei der SPD die großen Weichen gestellt. Er soll Marold Wosnitza von einer Kandidatur als Oberbürgermeister überzeugt – und dann die Unterstützung für ihn organisiert haben.

Ältere überzeugen, keine vorne Platz zu machen

Berni Düker (76) wollte zunächst auch aufhören, will’s nun aber doch noch mal wissen. Der Partei gegenüber soll er erklärt haben, er wolle „noch ein Jubiläum voll machen“ und dann vor Ablauf der fünfjährigen Wahlperiode einem Jüngeren Platz machen. Wolfgang Ohler (75), der Zweitälteste der Fraktion, will dem Vernehmen nach ebensowenig vom politischen Ruhestand wissen wie Elke Streuber (68), Gabriele Vogelgesang (66), Walter Rimbrecht (66) und Hedi Danner (62).

Die parteiinterne „Arbeitsgemeinschaft Generationswechsel“ will die Älteren bis Donnerstag in Einzelgesprächen dazu bewegen, zumindest keinen der vorderen Listenplätze anzustreben, damit junge Talente eine Chance haben, in den Stadtrat gewählt zu werden.

Die Erfahrung bei vergangenen Stadtratswahlen hat nämlich gezeigt, dass der Wähler eher bekannte Namen ankreuzt. Und je länger eine Person in Zweibrücken Politik gemacht hat, desto bekannter ist sie in der Regel in der Stadt.

Bei der Stadtratswahl 2014 hatte die SPD auf den ersten 14 Plätzen nur einen Kandidaten im Juso-Alter (maximal 35) aufgeboten: Pervin Taze. Ihr gelang der Sprung in den Rat. Von den Jusos auf den hinteren Plätzen schaffte es keiner, nach vorn in den Rat gewählt zu werden. Von den Mitgliedern der SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus schafften es hingegen sogar zwei: Wolfgang Ohler (von Platz 16 auf Platz 2) und Walter Rimbrecht (von Platz 18 auf Platz 4).

Eine ganze Reihe von jungen Leuten bereit

Die Parteispitze weiß also, dass sie junge Leute sehr weit vorne auf die Liste setzen muss, wenn sie eine Chance haben sollen, in den Rat zu kommen. Und die Parteispitze weiß auch, dass Senioren sehr weit hinten platziert werden müssen, wenn sie nur als Zählkandidaten antreten.

Die SPD lässt verbreiten, dass sie derzeit eine ganze Reihe von guten jungen Leuten hat, die bereit seien, für den Stadtrat zu kandidieren und die einen Sitz verdient hätten. Die Partei nennt im Vorfeld des Parteitags vom Donnerstag keine Namen. Amelie Rothhaar, neue stellvertretende Vorsitzende des Ortsvereins Zweibrücken, könnte eine der Gemeinten sein.

Und was ist mit Quereinsteigern? Werden auf der SPD-Liste Namen stehen, die in der Stadt zwar bekannt sind, bisher aber noch auf keiner SPD-Liste zu finden waren? Zur RHEINPFALZ ist nur ein Name durchgedrungen. Der von Frank Schmid. Er ist Präsident der VB Zweibrücken und Chef des Reisebüros an der Alexanderskirche. Marold Wosnitza, der gewählte, neue Oberbürgermeister der Stadt, dürfte seinen alten Freund breitgeklopft haben, nach Jahren des Zierens nun endlich mal für die SPD zu kandidieren. |Archivfotos: Moschel, 5 frei, 2 Steinmetz

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