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Montag, 09. Mai 2016 Drucken

Zweibrücken Land

Mit Schneekanonen gegen Heinz

Schopp: 24-Stunden-Rennen der Klappradler zu Pfingsten – FKK-Bereich, Duschpaten und Beregnungsanlage

Von Gaby Böhmer

 

Fürchten sich vor gutem Wetter zu Pfingsten: die hochmotivierten Starter des World-Klapp. Notfalls werden Schneekanonen eingesetzt. ( Fotos: VIEW)

„Wieder Dreck in die Fresse!“ So lautet das Motto des mittlerweile fünften World-Klapp, der Klapprad-Weltmeisterschaft, die am Pfingstwochenende im „Schopp-o-drom“, der Radrennbahn in Schopp, ausgetragen wird. Der seit 2011 bestehende Pfälzer Klappverein aus Dudenhofen richtet gemeinsam mit dem Schopper Radfahrverein, dem Sportverein, dem FCK-Fanclub und dem Feuerwehrförderverein das 24-Stunden-Rennen aus.

 

Mit dabei sind altbewährte Veteranen aus dem Rennstall. Günter Seiberth alias „20-Zoll-Beamter auf Lebenszeit“ präsentiert stolz seinen Werkzeugkoffer mit dem 20-Zoll-Stock, einem Disqualifikationsmesser und einem rechtsdrehenden Mantelbohrer, der von unwissenden Weintrinkern manchmal als Korkenzieher zweckentfremdet wird. Mit den beiden letztgenannten Werkzeugen wird er, falls Teilnehmer die 20-Zoll-Marke mit ihrer Radbereifung übersteigen sollten, eben diese ohne Zögern platt stechen, was einer Disqualifikation gleichkommt.

Harald Hans Hinkel, der Sicherheitschef von der CIA („Chicken Intelligence Agency“), hat trotz der verschärften Sicherheitslage nach dreisten Diebstählen die Situation völlig im Griff. „Ich bin ein Siegertyp und weiß, wo ich mit ,Horst’, der Trophäe, hingehöre“, tönt siegesgewiss die selbst ernannte Klapprad-Legende Alfons V. Nach einer Klapprad-Rundfahrt in Italien im April scheint er nun zu wissen, wo er künftig in die Pedale treten möchte.

Technisch aufgerüstet und mit verbesserten Laktat-Werten der Fahrer tritt das Team um „Captain Rocketeer“ von Rakete Frankfurt an. Als Vertreter des Titelsponsors der World-Klapp 2016, Bürstenmagnat H. T. Borstenson, überreicht er eine Hightech-Zahnbürste an die Rennleitung. Stilecht und mit vorbildlichem „Pornobalken“ im Gesicht repräsentiert der Präsident des Pfälzer Klappvereins, Björn Blätz, das 70er-Jahre-Top-Styling des World-Klapp.

46 Teams mit jeweils vier Radrennfahrern werden nach der Premiere 2015 zum zweiten Mal im „Schopp-o-drom“ antreten. Insgesamt 184 Fahrer sind gemeldet. Der Großteil kommt aus der Pfalz und dem Saarland, 16 Teams aus Frankfurt und Darmstadt, weitere aus Hamburg, den Niederlanden und der Schweiz.

Für die Teilnehmer aus Wismar, die als ehemalige DDR-Bewohner besondere gesundheitsfördernde Maßnahmen zu schätzen wüssten, will Dr. Klapp alias Hermann Nocke, seines Zeichens Spezialist für Klappradiologie und Scharnier-Arthrose, künftig in der Radlerwerkstatt einen FKK-Bereich einrichten.

Peter Zürker, der Vorsitzende des Pfälzer Klappvereins, hebt besonders die Teilnahme von König Céphas Bansah aus Ghana hervor. Seine Hoheit wird als Schirmherr der Veranstaltung am Samstagnachmittag mit einem Helikopter einfliegen, um die nötigen Rituale zur Eröffnung des 24-Stunden-Rennens vorzunehmen.

Überhaupt herrschen bei allem Humor auch strenge Regeln. Dazu gehören die obligatorischen Bartkontrollen („Ohne Bart kein Start“) – es sei denn, es liegt eine Bartwuchsunfähigkeitsbescheinigung nach der Oberlippenbartverordnung für Frauen ohne Damenbart vor. Als Moderator wird Udo Scholz durchs Programm führen. Die „Stimme der KlapprAdler“ ist vielen Fußballfans noch als die „Stimme vom Betzenberg“ vertraut.

Der Startschuss für das Rennen fällt an Pfingstsamstag um 18 Uhr. Für das Rahmenprogramm sorgen unter anderem Cheerleader aus Krickenbach, mehrere Bands, ein Thai-Massage-Angebot für Teilnehmer und Gäste sowie Rundflüge mit dem Helikopter am Samstag und Sonntag.

„Damit dieses Jahr alle Fahrer duschen können, sucht der Pfälzer Klappverein noch Dusch-Paten, die verschwitzten Fahrern ihre Brause zur Verfügung stellen.“ Nach diesem Aufruf im Amtsblatt meldeten sich zwei Schopper Familien. Sie werden den Radrennfahrern, die nach eigener Aussage „wie die Iltisse stinken“, sanitäres Asyl gewähren.

Schirm-Herr König Bansah, der die gewünschte Wetterlage bereits im Namen trägt – denn ein World-Klapp wird nur bei schlechtem Wetter ausgetragen –, ist von den Veranstaltern dringend gebeten worden, mit seinen Voodoo-Künsten zum Gelingen des 24-Stunden-Rennens beizutragen. Denn: „Breaking News: Das Hochdruckgebiet ,Heinz’ über den Klappverden bedroht die ordnungsgemäße Durchführung des World-Klapp. Für Pfingsten sind 30 Grad gemeldet.“

Deshalb prüft der Veranstalter jetzt die Verwendung von Beregnungsanlagen und Schneekanonen. „Die Schönwetterlage ist uns zu heikel“, erklärt Hartmut Gundacker vom Radfahrverein Schopp mit Nachdruck.

 

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